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binda

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1

Freitag, 11. Mai 2012, 08:56

Marsimoto

Biografie

"Auf so was habe ich immer gewartet“, schwärmte ein sichtlich euphorisierter Jan Delay im letzten Jahr über das Album „Halloziehnation“ von Marsimoto. Die Props von einem der ganz Großen des Spiels stellten gleichzeitig Endpunkt des Daseins als Untergrund-Kritikerliebling und Anfang einer Wahrnehmung durch die breitere Öffentlichkeit dar. Vom Rostocker Plattenbau über Manhattan, Mailand und Montmartre ins Berlin-Friedrichshain der Jetztzeit: Ein Werdegang, so außergewöhnlich wie der Künstler selbst.

Flashback: Deutschrap im Herbst 2006. Die halbe Szene ergeht sich in Proll-Plattitüden und halbgarer Sozialbauromantik zwischen Hartz IV und Kleinkriminalität. Die andere Hälfte jammert daheim im stillen Kämmerlein über die Verhältnisse und widmet sich Ersatzbefriedigungen wie Indierock und Electro. Völlig unvermittelt erscheint mit Marsimotos „Halloziehnation“ eine volle Breitseite, die endlich den Spaß in den deutschen Hip Hop zurückbringt. Plötzlich ist alles möglich, was bis dato an überbordenden Egos und schematischen Rezepten scheiterte: Scharfe Selbstironie, kluge Referenzen, innovative Instrumentals. Unkenrufe wegen der Parallelen zur Quasimoto-Figur des US-Indie-Produzenten Madlib gehen ins Leere: Ein bekennender Hip Hop-Nerd hat einfach seine ganz persönliche Hommage eines bekannten Phänomens erschaffen , dabei jede Menge Spaß gehabt und ist auf gar keinen Fall bereit, sich jetzt dafür zu schämen. Und selbst aus Madlibs „Bomb Shelter“-Labor in Los Angeles vernimmt man bald wohlwollende Zustimmung.

Kein Wunder, denn Marterias amüsantes Fabelwesen-Alter-Ego philosophiert mit hochgepitchter Stimme über so spannende Themen wie Frauen und Fußball. Die Beatgerüste seines Haus- und Hofproduzenten Dead Rabbit schulden britischem Grime und französischem Schranz-Electro à la Ed Banger genau so viel, wie der von Timbaland und den Neptunes initiierten amerikanischen Tech-Hop-Schule. „Würde Harris einen Ballon Helium inhalieren und über Dizzee Rascal-Instrumentals freestylen, käme das Ergebnis dem Marsimoto-Sound vermutlich ziemlich nahe“, fabuliert das Fachblatt JUICE. Marsimoto hält der verkrampften Szene einen zerbrochenen Spiegel vor, ohne sie dabei von oben herab zu behandeln – im Gegenteil, der Mann hinter der Kunstfigur ist nach wie vor bekennender Deutschrap-Fan und „Einer von euch“. Wer schon mal einen feuchtfröhlichen Abend mit dem gebürtigen Rostocker verbracht hat, der bekam in der Regel auch einen amüsanten Schnellkurs mit den besten Lines von Massiv, Kollegah und K.I.Z. verpasst. Ganz davon abgesehen, dass man dann das Vergnügen hatte, mit einem der lustigsten und charismatischsten Schweinereimer abzuhängen, die der Vizeeuropameister derzeit zu bieten hat.

Hinter dieser kometenhaften Erfolgsgeschichte steckt eine irrlichternde Biografie, die im Rostocker Plattenbau-Ghetto beginnt. Im jugendlichen Alter nehmen ihn die lokalen Rap-Heroen von der Underdog Cru unter ihre Fittiche, lassen ihn bereits als 16-jährigen vor tausenden Fans auf dem Chemnitzer splash!-Festival auftreten und verschaffen ihm sogar einen eigenen Plattenvertrag – allerdings geht das Label kurz nach Fertigstellung des ersten Albums pleite. Auch aus den sportlichen Alternativträumen – immerhin war der begeisterte Fußballer bis hin zur U17-Nationalmannschaft unter Horst Hrubesch gekommen – sollte nichts werden. Stattdessen wird Marteria während eines Besuchs bei seiner Schwester, die in New York als Au Pair arbeitete, zufällig auf der Straße als Model entdeckt. Die folgenden eineinhalb Jahre pendelt Marteria permanent zwischen den Modemetropolen der Welt, arbeitet als Katalog- und Laufsteg-Model und betreibt Sozialstudien auf Gucci-Aftershowpartys - und schreibt nebenher stets weiter Rap-Texte.

Als er nach besagten eineinhalb Jahren vom Modegeschäft die Schnauze gestrichen voll hat und sich in Berlin an der Schauspielschule einschreibt, resultiert die Auswertung seiner gesammelten Reimbücher in der einstündigen „Halloziehnation“, die den Grundstein für eine der spannendsten deutschen Rap-Karrieren des neuen Jahrtausends legen sollte, denn im Spätsommer 2007 folgt nach reichlich Kritiker- und Szenelob bereits der nächste Streich: Mit „Base Ventura“ erscheint das erste Album unter seinem „richtigen“ Rap-Namen, mit seiner „richtigen“ Stimme eingerappt. Erneut hat Dead Rabbit derart schräg um die Ecke gedachte Bassline-Breaks geschustert, die in ihren Einflüssen einmal von Friedrichshain über Brixton bis 7 Mile und wieder zurück wildern. Gastbeiträge vom umstrittenen Porno-Rapper King Orgasmus One und dem bissigen Südberliner Straßenköter Godsilla sind zwar nicht zwingend das, was sich die Hip Hop-Polizei von einem designierten Untergrundklassiker erhofft hat, der Teil der Szene allerdings, dem falsch verstandene Subkulturideale und vorsintflutliches Scheuklappendenken ohnehin sauber am Allerwertesten vorbeigeht, hat endlich neues Futter für das Autoradio im Stufenheck-Kadett oder jedenfalls einen ständigen Wegbegleiter für die tägliche Irrfahrt durch den von Melle Mel einst so treffend beschriebenen urbanen Dschungel.

Neben der Fachpresse und seiner heutigen Plattenfirma Four Music haben in den letzten Monaten viele renommierte Künstler den talentierten Mr. Mar für sich entdeckt: Neben Jan Delay, der ihn im Dezember 2007 als Supportact auf seine „Mercedes Dance“-Tour mitnahm, ist auch Samy Deluxe auf den Newcomer aufmerksam geworden und erwähnte ihn mehrfach lobend in Interviews, was schließlich dazu führte, dass Marteria im Oktober 2008 die Hallen für Dynamite Deluxe auf dem zweiten Teil ihrer „Wär das die letzte Tour“-Tour aufwärmen wird. Mittlerweile ist aber ohnehin allen klar, dass Marteria das nächste große Ding im Deutschrap ist. Beim „Hip Hop spricht“-Event in Berlin stellte er im Sommer seinen kontroversen neuen Song „Todesliste“ vor, in dem ein Großteil der deutschen Rapszene auf gewohnt satirisch-humorvolle Weise sein Fett weg bekommt, und das zweite Marsimoto-Album „Zu zweit allein“ mit interessanten features ist für den 17.10.2008 geplant. Voraussichtlich im Frühjahr 2009 wird dann das große Four Music-Debüt als Marteria folgen. Der Anspruch kann diesmal nicht geringer als ‚Weltherrschaft’ lauten.

Quelle: Facebook

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=cHI5EzAgzy8[/youtube]
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Pennsocke

unregistriert

2

Montag, 14. Mai 2012, 00:26

Ich finde "Grüner Samt" mittlerweile einfach nur spitze.
Am Anfang sehr gewöhnungsbedürfig, aber mittlerweile darf die Platte schon häufiger laufen ;)


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