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djrj

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21

Mittwoch, 4. Dezember 2019, 15:09

Die Gastarbeiter wurden für Arbeiten gebraucht, die für Einheimische nicht so attraktiv war. Am Hochofen beim Abstich standen ausschließlich Türken. Hauer unter Tage waren auch vorwiegend Gastarbeiter.
In den 70er Jahren gab es kaum Ausländische Familien, der Familiennachzug kam erst in den 80ern zum Tragen. Vorher wohnten die Gastarbeiter in Heimen mit Etagenbetten in Werksnähe.

Die RAF spielte außer in der Tagesschau und bei Straßensperren, keine große Rolle im Alltag, Sie gab es, ein paar Unterstützungsgruppen gab es auch, aber eigentlich wollte niemand was mit denen zu tun haben.

Im Stadtbild sah man in den 70ern erste Türkische Frauen mit Kopftuch und Knielangem Rock, dadrunter eine grelle, farbige Stoffhose, gerne Grasgrün oder Kanariengelb. Das war für mich als Kind gewöhnungsbedürftig. Deutschkenntnisse? Fehlanzeige. In der Schule gab es kaum Ausländer. Die hatten Muttersprachlichen Unterricht, gerne auch zu Zeiten des Religionsunterrichtes. Man ging ja schließlich von einer Rückkehr ins Heimatland aus. Das Änderte sich dann langsam in den 80ern. Es gab nicht nur Pizzerien, die ersten Döner Kebap Läden eröffneten im Marxloh und auch der klischeehafte türkische Gemüsehändler war nun aus einigen Stadtteilen nicht mehr wegzudenken. Dort konnte man auch ohne Deutschkenntnisse einkaufen. Eine Rückkehr warzwar für viele noch das Ziel, aber je länger man blieb, desto weniger war der Drang zurück zu kehren, vor allem, wenn die Kinder hier groß geworden sind und hier bleiben wollten. Für die Rückkehrer, die so genannten Deutschländer, war es in der Türkei nicht leicht wieder Fuß zu fassen. Wie es in anderen Ländern aussah, weiß ich nicht.

Deutschland war aber ein Gastarbeiterland, keine Einwanderungsland. Alle gingen davon aus, dass die Gastarbeiter auch wieder zurück in ihre Heimat gehen. Die Arbeitskräfte waren durch ihren Beruf halbwegs integriert und auch als wertvoller Teil der Gesellschaft anerkannt. Ausländerfeindlichkeit gab es natürlich auch damals schon - auch in der DDR, aber das war im Alltag nicht relevant.

Rechte Parteien wie die NPD oder die inzwischen verbotene FAP versuchten auch damals schon mit Aufmärschen auf sich aufmerksam zu machen und Parteien wie die DVU und Republikaner versuchten in die Lücke zwischen Franz-Josef Strauß (CSU) und NPD vorzustoßen. Rassismus war aber nicht Gesellschaftfähig und kein Grund eine rechtsextreme Partei zu wählen. Die DGB-Jugend startete die Kampagne der gelben Hand: "Mach meinen Kumpel nicht an". Die Brandanschläge auf Türkische Familien in Solingen un Mölln führten zu einer Mobilisierung der Zivilgesellschaft gegen Fremdenfeindlichkeit. Kilometerlange Lichterketten und auch Konzerte wie "Arsch Hu Zäng usanander" (?) mit Beteiligung nahezu aller damals relevanten deutschen Künstler.

Man merkte auch, dass die Gastarbeiter zu Mitbürgern wurden und richtete Seniorenheime ein, die sich auch auf Migranten einrichteten.

Auf der anderen Seite war das soziale Leben der Gastarbeiter nicht so abwechslungsreich. Es gab den Moscheeverein auf irgend einem Hinterhof oder eine Teestube, meist mit illegalem Glücksspiel. Kulturvereine wurden aber auch gegründet und auch Fußballmanschaften, die sich teils auch in die Einheimischen Vereine integrierten.

So hab ich das damals im Pott erlebt. Wie diesen Prozess Türkische Familien erlebt haben, darüber handelt ein Roman eines ehemaligen Kollegen:
"Halbes Brot" von Fakir Baykurt
https://www.amazon.de/Halbes-Brot-Roman-…r/dp/3981259432

Dann kam die Maueröffnung und die unterdrückte rechtsextremen aus der Hooliganszene konnte offen auftreten was sie dann auch tat. Die Gastarbeiter in der DDR hatten immer nur Zeitverträge. Hier war eine Rückkehr immer vorgesehen. Nun kamen die ganzen Flüchtlinge aus Jugoslawien. Darunter auch viele Roma aus ärmsten Verhältnissen, die nicht gelernt hatten die Einrichtung moderner Zivilisation sachgerecht zu nutzen. Das sorgte bei Nachbarn zu Unmut und schließlich zu Rostock-Lichtenhagen. Dort hat der Staat völlig versagt Menschen vor Übergriffen zu schützen. Das war das erste mal, dass man sich die Mauer zurück gewünscht hat. Nein, mit solchen Neonazis wollten wir nicht in einem Land leben.

Die rechte Szene im Ruhrgebiet gab es zwar immer und hatte auch Anhänger unter den Fußbalfans, aber sie konnte sich selten durchsetzen und auch die Vereine fingen an den Rechtsextremismus und Rassismus zu bekämpfen. Irgendwann sprang auch der DFB auf diesen Zug auf. "Die Rechte" hat sich aber aus dem Kreis der "Borussenfront" gegründet und hat in Dortmund einen Sitz im Stadtrat.

Nun hat es die AfD geschafft, die NPD aus den Parlamenten heraus zu halten....


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Killer2906

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Mittwoch, 4. Dezember 2019, 15:44

Danke djrj für die Ausführliche Antwort.

Das ist eine Zeit in der ich noch nicht gelebt habe.

Manche Dinge scheinen sich allerdings nicht zu ändern, denn auch heute gibt es noch Jobs, die ein Deutscher nicht machen möchte. Mir fallen da spontan die Erntehelfer ein. Außerdem habe ich in einer Firma gearbeitet die Flüssigseife und Duschebäder herstellt und ich kann dir nicht sagen aus welchen Nationen Menschen da als Packer gearbeitet haben.

Ich habe sehr großen Respekt vor jedem der mit solchen Knochenjobs seinen Unterhalt finanziert.

Wenn ich dann die Aussage höre, dass die Ausländer einem den Job weg nehmen, dann muss ich kotzen. Das sind meistens die Leute die zu faul zum Arbeiten sind bzw. mir hat noch nie jemand Arbeit weggenommen. Ich bekomme eher Arbeit dazu.


RackerJ

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23

Mittwoch, 4. Dezember 2019, 17:58

Danke djrj!

enn ich dann die Aussage höre, dass die Ausländer einem den Job weg nehmen, dann muss ich kotzen. Das sind meistens die Leute die zu faul zum Arbeiten sind bzw. mir hat noch nie jemand Arbeit weggenommen. Ich bekomme eher Arbeit dazu.


Wer arbeiten will, findet Arbeit.
Was heißt den hier Niveau?
NEIN :!:

djrj

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24

Mittwoch, 4. Dezember 2019, 18:17

Vielleicht ist es auch ein gutes Thema, um die eigenen Eltern mal nach ihren Wahrnehmungen zu fragen. Meist trifft man sich ja so um Weihnachten rum und dann kann man die Alten mal erzählen lassen.

Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass es schon mal laut werden kann, wenn über Politik gestritten wird. Ich würde empfehlen einfach zu fragen und zuzuhören. Nachfragen kann man dann ein andermal, ohne ein friedliches Fest zu gefährden.


Gabumon

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25

Freitag, 6. Dezember 2019, 12:43

Die RAF war sowieso so eine Sache

Insgeheim fand eigentlich jeder "ganz gut" was die machten, ich meine "Arbeitgeberpräsidenten", Hanns Martin Schleyer oder Siegfried Buback konnte genau NIEMAND leiden. Sprich als die Ermordet wurden fanden nicht wenige Leute das "absolut gerechtfertigt" oder als "kein verlust". Die RAF hatte extrem große Sympatien beim "kleinen Mann". Auch die Versuche des Staates die als Volksfeinde zu titulieren schlugen fehl, und auch der Mord an Wolfgang Grams, oder einen vom LKA fingierten "Fluchtversuch" oder der angebliche "Selbstmord" von diversen RAF Mitgliedern im Knast taten ihr übriges

Die RAF ist auch heute für die meisten keine "Terrororganisation"

Es kommt die Zeit
in der das Wasser wieder steigt...
Es kommt die Zeit
in der der Airport wieder brennt...

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