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  • »Wehende Bayernfahnen« ist männlich

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101

Freitag, 13. Januar 2017, 00:49

Ich kann die Kritik an dem Doppelalbum auch gut nachvollziehen, für mich besteht die Kreuzzug irgendwie aus den ersten 13 Tracks und wenn danach noch Muße da ist, gibt man sich CD zwei. Die erste Scheibe hab ich auf etlichen Zug- und Busfahrten bis zum geht nicht mehr gehört, die zweite am Stück deutlich seltener, eher mal einzelne Stücke rausgepickt. Die Reggae-Version von "Mehr davon" finde ich sehr gelungen, aber ich kann sie mir nicht anhören ohne dabei zu denken, dass das Original sie immer noch in 10 von 10 Fällen mit einem Schlag auf die Bretter schicken würde... Dafür ist das Original einfach zu gut.

Wenn man unbedingt ein Doppelalbum raus bringen wollte, verstehe ich die Songauswahl nicht so ganz. So viele starke B-Seiten gab es zu dieser Zeit, stattdessen macht man die experimentelle zweite CD und packt dazu noch zwei Cover auf die erste CD. So gut mir die Kreuzzug gefällt, "New Guitar in Town" hat darauf einfach nichts zu suchen. "Keine Chance für die Liebe" ist obendrein in meinem Hosen Worst-of hier im Forum gelandet. Aus rationaler Sicht muss ich die Platte eigentlich weit hinten einordnen. Aber irgendwie kann ich das nicht. Auf seine Weise wirkt das Album doch wieder so stimmig und in sich passend, dass ich es bedenkenlos zehn mal nacheinander hören könnte und immer noch Spaß daran hätte.

Trotzdem müsste ich mir mal eine alternative Running Order mit den B-Seiten zusammenstellen, wenn ich Zeit finde. :)

Kettenreaktion
-
Es ist das alte Leid im neuen Gewand!
Habt ihr das nicht kapiert, habt ihr das nicht erkannt?
Alles was hier passiert ist schon mal so gewesen!
Um das zu sehen muss man kein Geschichtsbuch lesen!

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pillermaik

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Freitag, 13. Januar 2017, 06:37

Hier ist es wie beim "White Album" von den Beatles: Die Einen finden, eine einzelne Scheibe ohne Experimente hätte gereicht und dann wäre es TOP-Album geworden, die Anderen sagen, dass eben genau diese Vielschichtigkeit das Album zu einem TOP-Album macht... Schwierig.

Man kann darüber diskutieren, ob

- man die Willi-Songs plus Polt-Umrahmung, die bis auf Teil 3 schon veröffentlicht waren hätte bringen müssen.
- die beiden Western-Songs, die ebenfalls schon auf der "Alle Mädchen wollen küssen" Single verbraten wurden hier nochmals hätten aufgelegt werden müssen.
- Dasselbe gilt für "Achterbahn", das schon B-Seite zu "Hier kommt Alex" war.
- "Mehr davon" in dieser obergeilen Reggae-Version Sinn macht
- ein Studioalbum 3 Covers braucht: "Azzurro", "First time" und "New guitar in town".
- der Anrufbeantworter und "Jet-Grill" nötig waren
- der "Hip hop Bommi Bop" Remix sein musste.

Dann sähe das Album so aus:

1. Auf Dem Kreuzzug Ins Glück
2. Alles Wird Gut
3. Glückspiraten
4. Fünf Vor Zwölf
5. Geld & Gold
6. Keine Chance Für Liebe
7. Die Opel-Gang Teil II
8. Streichholzmann
9. All Die Ganzen Jahre
10. Sein oder Nichtsein
11. Schönen Gruss, Auf Wiederseh'n
12. Der Auftrag
13. 1000 Nadeln
14. Willi's tiefer Fall

Es bleiben 14 Songs, darunter ein Intro und Willi 3, das alleine wenig Sinn macht... Nach meinem persönlichen Geschmack alles TOP-Songs, wenn man "Keine Chance für die Liebe" mal ausklammert. Es wäre ebenfalls eine fantastische Platte gewesen so. Keine Frage.

Doch jetzt, wo wir all diese "Specials" kennen; wäre die Scheibe so nicht etwas blass, etwas normal? Zwar TOP, aber ich finde diese komischen Abenteuer machen die Scheibe unkonventionell und sehr vielschichtig und interessant.


Anlässlich der Diskussion über "Zurück zum GLück", greife ich gerne den Thread zu diesem Album auf. Ich liebe es so wie es ist - mit all den Verrücktheiten und kleinen Ideen, mit den für die damalige Zeit Experimenten und all dem komischen Zeugs. Wie beim "White Album" der Beatles ist es so richtig wie es ist - dennoch werden diese Verrücktheiten immer wieder kritisiert.. lassen wir das Zeugs also mal weg und besetzen die Songs mit den genialen B-Seiten aus jener Zeit.. raus kämen diese Songs, die ich nach meinem Geschmack noch in eine Reihenfolge setze:

1. Auf Dem Kreuzzug Ins Glück
2. Alles Wird Gut
3. Glückspiraten
4. Fünf Vor Zwölf
5. Feinde
6. Der Auftrag
7. Fernsehen
8. Keine Chance Für Liebe (mieser Song deluxe - könnte man streichen!!!)
9. Dr. Sommer
10. Streichholzmann
11. Vor dem Sturm
12. All Die Ganzen Jahre
13. Sein oder Nichtsein
14. Traumfrau
15. 1000 Nadeln
16. Geld & Gold
17. Herzlichen Glückwunsch
18. Willi's tiefer Fall
19. Die Opel-Gang Teil II
20. Schönen Gruss, Auf Wiederseh'n

...wobei ich da kläglich "Mehr davon - dreadlock mix", "Achterbahn" (war halt B-Seite zu "Alex", kann man deswegen nicht verwenden, müsste dann bei der "Horrorschau" berücksichtigt werden) und auch "Azzurro" vermisse...
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RackerJ

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103

Freitag, 13. Januar 2017, 07:17

dito bei mir... im hintergrund bei "was würde wohl morgen in der zeitung stehen..." dieses obergeile, fast nicht wahrnehmbare gitarrenlick von kuddel, das der strophe zusätzlich verzweiflung und power schenkt; grossartig!!

Nun habe ich es gefunden und bin echt von den Socken...27 Jahre später entdecke ich da was, das ich noch nie bewusst wahrgenommen habe. Unter der eskalierenden Stimme geht das fast unter, bleibt aber spürbar. FETT! :!::!::!:

Am Ende folgt das Thema noch ein paar mal, geht im Hall aber fast unter.



Sorry für das Selbstzitat, aber so bleibt es im Zusammenhang.

Ich vermute, das bisherige Nicht-Wahrnehmen dieses Riffs lag vielleicht an der schlechten Qualität meines überspielten Tapes damals. Ich hatte ja keine LP, geschweige denn CD und es war auch definitiv nicht die erste Kopie. Das ging javorher schon durch zig Hände. Vielleicht habe ich mich dann einfach nicht mehr genug "konzentriert" beim späteren Hören, als ich eine CD hatte.

Ich bin auf jeden Fall neugierig geworden, was ich sonst noch so neuentdecken kann.
Hat noch jemand unbekannte Stellen im Angebot? :D
Dies sollte uns aber nicht vergessen lassen, dass Al Bundy 1966 VIER (!) Touchdowns in einem Spiel gemacht hat und den Polk High School Panthers damit zur Stadtmeisterschaft verholfen hat.

pillermaik

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Freitag, 13. Januar 2017, 07:30

in "feinde"; die letzten töne des solos sind enorm sonderbar, ganz hoch - habe ich damals erst gehört, als mein kopfhörer kaputt ging, respektive nur noch auf einem ohr funktionierte. da kamen dann diese schrillen töne raus, die ich davor nie gehört hatte - jetzt höre ich sie immer.

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Svetislav

...wir sind zurück auf dem Bolzplatz!

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Freitag, 13. Januar 2017, 08:03

.

Alles ist eins und gehört zusammen.

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pillermaik

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Sonntag, 10. September 2017, 09:35

Und mal wieder liegt die Schiebe auf meinem Plattenspieler... Keine Ahnung warum, doch die "Kreuzzug" ist die Schiebe, die in meiner Bauchgegend heute noch am meisten auslöst - wahrscheinlich weil es die erste Scheibe war, auf die ich als FAN gewartet habe. "Horrorschau" lernte ich ja erst nach "Hier kommt Alex" kennen und wurde zum Fan, bekam "Unter falscher Flagge" geschenkt. Wobei ich dasselbe Gefühl auch bei "180 Grad" habe, seltsamerweise - dieses komische Bauchgefühl der Verliebtheit, auch der Sehnsucht und sogar aus heutiger Sicht des Vermissen und der Nostalgie, weil die Jugend - und dessen war man sich ja nicht bewusst damals - nur ein ganz kleiner, kurzer und unwiederholbarer Abschnitt im Leben ist. Diese 6, 7 Jahre sind einmalig und kommen nie wieder. Der Übertritt von Kind zu erwachsen, die ersten richtigen Küsse (und mehr), neue Gefühle in sich entdecken, die mit 100 einschlagen und einem umhauen, auch der Aufbruch und Ausbruch vom gemachten Nest daheim - die Territorien erweiterten sich, der Aktionsradius ebenso...
Konzerte, erste Nächte nicht nach Hause kommen - das alles passiert zwischen 11/12 und 18. Und wird in dieser jungfräulichen Art nie wieder kommen. Danach ist man einfach "nur erwachsen" und wenn man nicht aufpasst stumpft man ab, wird zum Hamster im Rad - am besten noch mit Karotte vorne dran und strampelt sich ab. Für ein System, das man eigentlich SO gar nicht so gut findet. Man wird desillusioniert und gibt auf eine gewisse Weise auf, kapituliert...
Nicht dass ich falsch verstandne werde; es liegt an einem selbst, welche Wege man geht und wie man sie bewältigt. Wie glücklich man sich sein Leben gestaltet und wieviel Kind man behält. Und es gibt NATÜRLICH soviele neue Erfahrungen und Erkenntnisse, die einem täglich erfüllen. Klar!

Aber dieser "jugendliche Leichtsinn", diese Zerbrechlichkeit, gleichzeitig der Übermut, dieses Abenteuer des Entdeckens des Lebens - das wird es nie wieder geben. Höchstens Trips in andere Länder etc - doch das ist dann dasselbe einfach in grün, rot oder blau.

Wenn ich die "Kreuzzug"- Scheibe höre, bin ich wieder 12. Und erinnere mich, wie ich damals gedacht habe, spüre den Enthusiasmus und Idealismus, den ich damals - zwar enorm einseitig und unausgegoren, aber mit 100% meines Herzens - gefühlt habe.
Ich weiss nicht; der Hall, den Kuddel für die Platte gewählt hat, vertieft das Ganze noch... Da gibt es Momente, zB in "Sein oder Nichtsein" und "1000 Nadeln", da falle ich endlos tief, ohne Halt - aber das Fallen ist nicht unangenehm, sondern ein schönes Fallen. Und es tut weh - aber ohne Schmerz.
Bei der "Kauf mich" 1993 konnte ich mir (finanziell) mehr leisten, konnte der Band nachreisen und erlebte da viel Neues, war 100% am Ball - bei der "Kreuzzug" fanden diese Reisen im Kopf statt. Weg von Fussball und Eishockey, hin zu Abenteuer und Punk. Zu neuen Ufern... "5 vor 12" zeigte mir Wege auf, "Achterbahn", das ich zwar schon von der "Alex"-12" kannte, forderte eine Entscheidung, wie ich denn nun weitergehen will.

Insofern bleibt "Auf dem Kreuzzug in's Glück" für mich eine spezielle, fast einmalige Hosen-Scheibe mit einem Standing, das von anderen Alben nur schwer zu toppen ist.

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Mittwoch, 23. Mai 2018, 09:22

Gestern Abend hatte ich mal wieder einen dieser magischen Hosen-Momente.
Der Auslöser: "All die ganzen Jahre".
Das Lied war schon immer ein ganz besonderes für mich, es war DAS Lied, mit dem ich mit den Hosen in Berührung kam, damals, irgendwas um 10 Jahre alt.
Trotzdem ist er nicht einer meiner Playlist-Favoriten, wenn man rein nach der Quantität des Hörens geht; es gibt deutlich mehr Hosen-Songs, die ich deutlich öfter höre und vor allem auch öfter bewusst ansteuere. Das ändert aber gar nichts an meiner Wertschätzung - manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass man einen Teil seiner allerliebsten Songs auch schützt, in dem man sie nicht "tothört". So geht es mir auch mit Foo Fighters "Everlong" oder Deftones fabelhaften "Be Quiet...".

Wie auch immer. Gestern Abend schickt die Shuffle-Wiedergabe also mal wieder "All die ganzen Jahre" ins Rennen, und was soll ich sagen, ich hatte Gänsehaut. Die 3:27 Minuten waren packend, energetisch, spannend, dicht und direkt wie selten zuvor bei diesem Song. Was ich längst wusste, wurde mir bei diesem einen Hören noch mal so ganz bewusst: Das fantastische Gitarrenspiel, das eine authentische Drohkulisse aufbaut, die mich direkt in den Konflikt reinzieht. Diese passive Aggression, die Brandmauer des Schweigens zwischen Held und Antagonist ist greifbar, spürbar und in eben jenen 3:27 Minuten angemessen kompakt eingefangen. Schnörkellos, auch auf Platte in der richtigen Schnelligkeit, druckvoll und von Campino eiskalt ausgespuckt - und mit dem unsagbar guten Übergang in "Sein oder Nichtsein" würdevoll beendet. Von der Gesamtatmosphäre kommt da für mich fast nur noch "Mehr davon" ran.

Sensationell!


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Mittwoch, 23. Mai 2018, 09:59

geht mir ganz genau so!


Es müsste immer Musik da sein.
Bei allem was du machst. Und wenn's so richtig scheiße ist, dann ist wenigstens noch die Musik da.
Und an der Stelle, wo es am allerschönsten ist, da müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment.

pillermaik

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109

Mittwoch, 23. Mai 2018, 12:51

atmosphäre ist auch krass bei „hot clip video club“, „musterbeispiel“, „im hafen ist endstation“ und „froschkönig“! „mehr davon“ jedoch unerreicht!.

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meijel

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Samstag, 11. August 2018, 15:25

Bei mir stand mal wieder eine längere Autofahrt an. Zeit also für ein komplettes Album, skippen verboten. Nach "Horrorshow" und der "Opium" stand ich jüngst vor der Wahl "Kauf mich!" oder "Kreuzzug". Beides Alben, die mir sehr am Herzen liegen, weil sie in eine Zeit fallen, in der Musik sich so eng mit Gefühlen, Momenten und Stimmungen verknüpft hat - die "Kreuzzug" dann am Ende aber noch ein bisschen mehr, weil sie gleichbedeutend ist mit meinem allerersten Berührungspunkt mit den Hosen war: Ein Kassette, die ein damaliger Freund von einem älteren Freund abgegriffen hatte. Darauf: Ein subjektiv zusammengestelltes Best-Of der Hosen bis einschl. der "Kreuzzug". "All die ganzen Jahre", "Sein oder Nichtsein" waren die Songs, mit denen bei mir alles begann. Was für zwei Lieder! Da saß ich kleiner Bengel und bekam immer größere Augen. Ich kannte durch meinen Bruder Bands wie Queen, Helloween, Manowar - und, ja, auch Roxette oder die Pet Shop Boys. Fand ich alle auch Spitze. Aber nichts hatte die Qualität dieses Hosen-Tapes. Schon irre: Da sitzt man, noch nicht im Teenager-Alter und ist fasziniert von einer musikalisch eiskalten Abrechnung und einer nicht minder fatalistischen Darstellung einer gescheiterten Existenz - und ist fasziniert.

Gecatched hat mich damals schon der tolle Sound der Platte und Campinos Gesang. Dieser Wechsel zwischen seiner damals noch sehr unverbrauchten Stimme und der völligen Eskalation, absolut schonungslos der eigenen Stimme gegenüber, war einfach nur faszinierend. Selbst ein Song wie "Hip Hop Bommi Bop" bekommt eine total spannende Wendung, wenn Campino eingreift und Fab Five Freddy im Handstreich aus dem Bild tritt. Campino hat es schon immer geschafft, mit einer begrenzten Stimme fantastische Akzente zu setzen und Songs in die richtige Stimmung zu schubsen. Allein bei "Glückspiraten" spüre ich allein durch Campinos Gesang die dicke Luft und die Eiseskälte zwischen Vater und Sohn. Die Ärztes "Junge" ist nichts dagegen!
Ergo wird dieses Album immer eine Herzensangelegenheit sein. Und auch wenn CD 2 klar gegenüber CD 1 abfällt, so mag ich diesen chaotischen Gemischtwarenladen aus Humor, Neuem, Alten, Klassikern, Weltklasse-Songs, Banalem und kopierten Versatzstücken, weil es eine angenehme Selbstironie hat und nie die Seele verliert - und auch die Liebe zu den eigenen Songs und sich das Recht herauszunehmen, diese ungefragt neu zu interpretieren, auch wenn es vielleicht keiner hören will, finde ich absolut legitim. Das ist alles nicht verbissen, angenehm locker und mit ordentlich Tempo. Ein gutes Beispiel für ein ziemlich seelenloses, beliebiges Sammeln von Songs finde ich die aktuelle Beatsteaks-Platte "Yours".

Das Opening von CD 1 ist für mich bis heute unerreicht. Das epische Intro und dann das bärenstarke "Alles wird gut", beides mehr Schlecht als Recht auf der "Ballast" kopiert (das betrifft aber eher "Ballast der Republik" das Opening ist auch fantastisch), hat absolute Maßstäbe gesetzt. Danach geht es eigentlich Schlag auf Schlag weiter, klammert man "Keine Chance für die Liebe" einmal aus. Höhepunkt bleibt für mich dann der Doppelpack aus beiden oben genannten Tracks, vor allem mit der hier schon oft zitierten Verbindung und der Bridge in "Sein oder Nichtsein", gefeatured von Capinos oben beschriebenem schonungslosem Gesang. Einen ähnlich magischen Moment finde ich dann noch auf CD 2, "Willi muss ins Heim" im Intro: Die Toms peitschen, die Gitarre läuft läuft aus und man hört nur noch die Hi-Hat und die Snare. Da bekomme ich jetzt beim Schreiben schon wieder Gänsehaut.

Die Produktion finde ich fantastisch, der Hall, der Schlagzeug-Sound - und trotz aller Lockerheit und allem Humor ist die Platte nicht banal mit den Songs "Alles wid gut", "Fünf vor Zwölf" oder dem schaurig-schönen "1000 Nadeln". Mit letzterem wird für mich ein Themenfeld von den Hosen bereits 1990 beackert, das sich erst Jahrzehnte später in der Gesellschaft salonfähig gemacht hat.

Kurzum: Ein besonderes Album und die würdige erste Nummer 1. Auch wenn man selbst natürlich ein anderer Mensch ist als damals "beim ersten Mal" - verliebt bin ich in diese Platte noch immer.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »meijel« (11. August 2018, 15:31)


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