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pillermaik

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Sonntag, 21. Januar 2018, 08:43

Ich bin zur Zeit mal wieder in einer MSP Phase, zusammen mit The Adicts und Nirvana. Besonders natürlich das "The holy bible" steht mal wieder im Vordergrund - wie ich dieses Album liebe...

Einem solchen Überalbum kann man mit Worten nicht gerecht werden, unmöglich - es ist neben "Everything must go" das für mich stärkste Album der 4 Waliser und verhält sich in seiner Gegensätzlichkeit zu seinem Nachfolger wie "Die Schöne und das Biest":
"The holy bible" ist klar das Biest: Verstörend, verzweifelt, sperrig, vertrackt, unkonventionell, depressiv, beängstigend, kaputt und destruktiv.
"Everything must go" ist die Schöne: Melancholisch-schön, ausgeglichen, sehnsüchtig, befreiend, aufatmend, aufbrechend, frei.

"The holy bible" war bei seiner Veröffentlichung 1994 ein Flop, nachdem sich seine zwei Vorgänger relativ gut verkauften, grad in Grossbritannien. Bei mir allerdings war die Platte (im Herbst 1994 als Picture Disc gekauft) schon von Anbeginn weit vorne: Fesselnd, attraktiv, anziehend, schön.
"The holy bible" spricht einen Teil meines Inneren an, der wohl auch irgendwie kaputt und verzweifelt sein muss (ähnlich wie bei Nirvana) - und wenn man diese Seite in sich hat, dann wirkt das Album eben gleichzeitig auch schön, oder irgendwie wie ein Zuhause. Angekommen... Schwer zu beschreiben. Wohl wie Junkies einen Schuss Heroin beschreiben: Sie wissen, dass es den Körper zerstört, die Seele raubt, dass es dreckig und kaputt ist - aber es fühlt sich anscheinend wunderschön wohltuend an, wie die offenen Arme Gottes, die sie wärmen und festhalten und ihnen für eine kurze Zeit das ultimative Glück der Geborgenheit bringt... Aber eben - Heroin vs. Glück.. Paradoxon. Genauso "The holy bible" vs. schön.

Die Texte des damals schon relativ psychisch labilen Richey James Edwards gehen unter die Haut - damals von Vielen als Gepose und selbstmitleidig empfunden, waren sie Vorbote der bitteren Wahrheit. Und so wollte Edwards auch verstanden werden: "Die heilige Schrift" seiner Wahrheit soll das Album sein, ein offenes Buch - nackt, schutzlos. Visier offen! Niemand - oder Wenige - nahmen ihn ernst. Ein halbes Jahr nach Veröffentlichung der Scheibe war er weg. Spurlos verschwunden. Bis heute weiss man nicht, ob er nun tot oder einfach nur untergetaucht ist – seine Leiche wurde nie gefunden. Sein Auto hingegen fand man im Februar 1995, vor 23 Jahren also, bei einer Brücke - eine Brücke die davor schon Negativschlagzeilen machte wegen vielen Selbstmorden. Die Band sollte an jenem Tag zu Promoterminen aufbrechen.. Dazu kam es nie. Richey erschien nicht mehr.
Er litt an Depression, Alkoholsucht, Anorexia nervosa (Art Magersucht), Selbstzerstörung - eigentlich an fast allem was nicht sonderlich erstrebenswert ist. Seine Weltansichten schienen gestört, wirr und unlogisch - zumindest wenn man vom gesellschaftlichen Massstab, der Norm, ausgeht. Sie war halt anders... Wahrer. Ehrlicher. Und das ist das beängstigende an seinen Texten; sie sind ja nicht geistiger Unsinn eines Idioten der nicht weiss wovon er spricht. Im Gegenteil. Bereits auf dem Vorgänger "Gold against the soul" von 1993 schrieb er "From despair to where" - niemand konnte ahnen, dass diese Aussage bittere Wahrheit werden würde.

Die Scheibe beinhaltet u.A. Gesellschaftskritik, Ängste und Leiden. Sie ist nicht einfach zu konsumieren und lässt einem verstört zurück. Die Texte - "Die in the summertime" oder "4st. 7lb." - öffnen klar die Augen für das Unschöne, das nicht perfekte, dennoch will man weg gucken. Man will die Wahrheit der Betroffenen nicht sehen und hören. Lieber wieder TV anmachen, Gute Zeiten, schlechte Zeiten mit happy end, und sich ablenken. Opium des Volkes. Dennoch sind diese ekelhaften Ausführungen so schön naiv verpackt: "I wanna be so akinny that i rot from view... I want to walk in the snow and not leave a footprint. I want to walk in the snow and not soil its purity.."! Das ist deprimierend und gleichzeitig wunderschön.
"The holy bible" ist das pure Gegenteil von dieser Wohlfühlwelt - was wiederum gegenteilig ist zur Religion, zur "Heiligen Schrift", die ja Opium sein soll und vielleicht teilweise auch ist. Vom Denken abhalten. Keine eigene Meinung bilden. Wie Lemminge oder blökende Schafe der Herde folgen. Insofern stellt sich wirklich die Frage, was denn nun die Wahrheit ist..? Und hat nicht jeder so ein bisschen seine eigne Wahrheit..?

Musikalisch ist es für mich eine der interessantesten Scheiben der 1990er, wenn nicht gar eine der interessantesten und intensivsten ever. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man auf solch unorthodoxe Akkordfolgen kommt, wie man überhaupt Melodien zu dermassen verzweifelten Texten schreiben kann, ohne dass es sich nur noch nach Verderben und Disharmonie anhört... "This is yesterday" - der sicherlich positivste Song auf "Holy bible" - ist schon beinahe bejahend. Schön und leicht. "She is suffering" wirkt eigentlich logisch und wunderbar, ist jedoch so düster und negativ produziert, dass die Schönheit der Melodie wieder überschattet wird von Zerbrechlichkeit, Leiden und Dunkelheit.

Mit "P.C.P.", "Faster" und "Yes", dem textlich brutalen Opener, befinden sich drei musikalisch dem Punkrock verschriebene Songs auf der Scheibe - so wie man die Preachers eigentlich in Erinnerung hatte. Doch die abstrakten Melodien nehmen deutlich Überhand - "Archives of pain", "Mausoleum" oder vor allem das total kaputte "The intense humming of evil" (beinhaltet der Song ein Sample von "Nick the stripper" von den ebenfalls genialen Birthday Party?) sind keine leichte Kost. Sowohl musikalisch als auch lyrisch. Schwer zu verdauen. Anstrengend, unschön. Hässlich!! Da wir aber alle auch Hässlichkeit in uns tragen - die Meisten mehr als sie wahrhaben wollen - sind einem diese Klänge dann doch wieder vertraut. Man muss sie nur zulassen können.

Dieses Album ist ein Meilenstein der alternativen Musik - es enthält Einflüsse von Grunge, von Punkrock, von Himmel und Hölle. Gesegnet, tragisch, verstörend. Bis heute fasziniert mich die Scheibe und ich werde nie müde sie zu hören und sie zu lieben. Seit fast einem Viertel Jahrhundert...!

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pillermaik

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Montag, 22. Januar 2018, 20:04

Mir ist langweilig - Top 35:

1. Life becoming a landslide
2. Motorcycle emptiness
3. 4st 7lb
4. you love us
5. from despair to where
6. she is suffering
7. a design for life
8. spectators of suicide (heavenly version)
9. die in the summertime
10. everything must go
11. the everlasting
12. found that soul
13. sleepflower
14. born a girl
15. little baby nothing
16. revol
17. yourself
18. the girl who wanted to be god
19. slash n‘ burn
20. faster
21. black dog on my shoulder
22. enola/alone
23. this is yesterday
24. if you talerate this
25. yes
26. australia
27. sorrow 16
28. another invented disease
29. of walking abortion
30. masses against the classes
31. love sweet exile
32. roses in the hospital
33. If white america told the truth for one day
34. Suicide is painless (cover)
35. motown junk

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Montag, 22. Januar 2018, 21:58

Liebe diese band auch immer noch sehr! Gerade keine zeit für ne top-30-liste,aber meine beiden all-time-Favoriten sind auch deine:Life becoming a landslide ist eine achterbahn von song mit nem gitarren/drums-Part,der mich immer an der Auftrag von den hosen erinnert,von der genialen gesangslinie ganz zu schweigen.schon in den ersten ton/atemzug legt Bradfield mehr gefühl als andere in ganze alben.und motorcycle emptiness ist sowieso einer der besten songs aller zeiten.nur vermisse ich my little Empire in der liste,bei mir ein top-ten-song.

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Dienstag, 23. Januar 2018, 10:20

@Pillermaik:
Vielen Dank für deinen spannenden Post - ich kenne die Band eher rudimentär verglichen mit dem, was du hier auftischst, doch nun habe ich einen spannenden Einblick in diese außergewöhnliche Band.
Ich bin über „If you tolerate this...“ an die Band gekommen. Der Song lief auf einer Zugfahrt in irgendeinem Ghettoblaster. Damals gab es kein Shazam, also habe ich mich durchgefragt. Irgendwer nannte in professionellem Halbwissen Travis als den Interpreten, also wünschte ich mir zum Geburtstag die Travis-Platte, auf der ich den Song vermutete. Tja, der Song war natürlich nicht drauf und die Platte fand ich scheiße. („Sing“ ist der einzige Travis-Song, der mir was gibt.) Irgendwann war ich bei einem Freund und der Song kam per Zufall auf einem Mixtape - ich war so glücklich, endlich den Song gefunden zu haben. Sofort die ganze Platte geholt, ein wunderbares Album mit dem ebenfalls wunderschönen „The Everlasting“.

Bands, die man sich so „erarbeiten“ muss sind mir immer für ewig geblieben. Was machen bloß als die Algorithmen aus der nächsten Musik-Generation? Ich will es gar nicht wissen. Und freue mich sehr über den Anstoß, die Preachers noch einmal ganz neu zu entdecken.


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Dienstag, 23. Januar 2018, 10:36

@ewiggestriger:

„my little empire“ find ich jetzt nicht ganz so stark.
j.d. bradfield ist nicht nur ein klasse sänger - er ist ein überragender gitarrist und komponist. was der typ für meodien rausgehauen hat und was für wundervolle soli (zb im refrain von „from despair..“ oder in „drug drug druggy“ oder „la tristessa..“) - wundervoll. das riff zu „slash n burn“; geil as fuck!! toller typ!

@ meijel

ooops, travis... das ist fies!! :D
ich persönlich mag die „this is my truth..“ scheibe nicht so. finde alle vorgänger deutlich stärker.
sie ist halt ziemlich ruhig - welten zur „holy bible“ die an allen ecken und enden bebt. und das nicht nur durch lautstärke. aber gib dem album eine chance!! es wird sich (hoffentlich) lohnen. und auch den anderen vor der „this is my truth..“: also dem wunderbaren „generation terrorists“, „gold against the soul“ und „everything must go“!
ist ne ganz spezielle band... ich habe alle alben hier rumliegen, müsste mich auch mit den neueren endlich mal tiefgründiger befassen. :D

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Mittwoch, 24. Januar 2018, 11:32

Top- 35

1 Life becoming a landslide
2. Motorcycle emptiness
3. Found that soul
4. The convalescent
5. Suicide is painless
6. If you tolerate this...
7. Little baby nothing
8. Your love alone is not enough
9. A design for life
10. The Everlasting
11. Everything must go
12. Epicentre
13. My little empire
14. Sleepflower
15. Love`s sweet exile
16. Ocean spray
17. From despair to where
18.Interiors
19.Let Robeson sing
20. Imperial bodybags
21.Slash n burn
22.Revol
23.From despair to where
24.Jackie Collins existential question
25.Faster
26.Autumnsong
27.Roses in the hospital
28.It`s not war, just the end of love
29.4st 7lb
30.La tristesse duera
31.The intense Humming of evil
32.Peeled apples
33.Archives of pain
34.A billion balconies facing the sun
35.Stay beautiful


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Mittwoch, 24. Januar 2018, 13:17

stay beautiful hab ich vergessen... müsste auch noch in die liste.

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Mittwoch, 24. Januar 2018, 13:37

Es gibt einfach zuviele gute Songs von denen.Mir ist eben auch wieder aufgefallen, wie unterschätzt das album "Send away the tigers" ist. Sicherlich nicht so ein Monolith wie " the holy bible", nicht so abwechslungsreich wie Know your enemy.Nicht so ungestüm wie GT. Aber mit sehr vielen richtig guten Songs, die einfach nur Rock sind, tolle Melodien und auch immer wieder Tempo haben.


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Donnerstag, 25. Januar 2018, 23:18

Also mein liebster von ihnen ist ja der hier:



:thumbsup:

Kettenreaktion
-
Es ist das alte Leid im neuen Gewand!
Habt ihr das nicht kapiert, habt ihr das nicht erkannt?
Alles was hier passiert ist schon mal so gewesen!
Um das zu sehen muss man kein Geschichtsbuch lesen!

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Freitag, 26. Januar 2018, 11:32

Es gibt einfach zuviele gute Songs von denen.Mir ist eben auch wieder aufgefallen, wie unterschätzt das album "Send away the tigers" ist. Sicherlich nicht so ein Monolith wie " the holy bible", nicht so abwechslungsreich wie Know your enemy.Nicht so ungestüm wie GT. Aber mit sehr vielen richtig guten Songs, die einfach nur Rock sind, tolle Melodien und auch immer wieder Tempo haben.


Da muss ich ja ehrlich sagen, dass mir die SATT nicht sonderlich zusagt. Irgendwie ist das alles zu brav und glatt. Von den neueren Scheibe bevozuge ich "Journal for plague lovers" - nicht zuletzt, weil die Band hierfür Texte von Richey verwendet hat und daraus Songs formte. Finde das interessant... Allerdings ist die Musik auch hier etwas brav ausgefallen - das Ganze als Nachfolger von THB hätte sicher anders geklungen.

Allgemein kann ich für mich festhalten, dass mir vorallem ihre ersten 4 Alben zusagen - die dafür von A - Z und jeweils als wichtige Stütze und Lebenssoundtrack, sowie auch ein sich verstanden fühlen. Danach wurde es mir dann häufig zu seicht bis beliebig.
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