Es war einmal...

  • Ich war am 05.12.2017 da und nicht am 06.12.2017.
    Leider.


    Dafür gab es Disco das erste Mal seit langem () und den Standard-Muttisong vor Pushed Again, den hier viele mögen.
    Grds. kann ich live auf alle Schnulzen verzichten, aber Alles ist eins ist dann doch etwas sehr besonderes für mich. Das 1.000 Konzert war ein halbes Jahr her als die Single rauskam und jemand, der mir sehr nahestand, lag in seinen letzten zwei Lebensmonaten bis er verreckt ist. Am Morgen des Todestages lief Alles ist eins als unwissende Vorahnung in Endlosschleife.


    Dass diese B-Seite dann tatsächlich auf einem Weihnachtskonzert im gleichen Jahr, zu dem ich absolut zufällig kam, gespielt wurde, bleibt mir immer in Erinnerung. Ich weiß nicht mehr, wo ich in der Halle stand, aber die Zeit hielt still. Das Licht, alle Wahrnehmung konzentriert für die Ewigkeit in diesem Moment. Vermutlich war ich in einem Zustand zwischen Schockstarre und heulendem Schlosshund gefangen.


    Ich habe mir dieses Konzert nie mehr wieder angesehen, obwohl es sonst nichts schöneres gibt als professionelle Konzertvideos von Konzerten, auf denen man selber war. Dieser Moment würde dadurch zerstört werden. Vermutlich ist es auch besser, wenn ich das Lied live nicht mehr zu hören bekomme.

    NEIN :!:

  • Aus Bamms kleinem Tagebuch:


    Man schreibt das Datum 24.11.94. Kauf Mich-Tour. Essen-Grugahalle. Ein denkwürdiger Abend.
    Wie der aufmerksamer Leser, die aufmerksame Leserin, die oder aufmerksame Sonstige sicherlich schon festgestellt hat, war es die Zeit vor Jesus Geburtstag und jeder von den vier Abenteurern, die Platz in meinem schwarzen Citroen AX mit Heckspoiler gefunden haben, hatte sich einen besonders schönen Adventskalender gekauft, der berühmte Tuborg-Weihnachtskalendar mit Tuborg Weihnachtsbier mit einer ekelhaften Zimtnote (meine ich mich zu erinnern). Pfui Deibel
    Specialagent Hubi übernahm das Fahren, zu dem Zeitpunkt des Losfahrens hieß er jedoch noch Bernweich, an diesem Abend kam er zu seinem neuen Spitznamen……Dazu später mehr.
    Der AX musste ganz schön ächzen, denn Bernweich, Uwiduwi, Mischael und ich wogen zusammen wohl 400 Kilo, aber wir kamen pünktlich und auch leicht angesäuselt überpünktlich an der Grugahalle an. Unschön war, dass Uwiduwi furchtbare Blähungen hatten, an die er uns die ganze Autofahrt mit einem Lächeln im Gesicht hat teilhaben lassen. Auf meiner Furzstinkskala erreichten die besten von ihm 9 von 10 Punkten (Und was man sich alles so erinnert????Vom Konzert weiß ich nicht mehr viel, aber das einer die ganze Zeit gefurzt hat, schon. Ich sollte mal meine Prioritäten neu klären).


    Wir standen nun viel zu früh an der Halle und der Heckspoiler offenbarte an diesem Abend eine besonders nützliche Eigenschaft, auf diesem konnte man nämlich hervorragend sein Bier abstellen. Es war echt widerlich feuchtkalt draußen und das Bier war arschkalt, so dass man froh war, die Plörre nicht die ganze Zeit in den Händen halten zu müssen. Und bis dahin war alles prima. Wir haben uns nett unterhalten, wahrscheinlich die ganze Zeit übers Furzen, tranken Bier und ließen den lieben Gott einen guten Mann sein. Im Laufe dieses Zusammenseins beobachteten wir zwei Herren, die Tickets auf dem Schwarzmarkt feilboten. Erst kümmerten wir uns nicht um die, so ne Art tägliche Ignoranz, die jeder von uns kennt, aber irgendwann gingen die uns irgendwie auf den Sack. Ausschlaggebend war, dass wir mitbekommen haben, wie einer von denen zwei Mädchen die Tickets zu einem unverschämt hohen Preis verticken wollte. Das mochte Uwiduwi irgendwie gar nicht. Auf seine unverwechselbar charmante Art sprach er mit dem Kerl, und der überließ die Karten drei Mark über dem normalen Verkaufspreis. Was man nicht alle mit sachlichen Argumenten erreichen kann, ist immer wieder erstaunlich. So nun ging es in die Halle. Die Halle ist gelinde gesagt, ganz schön häßlich, so dass wir uns gezwungen saßen, uns die Lokalität schön zu machen, dabei ging es wohl etwas ruppiger und lauter zu, so dass wir eine Schutzzone um uns herum hatten, die Leute haben uns gemieden. Ob und inwieweit Furzen für diese Zone verantwortlich war, kann im Nachhinein nicht mehr eruiert werden.
    Das Saallicht ging aus und China Drum betraten die Bühne, ich bin noch nie vorher und nie nachher so ausgerastet bei einer Vorband. Wir kannten China Drum schon vorher und diese Band gehörte zu unseren absoluten Lieblingsband und an diesem Abend sahen wir sie das erste Mal live (Danke an die Hosen für das Aussuchen dieser Vorband). (Ein zweites Mal ein paar Wochen später im Gleis vor 20 Leuten). Eine Wahnsinnssliveband, vor allem zeigte sich dort wieder einmal, warum Schlagzeuger am obersten Ende der Evolution stehen. Adam Lee spielte Schlagzeug und sang dabei, das muss man erstmal hinkriegen.
    Die Hosen souverän gut, vor allen zeigten die Hosen damals, dass man auch geile Cover spielen kann. Hier waren es Guantanamera und I fought the law. Und das Konzert hörte nicht mit dem Oberlangweiler YNWA auf, sondern mit dem Song, der wirklich das Ende eines jeden Sets bilden müsste: mehr davon.
    Und ich meine, dass es die Kauf mich-Tour war, wo die Hosen auch den Anfangsteil von Musterbeispiel gespielt haben, Nebel auf der Bühne, grünes, rotierendes Licht von hinten, sonst alle Lichter aus. Hammer
    Und ich meine auch, dass die Bühne seitlich durch übergroße Skelette begrenzt wurde. Das sah einfach nur gut aus
    Durchgeschwitzt und glücklich verließen wir die Gruga-Halle und begaben uns zum Auto. Bernweich freute sich wie ein Schneekönig, als er bemerkte, dass alle Scheiben vereist waren, nur seine auf der Fahrerseite nicht, und er stellte die wildesten Theorien auf, warum das denn sein konnte. Es stellte sich allerdings schnell heraus, dass er das Fenster nicht hochgekurbelt hatte. Das Auto zu klauen, wäre sehr einfach gewesen, aber da niemand das Auto von Agenten klaut, erhielt er den Namen Specialagent Hubi. Und diesen trägt er immer noch. Sogar seine Mama hat ihn mal so genannt.

  • Heute auf den Tag genau vor zehn Jahren war ich auf meinem ersten Hosen-Konzert. Bis kurz vor Beginn war gar nicht klar, ob der Gig überhaupt stattfindet, denn ein Unwetter verwandelte die Hessentagsarena in Langenselbold in eine Schlammwüste. Mäßig motiviert machten mein Kumpel Dennis und ich uns auf zum ersten Hosen-Konzert, obwohl wir damals das Farin Urlaub Racing Team viel besser fanden. Zu den Hosen gingen wir eigentlich nur, weil die Ärzte und Farin gerade nicht auf Tour waren. Mit gefährlichem Halbwissen dann also auf nach Langenselbold. Vor der Abfahrt widersprach ich meiner Schwester heftig, dass so schlechte Songs wie „Eisgekühlter Bommerlunder“ oder „10 kleine Jägermeister“ niemals von den Hosen sein könnten. Als sie beide Songs dann live spielten, war ich ziemlich bedient. Schlimmer war jedoch die Laufkundschaft im 2. Wellenbrecher, die unsere zarten Pogo-Versuche mit ihren ausgefahrenen Ellenbogen missbilligte.


    Das Konzert war gut, aber nicht überragend. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich sofort von den Hosen begeistert war. Richtig auseinandergesetzt habe ich mich mit der Band sowieso erst Monate nach dem Konzert – ungefähr während der Weihnachtskonzerte 2009. Die konnte ich damals gar nicht besuchen, weil ich niemanden kannte, der so verrückt gewesen wäre, mit mir von Frankfurt nach Düsseldorf nur für ein Konzert zu fahren.


    Ich werde regelmäßig gefragt, warum ich mir diese Band jetzt schon 55x angeschaut habe. Oft antworte ich dann, dass es bei den Hosen ja um so viel mehr als nur um die Musik geht: Um Freundschaften fürs Leben, um gemeinsame Abenteuer, um den Ausgleich zum Alltag. Das mag banal klingen, entspricht aber der Wahrheit. Was war nun der legendärste Moment mit dieser Band und all den tollen Menschen, die ich darüber kennengelernt habe? Die 17h Zugfahrt von Frankfurt nach Krakau im Oktober 2010? Das verpasste Konzert im Dresdner Eventwerk 2010? Das Kneipen-Konzert in Essen 2013, das wir draußen vor der Tür verbrachten? Der legendäre Gig in der School-Bar in Peking 2018 vor 90 Leuten? Oder der Inbegriff der Glückseligkeit, letzte Woche in Krakau nochmal „Unter falscher Flagge“ live hören zu dürfen?


    Am Ende des Tages sind es all diese unfassbaren Momente, die ich mir damals am 11. Juni 2009 mitten in der herzlosen Langenselbolder Hessentagsarena niemals hätte erträumen können.
    Allen, die heute in Linz sind, wünsche ich viel Spaß. Auch wenn ich öfters nicht dabei sein kann: Bis zum bitteren Ende werden wir den Weg mitgehen. Vielen Dank für alles, was mal war. All die ganzen Jahre. Peace out.

    Campi: "Jetzt muss ich mal von Amateur zu Amateur fragen: Wollen wir hier stimmen an dieser Stelle? Breiti muss die Gitarre wechseln! Das hätten wir uns früher nicht erlaubt so ne Scheiße!"
    Andi: "Früher hatte Breiti nur eine Gitarre!"


    S036, 2. September 2009

  • Kaum zu glauben, aber das SO36-Konzert ist mittlerweile auch schon wieder ein Jahr her. Ich denke, dass ich nicht alleine dastehe wenn ich behaupte, dass dies das mit Abstand beste, kultigste und intensivste (Hosen-) Konzert war, das ich erleben durfte. Und trotzdem würde es diesen beiden Tagen in Berlin nicht gerecht werden, wenn ich mich bei meinem Konzertrückblick nur auf das eigentliche Konzert als solches beschränken würde. Vielmehr muss ich weiter ausholen, denn auch das ganze Drumherum war einfach so irrsinnig gut, dass sich in Summe zwei bockstarke Tage für mich ergaben. Fangen wir mal von vorne an.


    Zunächst einmal war da die Konzertankündigung. DTH im allerkleinsten Rahmen in einem der kultigsten Clubs dieses Landes, im SO36. Für mich war das anfangs eine Enttäuschung. Berlin sind von mir aus gute vier Stunden mit dem Auto und damit eigentlich aus meinem sonst üblichen Fahr-Radius von ca. 2 Stunden raus. Ich hatte dann aus Verlegenheit mal bei VerschwendeDeineZeit, mit dem ich zuvor bei der Laune der NaTour in Leipzig war, angefragt, wie er denn darüber denkt. Und nachdem er Bock hatte haben wir uns dann darauf geeinigt, dass wir uns um Karten bemühen würden. Die Chancen erfolgreich zu sein waren ja ohnehin gering.


    Der VVK sollte am Donnerstag Abend um 18 Uhr starten. Ich hatte mein normalerweise von 17 bis 18 Uhr stattfindendes Training unter Vorgaukelung fadenscheiniger Ausreden extra um 15 Minuten verkürzt, um auch ja rechtzeitig vor dem Rechner zu sitzen. Und ganz ehrlich: Der VVK für die Laune der NaTour war komplizierter. Ich kam, sah und hatte zwei Karten im Warenkorb. Wie einfach ging das denn? Also gleich mal VDZ über den erfolgreichen Kartenkauf informiert, der mir dann am nächsten Morgen erzählte, dass er vor lauter Aufregung und Vorfreude ganz schlecht geschlafen hatte. Tja, da musste er dann halt durch. Wer die Hosen in so einem Rahmen sehen möchte, der darf dafür dann auch mal schlecht schlafen, gell.


    Es sollte aber noch besser kommen. So nach und nach drangen dann nämlich die Namen derer zu mir durch, die auch erfolgreich beim Kartenkauf waren. Und das war gefühlt das halbe Forum: Hupsi, BAD’nerin, Der König aller blinden, Campi1995, RackerJ, batschkapp, Maulde und Hose73, um nur mal einige ausgewählte Persönlichkeiten zu nennen. Na das konnte ja heiter werden. Meine Vorfreude auf Berlin hat sich dann gleich mal potenziert.


    Dann ging es an die Planung. Eigentlich hatte ich vor, mit VDZ zusammen im Auto nach Berlin zu fahren und nach dem Konzert wieder nach Hause zu fahren. Jedoch hat sich VDZ dann relativ schnell dazu entschlossen, mit der Bahn anzureisen und vorab noch einen Geschäftstermin wahrzunehmen. Naja, so konnte er mir wenigstens keinen Duftbaum fürs Auto andrehen. Aber das ist eine andere Geschichte... Jedenfalls hat sich sehr schnell herausgestellt, dass die Bahn für mich keine Alternative darstellte, da mich Hin- und Rückfahrt beinahe unvorstellbare 200 € gekostet hätten. Ich war schon kurz davor mich dann auf eine Autofahrt alleine einzustellen, bis ich dann doch noch einmal schaute, was so ein Flug ab Nürnberg kosten würde. Und nachdem es diesen Hin und Zurück für nen Fuffi gab, hatte ich dort zugeschlagen. Würde ich heute, ein Jahr später, nicht mehr machen, sollte aber für meinen Berlin Trip noch ein kleines Schmankerl bedeuten.


    Fliegen bedeutete dann, eine Nacht in Berlin zu verbringen. Schnell hatte ich ein ganz neu eröffnetes Hotel gegenüber der Mercedes-Benz-Arena an der Berliner Mauer gefunden und dort ein Zimmer gebucht. Auf Grund der guten Lage und der günstigen Preise schlossen sich VDZ, Hupsi und batschkapp bei ihrer Hotelwahl der meinen an und so war ich in guter Gesellschaft. Und dann hieß es warten bis zum großen Tag...


    Der Flug nach Berlin ging schnell und war entspannt. In einem anderen Flugzeug, das an diesem Tag nach Berlin flog, sollen sich ja Fluggäste von anderen weggesetzt haben, da diese sich nicht zu benehmen wussten. Auf meinem Flug war dies glücklicherweise nicht der Fall. Ich war von den zuvor genannten Freunden der erste, der an diesem Tag in Berlin ankam und hatte mir aus diesem Grund ein kleines Sightseeing-Programm zurecht gelegt, um mir den Tag bis zur Ankunft von Hupsi und dem König aller blinden zu vertreiben, mit denen ich mittags zum Burger essen verabredet war. Ich hatte bei dieser Gelegenheit allerdings wieder festgestellt, dass ich einfach kein Freund dieser Stadt mehr werden würde. Kanzleramt und Reichstagsgebäude, Brandenburger Tor, Unter den Linden, Alexanderplatz – alles irgendwie ganz nett anzusehen, aber mehr auch nicht. So war ich dann schon deutlich zu früh im Hotel, konnte noch nicht einmal einchecken und wartete daher mehr oder weniger gelangweilt, bis Hupsi und der König ankamen. Während meiner Wartezeit erfuhr ich, dass im Internet eine vermeintliche Setlist für den anstehenden Abend kursierte. Mein lieber Schwan, wenn das auch nur annähernd das Programm für den Abend sein sollte, dann war meine Vorfreude in diesem Moment noch einmal gestiegen. Da waren wirklich nur Raritäten aufgeführt, von denen ich nicht zu träumen gewagt hätte. Es sollte sich kurz darauf jedoch herausstellen, dass diese Setlist ein Fake war.


    Hupsi hatte ich zuvor bereits kennengelernt und es ist immer wieder eine riesengroße Freude, diesen Kerl zu treffen. Den König dagegen traf ich an diesem Tag zum ersten Mal – auch ein richtig netter, feiner Kerl. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass beide nicht die erwartet schweren Gegner beim Burger essen waren. Wie kann man nur nach so kleinen Portionen satt sein? VDZ, der dann im Burgerlokal noch zu uns stieß, konnte mich beim Burger essen auch nicht überzeugen. Also zeigte ich den dreien mal, wo der Barthel den Most holt und bestellte mir den größten Burger auf der Karte. Tja, irgendwo trennt sich halt die Spreu vom Weizen, gell.


    Aber auch der beste Esser braucht nach einer üppigen Mahlzeit ein kleines Verdauungsnickerchen. So begab ich mich dann erst einmal ins Hotel, um dort einzuchecken und mich ein Stündchen aufs Ohr zu hauen. Der König und Hupsi dagegen wollten dem Ramones Museum einen Besuch abstatten. Mich haben die Ramones nie interessiert und ich finde Blitzkrieg Bop – der einzige Song, den ich bewusst den Ramones zuordnen kann – unfassbar langweilig. Daher lieber ne Stunde ratzen. Nach meiner Mittagspause erfuhr ich, dass BAD’nerin sich etwa zeitgleich mit mir auch auf den Weg zum Museum machen wollte. Daher also direkt mit ihr getroffen und zusammen zum Museum geschlendert. Zu meiner großen Belustigung sind wir etwa zeitglich mit dem König und Hupsi dort angekommen. Die beiden hatten sich zuvor den Weg vom Hotel zum SO36 von mir erklären lassen, waren aber der festen Überzeugung, dass ich ihnen den Weg zu den Ramones geschildert hätte. Während ich schlief, waren die beiden somit eine Stunde verplant und verpeilt kreuz und quer in Kreuzberg unterwegs, bis sie das Museum fanden. Spreu und Weizen, ich kann mich da nur wiederholen.


    Das Museum selbst war für mich uninteressant, wir suchten uns dann allerdings schnell einen Tisch und bestellten Getränke im angrenzenden Nebenraum. Hier kamen dann nach und nach noch batschkapp, RackerJ und Campi1995 an. In dieser geselligen Runde ging es schließlich weiter Richtung SO36.


    Vor dem SO36 war schon einiges los. Auf Grund der richtig angenehmen Außentemperaturen verzichteten wir darauf, frühzeitig in den Club zu gehen, und genossen lieber noch ein bisschen das Kommen und Gehen auf den Straßen Kreuzbergs. Es ergab sich, dass ich peu a peu noch eine Menge Leute aus dem Forum kennenlernen durfte (Breiti92, Hose73, Maulde, djrj, meijel, Johno und natürlich unseren Admin andy). Ich finde es schön, wenn man zu den anonymen Namen im Internet immer mal wieder ein Gesicht bekommt.


    Pünktlich zu T.V. Smith, der vor den Hosen auftrat, hatten wir uns dann ins SO begeben. Wobei man sich das Vorprogramm auch hätte sparen können, so überragen fand ich T.V. jetzt nicht. Hat der guten Stimmung aber keinen Abbruch getan. Und dann sollte der Hauptact, die Toten Hosen beginnen. Als als Intro Pirates of the Caribbean erklang, waren wir sehr überrascht. Also sich dann das Intro zu Unter falscher Flagge anschloss wagten wir nicht daran zu glauben, und als dann tatsächlich Unter falscher Flagge den Beginn des Konzertes darstellte, rastete das SO36 förmlich aus. Es war unfassbar, was an diesem Abend alles gespielt wurde. Wir sind bereit, Geh aus dem Weg, Verschwende deine Zeit, Warum werde ich nicht satt?, Mehr davon, Großalarm, Kauf MICH!, Achterbahn,... Der Club verkam zu einem brodelnden Hexenkessel, die Konzertbesucher verschmolzen zu einer schwitzenden, feiernden, pogenden Masse. Ich weiß nicht, ob ich schon einmal ein dermaßen heißes Kontert erlebt habe. Mit meiner Kondition ist es leider nicht so weit her, aber Ausreden zählten nicht. Scheiß auf den nächsten Tag, es zählte nur der Moment. Die zahlreichen Raritäten, die ich irgendwann gar nicht mehr zählen konnte. Die vielen bekannten Gesichter, denen man immer wieder begegnete, wenn man an ihnen vorbeisprang oder von ihnen um- und mitgerissen wurde. Der König aller blinden gefühlt immer neben mir, irgendwie sind wir uns andauernd über den Weg gesprungen. Campi1995 gefühlt immer über mir, getragen von zahlreichen Händen. RackerJ gefühlt immer unter mir, mehr auf dem Boden liegend als auf den Beinen stehend. Hupsi hielt derweil die Stellung an der Bar. Es war ein wahrgewordener Traum, der absolute Irrsinn, der absolute Wahnsinn. Mein Highlight war der Streichholzmann, obwohl das ganze Set, das ganze Konzerte, der ganze Abend ein einziges Highlight waren. Erst kürzlich hatte ich die CD zum SO36 wieder eingelegt und musste immer wieder staunen, was da alles zum Besten gegeben wurde. Noch heute kann ich es kaum glauben, dass ich bei diesem Konzert dabei sein durfte.


    Nach dem Konzert trafen wir alle uns ausgepowert und durchgeschwitzt, aber freudestrahlend vor dem Club wieder. Einige hatten sich ein T-Shirt gekauft, ich für meinen Teil hatte leider zu lange gewartet, so dass alle ausverkauft waren, als ich auch noch zuschlagen wollte (wenn es jemanden gibt, der seines mittlerweile loswerden will, darf er sich gerne bei mir melden). Da es nach wie vor richtig angenehm draußen war genügten T-Shirt und Pullover, die Jacken dagegen hatten wir uns umgebunden. Manch einer ging zur Dönerbude ans Ende der Straße und genehmigten sich einen Döner. Irgendwann haben wir uns dann aufgelöst, VDZ, Hupsi, batschkapp und ich gingen Richtung Hotel, andere noch in eine Kneipe gegenüber des SO36. Wie ich später erfuhr, hatten sich zu später Stunde dann auch noch Campino und Andi dort eingefunden. Auch der Manager war zugegen, zeigte sich akustischen Dokumenten zufolge allerdings eher unkooperativ und spaßbefreit.


    Am nächsten Morgen genoss ich ein doppeltes Frühstück, einmal mit VDZ, der relativ früh wieder auf den Beinen war, und später mit Hupsi, der es vorzog ein bisschen länger liegen zu bleiben. Mit letztgenanntem checkte ich dann aus dem Hotel aus und wir holten Campi1995 und RackerJ ab, die in einem Hostel in der Nähe wohnten. RackerJ erzählten wir dann, was wir am Tag zuvor alles erlebt hatten. Er lauschte gebannt unseren Erzählungen und wäre sicherlich auch gerne dabei gewesen. RackerJ und Campi1995 entschieden sich dann für ein Döner-Frühstück. Ich dagegen verzichtete auf Frühstück Nr. 3.


    Zu viert fuhren wir dann weiter zum Alexanderplatz, setzten uns in die Sonne und genossen die Mittagswärme. Dann mussten wir uns von Hupsi verabschieden. Da Racker, Campi und ich ähnliche Flugzeiten hatten, machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Flughafen. Dort stellte sich heraus, dass unsere Flüge (die beiden nach Düsseldorf, ich nach Nürnberg) beide Verspätung hatten. Irgendwann war der Flug nach Düsseldorf dann zum Einchecken bereit. Und kurz nachdem Campi1995 und RackerJ sich in ihrem Flieger niedergelassen hatten – ich wartete nach wie vor auf meinen Flug – kam auf einmal Kuddel um die Ecke und ging direkt an mir vorbei. Wie ich bemerkte, hatte er den nächsten Flug nach Düsseldorf genommen. Um ein Haar hätten Campi1995 und RackerJ also den gleichen Heimflug genommen wie Kuddel. Irgendwie auch eine lustige Randgeschichte dieses Berlinausfluges, ein Ausflug, wie er besser für mich nicht hätte sein können. Okay, ich hätte mir natürlich rechtzeitig ein T-Shirt kaufen können. Aber das ist ja dann wirklich Jammern auf allerhöchsten Niveau. Und immerhin habe ich es geschafft, alle Shirts, die ich für Berlin eingepackt hatte, auch wieder mit nach Hause zu nehmen. Was ja nicht jeder von sich behaupten kann. Und das ist ja auch was wert, gell.

  • Immer wieder geil, eure Berichte zu lesen. Danke dafür.

    Du wartest auf die Liebe

    Und ich auf das letzte Bier

    Der Platz am Tresen neben mir bleibt heute leider leer

    Eine gute letzte Reise, zum Abschied leise winken

    Elektronische Musik kann man sich so selten schöntrinken


    Thees Uhlmann - Avicci

  • Aktuell gibts die 3fach CD wo das ganze drauf ist für 12,99€ im Saturn...


    (weiss gerade gar nicht ob die schonmal günstiger war...)

    Es kommt die Zeit
    in der das Wasser wieder steigt...
    Es kommt die Zeit
    in der der Airport wieder brennt...

  • Danke für diesen tollen Beitrag.


    Ich persönlich kann nach einem Jahr genau das wiederholen, was ich damals hier schon schrieb: Ich geriet aufgrund der ununterbrochenen WOW-Momente in eine Art Trance. Ich konnte irgendwann nicht mehr aufnehmen, was ich alles hören durfte. Die unfassbare Raritäten-Dichte, das Gewehrfeuer aus geilen Songs... ich habe es nicht mehr geschafft, das zu wirklich zu verarbeiten. Und deshalb weiß ich leider fast nur noch: Das war ein geiler Abend. Wenn mich aber jemand fragt, was ich da gehört habe, dann muss ich leider zur CD greifen, denn ich kann es nicht mehr aus der Erinnerung rekapitulieren.


    Zu großartig, um es greifen zu können!


    Und eine Woche später kam Mendoza...

    27
    Narf.

  • Hach, war das schön! :daumen:



    edit:

    Ich konnte irgendwann nicht mehr aufnehmen, was ich alles hören durfte. Die unfassbare Raritäten-Dichte, das Gewehrfeuer aus geilen Songs... ich habe es nicht mehr geschafft, das zu wirklich zu verarbeiten. Und deshalb weiß ich leider fast nur noch: Das war ein geiler Abend.


    Das kann ich unterschreiben.


    Wobei Streichholzmann und Warum werde ich nicht satt selbst mir im Gedächtnis geblieben sind.

    NEIN :!:

  • Paar Tage später aber egal..


    Auch ich möchte noch mal den ein oder anderen Gedanken am SO36 Konzert lassen.
    Der letzte Winter war eh einer der schönsten den je hatte. Verliebt wie noch nie, viel Party, auf der Arbeit lief alles super - und das Konzert. Ich konnte schlichtweg jede einzelne Sekunde genießen.
    Als ich damals aufgebrochen bin zu RackerJ mit dem Auto, meldete ich mich bereits abends zuvor schon krank ( war am Mittwoch eh nur auf Bereitschaft abrufbar ). In der hässlichsten Stadt NRWs ankommen, in sein Auto gesetzt, irgendeine Hosen CD gehört, Bier aufgemacht und zum Airport. Wir hatten dort ordentlich viel Zeit, weshalb wir uns vors Terminal auf den Boden in die Sonne setzen und der Jägermeister rausholten. Warum der dabei war, weiß ich nicht. Für den ein oder anderen war der Jägermeister dann auch schon der Anfang vom Ende. Egal, irgendwann dann leicht angedüselt zum Gate, nen feinen Kerl getroffen, ins Gespräch gekommen und prompt hatten wir schon nen Bier aufm Tisch. Dabei kam dann auch heraus, dass dieser feine Herr immer, sich seine Gras immer direkt bei mir an der Grenze besorgt :D . Dann gings irgendwann ins Flugzeug. Bevor der Flieger abhob bestellten wir schon das erste Bier. Leider kann sich nicht jeder hier aus dem Forum so vorbildlich benehmen, wie es meine Wenigkeit tagtäglich tut. Nach mehreren Rülpsern seitens RackerJ hat sich unser Sitznachbar auch schon weg gesetzt. Egal, wir hatten ne Menge Spaß. Eine Stewardess damals hat mir auch 5 Euro fürs Bier zu wenig berechnet  8) . In Berlin gelandet draußen vorm Airport wieder den netten Herren getroffen, Taxi geteilt und dann im Hostel irgendwann angekommen. Dann ging es von da aus weiter zum Ramones Museum. RackerJ hatte schon so heftig die Lampen an, sodass er nichtmals im Späti sich nen Bier kaufte, sondern zur Cola griff - traurig. Nichtsdestotrotz kamen wir dann irgendwann im Museum an und trafen die ganze Meute. (Liebe Leute seht es mir nach, ich weiß jetzt auswendig nicht mehr, wen wir da getroffen haben und wen später - liebe euch aber trotzdem alle :love: ). Vom Museum dann ab zur Halle und dort weiter vorgetrunken. Mhmm, lecker Wodka, gell Racker?
    Achja, letzterer war leider so betrunken, sodass die Secs ihn eigentlich nicht reinlassen wollten. Ich meinte dann, er gehöre zu mir und ich pass auf ihn auf. Joa, viel öfter hab ich ihn dann auch nicht gesehen :D . Vorm Konzert dann noch mit einem sehr sehr seltsamen Menschen getroffen, der sich drinnen ein kiffte. Auf ein paar Züge hatte ich auch Bock und versuchte mich dann natürlich geschickt in sein Selbstgespräch einzubinden. Leider hat dieser Mann einen so seltsamen Akzent gehabt, sodass (batschkapp kann es bestätigen) man einfach nichts, also wirklich kein Wort verstanden hat. Selbiger Mann lag dann später vorm SO auf dem Bürgersteig in einer Decke eingerollt und nächtigte dort.
    Egal, Konzert.
    Es war geil, es war einfach nur geil. Die ganzen tollen Menschen ( ja, das meine ich ernst. Unsere Truppe war einfach klasse :love: ), dieses geisteskranke Set und der Laden. Hammer, Hammer, Hammer :s_thanks::s_thanks::s_thanks: . Nach dem Konzert ging es dann noch rüber in die Kneipe und mit Hose73 und Gattin weiter getrunken, nen Bild mit Campino gemacht ( yeah, endlich !1!!1! ) und dann irgendwann ins Hostel. Im Aufzug waren dann noch zwei echte heiße Schwedeninnen. Leider war mein Alkpegel ein wenig zu hoch für eine Konversation und dem Versuch den eventuell darauffolgenden Koitus zu vollenden - war wohl dann auch besser so.
    Am nächsten Morgen weckte mit Racker weil ich mich für den Tag auch noch krank melden musste. An das Telefonat kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Nur noch 3 Versuche dort anzurufen bzw beim dritten Mal dann auch durchgezogen, zeugen noch von diesem Morgen.
    Weiter ging es dann irgendwann in die Stadt um sich mit Hupsi und Svetislav zu treffen. Lecker Döner gegessen. Dann gings nochmal in nen Biergarten und dann ab zum Flieger.


    Eines der Highlights aus einem wundervollen November 2018

    Korn, Bier, Schnaps und Wein


    und wir hören unsere Leber schrein'

  • Was hier folgt, ist kein Konzertbericht. Es geht mehr um ein Gefühl, das die Hosen bei mir auslösen. Ich kann den Tag, um den es hier gehen soll, auch nicht mehr genau datieren, deswegen interpretiert es als Weihnachtsgeschichte, zufällige Erzählung, viel zu privates Zeug aus Bayernfahnes Kummerkiste, was auch immer. Nun also...


    Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber bei all der Fülle von Hosensongs, die es mittlerweile gibt, passiert es manchmal, dass einem einer durchrutscht. Dass man entweder nicht mehr weiß, wie er klingt oder man ihn gar noch nie gehört hat, einfach, weil er irgendwie unter dem Radar lief. Die B-Seiten der neueren Singles sind da bei mir die besten Kandidaten. Meistens erinnert man sich nach ein paar Takten doch wieder an den Song, aber mir ist es vor einiger Zeit passiert, dass ich einen Hosensong wirklich zum zweiten Mal entdeckt habe. Gemeint ist der Titel "Was du erzählst" von der "Laune der Natur"-Single. Den habe ich, als die Single rauskam, wohl mal gehört und relativ schnell wieder vergessen, weil das darin beschriebene Gefühl damals bei mir einfach nicht präsent war. Glücklich vergeben denkt man nicht über das Verlassen werden nach. Schon gar nicht auf diese Weise. Denn so hatte ich das bis dahin nie erlebt. Also war der Song letztlich einfach nicht relevant für mich. Dann war dieses Jahr irgendwann Schluss. Durch Zufall, nein besser, durch dieses Forum wurde mir "Was du erzählst" wieder auf den Schirm gebracht. Irgendjemand hatte es im "Welches Lied hört ihr gerade?"-Thread gepostet. Eher aus Neugier, weil ich mich an das Lied nicht erinnern konnte, klickte ich darauf. Nicht, weil ich irgendetwas erwartet hätte. Und was soll ich sagen? Das Ding schlug ein wie eine Bombe!


    Der Text beschrieb auf einmal genau meine Situation, es waren sogar fast dieselben Worte, die ich während der Trennung das erste Mal gehört hatte. Das war einfach unglaublich. Ich fühlte mich verstanden. Als hätte ich ein Lied zur Verarbeitung gebraucht und es wurde mir geliefert. Meine Hosen waren ein weiteres Mal für mich da. Natürlich gehen die Biographien irgendwo doch auseinander und ich habe die Situation letztlich auf meine Weise verarbeitet, ein Song alleine kann das dann doch nicht. Aber dieser Moment, in dem man realisiert: "Du bist nicht alleine." Sicherlich haben das auch schon andere Bands in mir ausgelöst. Aber auf dem Tiefpunkt waren es dann doch wieder die Hosen. Immer, immer wieder Die Toten Hosen. Bis zum bitteren Ende.


    Da es vermutlich auch anderen noch so gehen wird, dass sie sich nicht genau erinnern, hier der Song zur besseren Nachvollziehbarkeit:




    Wahnsinn, diese Band. Danke. Danke für alles!

    Wir sind übrig.

  • Jep, das Lied hat mich auch getouched... habe mir die Single im Sommer gekauft und das Lied hat mich an eine traurige Zeit erinnert. Eine Zeit voller langer Beziehungsgespräche und hohlen Versprechungen und nach dem Mund reden. Bis ich dann irgendwann genug hatte. Ich war also auf der Gegenseite des Sängers.
    Aber die Frage "Hatten wir jemals ein ehrliches Gespräch?" hatte ich gestellt.
    Für mich ging es damals um die neue Ausrichtung meines Lebens, und um Ziele die ich erreichen wollte. All das wolle er auch, hat er gesagt. Mitgezogen hat er dann aber nicht. Leere Worte aus Bequemlichkeit? So ein Arschloch, dachte ich damals.
    Heute lebt er das gleiche Leben wie damals, nur mit einer 10 Jahre jüngeren Frau und er wechselt die Straßenseite, wenn er mich sieht. Es war die richtige Entscheidung. Und das er ein Arschloch ist, denke ich heute nicht mehr. Er konnte halt nicht anders. Er wollte mich nicht verlieren und ein anderes Leben konnte er auch nicht führen...


    Sorry, für den Schwank. Und DANKE Wehende Bayernfahne!

    Auf da Alm gibt´s ka Sünd!

    "… Nimm nichts mit, wir brauchen nichts. Lass alles hier und schmeiß es weg. All die Souvenirs, unsere Biographien.

    Alles lästiges Übergewicht… "

  • Kurzfassung 8): Ja, es gibt einen Unterschied zwischen Arschloch und archlochmäßigem Verhalten. Das Arschloch hat die Wahl, der andere nicht.

    Auf da Alm gibt´s ka Sünd!

    "… Nimm nichts mit, wir brauchen nichts. Lass alles hier und schmeiß es weg. All die Souvenirs, unsere Biographien.

    Alles lästiges Übergewicht… "

  • Vor einem Jahr spielten die Toten Hosen das erste von zwei Konzerten in Polen. Grund genug für einen kleinen Rückblick.


    Warschau verfügt über zwei Flughäfen. Der Chopin Flughafen ist relativ nahe an der Stadt gelegen, so dass man nur einen kurzen Weg in die Innenstadt hat. Zudem landen die allermeisten Flüge aus Deutschland dort. Schade, dass ich dagegen am Flughafen Modlin gelandet bin. Von hier aus hat man den deutlich längeren Weg bis in Warschaus Zentrum. Aber was will man schon erwarten, wenn man von Köln aus fliegt... Egal. Nach 11 stündiger Anreise (ICE nach Köln, Flug nach Warschau, Shuttlebus und eine Trambahn, die dann einfach irgendwann stehen blieb und nicht bis zur gewünschten Haltestelle weiterfuhr) hatte ich endlich mein Ziel erreicht. Vor dem Hotel-Check-In versorgte ich mich noch in einem kleinen Supermarkt mit dem Notwendigsten und traf dort direkt die ersten bekannten Gesichter: RackerJ und Hose73. Zusammen erfrischten wir uns noch kurz im Hotel und machten uns dann auch dem Weg zum Club, in dem DTH spielen sollten.


    Vor dem Club war bereits einiges los, wenngleich noch ordentlich Zeit war, bis das Konzert begann. RackerJ und ich beschlossen uns noch irgendwo eine Kleinigkeit zu essen zu organisieren und fanden schnell ein Lokal, das mit Hosen-Fans schon gut gefüllt war. Ich orderte eine Pizza Diavola, die leider ihrem Namen keine Ehre machte. Geschmacklich gut, aber kein bisschen scharf. Schade. batschkapp gesellte sich zu uns und als der Start des Konzertes näher rückte, gingen wir zurück zum Club.


    Die Vorband hatte bereits begonnen, als wir den Club betraten. Da diese uns nicht interessierte verbrachten wir noch einige Zeit auf den Terrassen des Clubs und freuten uns auf die Hosen. Zwischenzeitlich trafen wir noch Maulde und Breiti92. Und dann begann mit den Klängen von Kalinka das Konzert. Die Stimmung war super, die Luft schlecht und stickig. So muss das sein. Gute zweieinhalb Stunden später trafen wir uns vor dem Club wieder, durchgeschwitzt, kaputt, aber zufrieden. RackerJ hatte die Befürchtung, sich einen Zeh gebrochen zu haben. So humpelten wir zurück zum Hotel.


    Nach einer kurzen Nacht war ich bereits gegen 5 Uhr wieder wach. Ich konnte RackerJ, dessen ganzer Fuß mittlerweile blau angelaufen war, zu einem frühen Frühstück überreden, dem geplanten Warschau-Sightseeing wollte er dagegen ob seines Fußes nicht innewohnen. Nach viel Ei, Würstchen und Fisch konnte ich ihn dann doch zu einem Spaziergang durch Warschau bewegen.


    Das Warschauer Ghetto dürfte den meisten ein Begriff sein. Man sieht davon heute leider nicht mehr viel, die letzte noch im Urzustand belassene Straße wurde vor wenigen Jahren saniert. So hangelt man sich von Denkmal zu Denkmal, was allerdings vollkommen ausreicht, um einen Eindruck von dem zu bekommen, was in dieser Stadt alles so passiert ist. Das waren schon heftige Eindrücke und wir kamen an vielen Stellen aus dem Kopfschütteln darüber, wozu Menschen fähig sein können, nicht mehr heraus.


    Mein tapferer Wegbegleiter (sein Fuß war mittlerweile leicht angefault) schleppte sich dann noch weiter bis in Warschaus Altstadt. Diese ist wirklich richtig schön und hat uns ausgesprochen gut gefallen. Da der örtliche Fluß, die Weichsel, von hier aus nicht weit war, beschlossen wir noch ein Stück der Flußpromenade zu folgen. Dann fuhren wir mit der Metro weiter zum Bahnhof, von wo aus unsere Reise weiter nach Krakau gehen sollte.


    In Krakau hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon Hupsi und BAD'nerin eingefunden, die wir vor Ort treffen sollten. BAD'nerin hatte sich bereits erkundigt, wann wir in Krakau ankommen würden. Zunächst lag aber noch die Bahnfahrt vor uns. Dazu muss man sagen, dass man in Polens Bahn für wenig Geld sehr viel Leistung bekommt. Warum Maulde jetzt unbedingt 2. Klasse fahren wollte erschloss sich mir zwar nicht, aber vielleicht hatte er einfach keine Lust auf Freigetränke und Mittagessen. BAD'nerin fragte währenddessen, wann wir in Krakau ankommen würden.


    Im Zug saß mir RackerJ gegenüber, der froh war, sein geschundenes Bein (das wahrscheinlich amputiert werden müsste) ausstrecken zu können. Zu Nudelsalat mit Pute und Ente wurden antialkoholische Getränke gereicht. Alkohol in der Öffentlichkeit zu trinken ist in Polen nicht erlaubt, was meine Begleiter auf die spitzfindige Idee brachte, ein Bier in einen McDonalds Becher umzufüllen. Kann man so machen. BAD'nerin wollte zwischenzeitlich nochmal wissen, wann wir ankommen würden.


    In Krakau angekommen orderten wir ein Uber. Schade, dass dieses nie zu uns fand. Also stiegen wir auf ein normales Taxi. Von BAD'nerin, die wissen wollte, wann wir ankommen würden, hatten wir eine Adresse bekommen, die uns zu einem zu einer Bar umgebauten Hausboot führte. Hier trafen wir auf Hupsi (mit charmanter Begleitung), Wehende Bayernfahne und BAD'nerin (die ganz erstaunt war, dass wir schon da waren. Hätte sie halt mal nachgefragt...). Da es an diesem Tag wirklich sehr sehr heiß draußen war verzogen wir uns in den klimatisierten Maschinenraum, der die Bar beherbergte. Nach einigen kurzweiligen Stunden fuhren wir mit Uber (!) dann zum Hotel.


    Gemeinsam mit anderen Hosen-Fans liefen wir nach dem Einchecken zum Club. Auf dem Weg dorthin machten wir eine kleine Dönerpause. Das Dönermädel fragte mich, ob ich meinen Döner "spicy or not" haben möchte. Spicy natürlich, da verstehe ich die Frage gar nicht. Wie am Vortag bei der Pizza Diavola kam dann aber auch hier schnell die Ernüchterung: Scharf würzen können die Polen einfach nicht. Selten so einen milden Döner gegessen. Vor Enttäuschen verdrückte ich ein paar Tränen und warf den Döner nach der Hälfte weg.


    Während wir beschlossen, die Vorband zu schwänzen, verpflegte sich die Reisegruppe im dem Club nahen Supermarkt noch mit Getränken. Außerdem warteten wir noch auf Campi1995, der zu diesem Zeitpunkt noch im Bus vom Flughafen saß und kurz vor Konzertbeginn zu uns stoßen wollte. Er bekam kurzfristig mal Panik, als wir im erzählten, dass die Vorband ausfallen würde und DTH eine Stunde früher beginnen sollten. Erleichtert kam er aber dann doch rechtzeitig bei uns an, um noch mit der einen oder anderen Bierdusche begrüßt zu werden. Zudem liefen uns dann noch Fxx und pilsator über den Weg.


    Das Konzert weckte durch dein Einstieg mit "Unter falscher Flagge" Erinnerungen an das SO36-Konzert, welches allerdings nicht getoppt werden konnte. Unterm Strich waren die Konzerte in Warschau und Krakau beide richtig gut, aber das SO36 bleibt einfach on top. Nichtsdestotrotz hatten wir alle unseren Spaß und RackerJ war sogar so euphorisiert, dass er sich noch einen Kapuzenpullover kaufte (wahrscheinlich um den Bluterguss, der von seinem Fuß aus mittlerweile den ganzen Körper erreicht hatte, gut verdecken zu können). Nach dem Konzert verharrten wir noch einige Zeit vor dem Club (dort hatten wir dann noch reiherin und tofuschnitzel getroffen), manchen zogen noch weiter, ich machte mich auf den Weg zum Hotel.


    Am nächsten Morgen schaute ich mir dann noch Krakau an. Eine schöne Stadt, Warschau hatte mir allerdings besser gefallen. Gegen Mittag musste ich aufbrechen Richtung Flughafen. Trotz Flugverspätung (immerhin fand mein Flug statt) kam ich rechtzeitig in München an, um von einem Freund abgeholt zu werden und rechtzeitig im Olympiastadion anzukommen, um an diesem Abend noch Rammstein mitzunehmen.


    Polen wird für immer in meiner Erinnerung bleiben. Es waren super Tage mit super Leuten, und auch wenn dies schon einmal zu einer heftigen Diskussion im Forum geführt hat kann ich es noch einmal bestätigen: die Konzerte waren super, das Drumherum mit den vielen anderen Leuten war allerdings noch viel besser. Danke an alle, die dabei waren.

  • @ Svetislav


    vielen Dank für Deinen Ausführlichen Bericht über die Reise nach Polen ;)


    Es waren echt letztes Jahr grandiose Konzerte in Warschau und Krakau.

    Besonders hatte ich mich damals gefreut das so Songs wie Streichholzmann, Kauf MICH!, Unter falscher Flagge, Whole wide world, Frühstückskorn, Gegenwind der Zeit und Reisefieber gespielt wurden.


    Hosen Konzerte sind in Polen immer was ganz besonderes :)

    Ich finde es übrigens echt toll, das es in Polen auch einige Hosen Fans gibt und 2010 extra für den Polnischen Markt das Best of Album "Najwieksze Przeboje" sowie die Bommerlunder Single auf Polnisch unter dem Namen "Zamrozona Wyborowa" veröffentlicht wurde.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!