Wurde BÖSER WOLF live gespielt?

  • Also:ich finde die opium super! Super texte,dunkle musik,ein roter faden,leider nach ewigkeit die falschen singles.aber top album!
    Und nur zu jung von den onkelz ist einer ihrer peinlichsten texte:wann ist man denn alt genug,um von seinem vater gefickt zu werden???

  • richtig. dazu: die ansprache an das opfer sexuellen missbrauchs durch den vater mit der drastischen beschreibung des geschehenen soll genau was erreichen? ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand der sowas erlebt hat sagt: "guter text, top lied. rüttelt mal so richtig auf." mit sowas wird die situtation wohl eher noch einmal erlitten.


    während böser wolf versucht empathie zu betroffenen aufzubauen, hat "zu jung" einen voyeuristischen, am leid ergötzenden charakter. der refrain ist dann peinliche pseudo betroffenheit. da wird alles deutlich was ich an dieser band verachte: schicksale werden missbraucht um das eigene schock-effekt image auszubauen. so nen text zu schreiben ist auch keine kunst, das kann jeder dummkopf. übrigens glaube ich kaum, dass die konkrete angst des betroffenen darin besteht, dass "er in dir kommt".


    in der onkelz zentrale: hm text über missbrauch? ok wir beschreiben einfach mit drastischer sprache dass jemand von seinem vater "gefickt" wird und dann sagen wir, mensch, da biste aber doch ein bisschen jung für. hammer. allein das wort. das opfer wird gefickt. zu den strophen könnte sich der täter wahrscheinlich sogar noch einen runter holen.

  • @ wsv: Ich gebe Dir Recht im Vergleich der beiden Texte: "Zu jung" von den Onkelz ist tatsächlich 100000 Mal dümmer als "Böser Wolf" von den Hosen. Dem, was Du an "Zu jung" konkret kritisiert, stimme ich voll zu. Auch teile ich, dass in "Böser Wolf" anders an das Thema herangegangen wird.
    Was bleibt aber, sind zwei Stücke über das gleiche Thema in einer Zeit, in der faschistische Organisationen wie die NPD das Thema zum Politikum machen ("Todesstrafe für Kinderschänder"), weil letztere hoffen, indem sie das Thema instrumentalisieren, einen Mob sammeln zu können.
    Ich weiß allerdings nicht, warum ich ein ideologisches Brett vor dem Kopf haben soll (welche Ideologie denn in dem Fall?).
    Unabhängig davon halte ich das Stück für eine Nummer, hinter der Berechnung steckte (die zudem musikalisch völlig uninteressant ist...): ein populäres Thema zu seichter Kindermusik mit Betroffenheitstext: Die Hosen als das Gewissen der Nation gegen alles Übel in der Welt.
    Was die Opium angeht: Ich mag von der Platte eigentlich nur "Mensch" und "Der Froschkönig" richtig gerne. Die beiden Songs finde ich aber herausragend gut.

    "Work is the curse of the drinking classes." (Oscar Wilde)

    Einmal editiert, zuletzt von Karl Arsch ()

  • richtig. dazu: die ansprache an das opfer sexuellen missbrauchs durch den vater mit der drastischen beschreibung des geschehenen soll genau was erreichen? ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand der sowas erlebt hat sagt: "guter text, top lied. rüttelt mal so richtig auf." mit sowas wird die situtation wohl eher noch einmal erlitten.

    Kann ich bestätigen, es gab mal eine Situation, in der der Song lief und eine anwesende dadurch heftigst getriggert wurde. War mir bis dahin gar nicht bewusst, wie das Stück (Viel zu jung) wirken kann... auch wenn ich es nie sonderlich gut fand.


    Zu Böser Wolf: so sehr meins ist das Stück auch nicht, aber in seiner Grundaussage und auch in der Form der Umsetzung schon okay. Wäre es so sehr Kalkül gewesen mit dem Betroffenheitsduktus, wäre es wohl auch eine Single geworden. Live müsste ich es aber auch nicht unbedingt wieder im Set haben... langsame Stücke sollten ohnehin wohl dosiert sein im Set ;-)


    Opium fürs Volk im Allgemeinen halte ich auch für ein sehr gutes Album; klar, Jägermeister hätte es nicht gebraucht (war die ersten 20 Mal hören aber trotzdem ganz witzig), aber sonst finde ich da keinen wirklich schlechten Song drauf und viele sogar richtig gut. "Froschkönig" gehört auf jeden Fall zu meinen absoluten Lieblingsstücken.

    Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber sie stirbt.

  • Ich verstehe Karl Arschs Haltung hier vollkommen und gebe ihm sogar grösstenteils recht. "Böser Wolf" greift ein Nummersicher-Thema auf. Kindermissbrauch, Pädophilie etc findet jeder eklig und jeder will solche Täter los werden. So kommt es in der Tat vor, dass die NPD sich das Thema zunutze macht um auf Stimmenfang zu gehen...
    "Europa" hingegen ist eindeutig, bezieht Stellung für eine Seite, nicht für jede Seite. Weder ich noch Karl, mit dem ich selten die Meinung teile, vergleichen die Songs als solche miteinander. Lediglich wie und von wem sie instrumentalisiert werden können, respektive das Thema. Die NPD kann "Europa" oder dessen Aussage nicht für sich nutzen...


    "Viel zu jung" ist ein grottenschlechter Song der Onkelz, billig und gar einfältig komponiert. Musikalisch fast gegenteilig zum Text - relativ locker und fröhlich, die Musik. Unpassend also. Für 1995 extrem schlecht verfasst. Lieblos gar!
    Die Onkelz haben sich jedoch immer wieder an dem Thema versucht - angefangen mit "Der nette Mann" von 1984, dann "Ein Mensch wie du und ich" von 1985 oder auch "Onkelz wie wir" von 1987. Die Onkelz haben das Thema also weit vor der NPD aufgegriffen, deswegen lasse ich diesen subtilen Einwand auf die Onkelz nicht gelten.. Das mal am Rande.
    "Ein Mensch wie du und ich" finde ich persönlich am gelungensten... "Böser Wolf" versucht betroffen zu machen - was ja eigentlich auch ok ist. Aber das Thema an sich macht betroffen, wenn man ein Herz hat - das muss dann nicht noch entsprechend in Szene gesetzt werden; die Spieluhr am Anfang und Schluss ist ebenfalls pure Effekthascherei, erzeugt klare Bilder des Mitleids im Kopf. Auch bei diesem Song glaube ich nicht, dass ein Opfer jubelt, wenn er es hört. Solche Themen sind extrem diffizil - aber ist es dann der richtige Weg sie zu ignorieren und keine Songs dazu zu machen? Ich finde es legitim, dass man sich daran versucht... Manchem gefällt die Herangehensweise von "Böser Wolf", anderen nicht - je nach Empfinden.
    Billig finde ich an "Böser Wolf" vorallem dieses "..sie malt gern Bilder von sich selbst.." - etwas, das klischeemässig in jedem 2. Film exakt zu verbraten wird...


    Was das Thema der Single angeht: Wir wissen, dass die Hosen mit den Singles selten Stellung beziehen und auf Nummer-Sicher setzen. Das Thema an sich ist zwar auch Nummer-Sicher, aber als Single käme man damit eventuellen in Teufels Küche - man sieht ja schon, wie kontrovers das Thema unter Hosen-Fans diskutiert wird. Aber so haben sie es sicher platziert auf einer Platte, haben es ebenfalls thematisiert. So kann man nichts falsch machen.


    Wie gesagt ist es schwierig bei solchen Themen die richtigen Worte zu finden.. Was heisst "richtig"; was für x richtig ist kann für y falsch sein und umgekehrt. Jeder hat ein eigenes Programm im Kopf, ein eigenes Herz und versteht Dinge mit eigener Empathie so, wie er eben geformt wurde.


    Ich persönlich finde zB alle Texte von Campino die sich mit Religion auseinandersetzen relativ billig und haltlos, oberflächlich und unbeholfen. Andere finden sie messerscharf auf den Punkt gebracht. Das ist subjektive Wahrnehmung von Erlebtem, mit persönlicher Neigung und Interesse zu einem Thema.


    Bei "Böser Wolf" gefällt mir das Gitarrensolo, das in etwa die Stimmung einfangen könnte, die man als Opfer fühlt: Klein, allein, verloren, voller Angst, verletzt, unsicher - nie mehr wie vorher... Das ist super umgesetzt - aber ist es dann nicht auch Effekhascherei?


    Wie gesagt: Schwierig bei einem solchen Thema alles "richtig" zu machen.

    F!CKEN

    Einmal editiert, zuletzt von pillermaik ()

  • Auch bei diesem Song glaube ich nicht, dass ein Opfer jubelt, wenn er es hört.


    das sicherlich nicht. aber bei musik gehts ja oft nicht um positive gefühlsausbrüche, sondern oft ums verstanden werden. sich identifizieren können. sei es mit "nur zu besuch", bei dem sich jeder der die situation kennt auch denkt "ja mann, genauso fühlt sich das an", lieder über drogensucht, oder mit liedern über eine beendete beziehung. böser wolf löst glaube ich ähnliches bei betroffenen aus und kann helfen (wenn auch nur im kleinen. lieder können niemanden retten) das ganze zu verarbeiten. dass da jemand nachvollziehen kann, wie es einem geht (oder als kind ging), wenn auch nur aus einer beobachtenden perspektive, gibt einem vielleicht ein bisschen kraft. einer freundin, die in einer ähnlichen situation war, hat das lied jedenfalls gut gefallen. das spricht natürlich nicht für alle, aber man muss sich nur mal die youtube kommentare unter dem video zu böser wolf durchlesen... das macht traurig, weil es zeigt wie viele menschen so etwas durchleiden mussten, aber es zeigt doch, dass das lied (egal aus welcher motivation es entstanden ist), zumindest für viele vielleicht eine gewisse bedeutung hat.


    Zitat

    Was das Thema der Single angeht: Wir wissen, dass die Hosen mit den Singles selten Stellung beziehen und auf Nummer-Sicher setzen. Das Thema an sich ist zwar auch Nummer-Sicher, aber als Single käme man damit eventuellen in Teufels Küche - man sieht ja schon, wie kontrovers das Thema unter Hosen-Fans diskutiert wird. Aber so haben sie es sicher platziert auf einer Platte, haben es ebenfalls thematisiert. So kann man nichts falsch machen.


    naja, dass die argumentation nicht ganz schlüssig ist, merkst du glaub ich selbst. ich hatte zumindest nie im leben den verdacht, dass es sich dabei um kalkül handelt. ist auch ein erheblicher vorwurf den hosen gegenüber... finde ich sogar schwerwiegender als den vorwurf an campino sich mit band-aid aus publicity gründen abgegeben hat. beides finde ich unhaltbar, wenn man die hosen vielleicht ein bisschen näher kennt... ich mein, was muss das für ein niederträchtiger mensch sein, der ein solches thema aufgreift um platten zu verkaufen?
    jägermeister, walkamof, etc aus kalkül, klar. aber eins lied über kindesmissbrauch soll jetzt der image schärfende und für die massen konzipierte song sein? verkehrte welt. klar kann man den versuch als missglückt betrachten das thema aufzugreifen. aber hier kommerzielle gründe zu sehen, finde ich sehr weit hergeholt (mir ist klar, dass du das auch nicht steif und fest behauptest. aber zumindest die möglichkeit steht im raum. ich sehe diese möglichkeit gar nicht).


    ich glaube die meisten songschreiber von ernst gemeinter musik schreiben über themen die sie betreffen. dass campino über freunde mit dem thema in berührung gekommen ist, ist 1. statistisch leider überhaupt nicht abwegig und 2. weisen auch alle hosen songs darauf hin, dass es für einen song in irgendeiner form immer persönliche berührungspunkte gibt.



    Zitat

    Wie gesagt: Schwierig bei einem solchen Thema alles "richtig" zu machen.


    das stimmt.

  • ich glaube die meisten songschreiber von ernst gemeinter musik schreiben über themen die sie betreffen. dass campino über freunde mit dem thema in berührung gekommen ist, ist 1. statistisch leider überhaupt nicht abwegig und 2. weisen auch alle hosen songs darauf hin, dass es für einen song in irgendeiner form immer persönliche berührungspunkte gibt.


    Sehe ich auch so... Selbst ich mit sicher einem geringeren Freundes- oder Bekanntenkreis als Campino kenne mehrere Opfer von Missbracuh oder auch Vergewaltigung. Deswegen weiss ich auch, dass der Song nicht überall gut ankommt.
    Komisch ist, dass man Campino und den Hosen zugesteht, dass sie es ehrlich meinen ("..schreiben über Themen die sie selbst betreffen.."), den Onkelz aber mal wieder nicht, nur weil der eine Song von mehreren (zugegeben wirklich) schlecht formuliert ist.


    Ich werfe den Hosen keineswegs Kalkül vor, das wäre in der Tat niederträchtig. Hätte die Band nichts von. Aber der Song ist geschrieben und auf einem Album. Mehr wollte ich damit nicht sagen - sie haben den Song gemacht und Stellung dazu genommen. Aus welchem Motiv auch immer. An Kalkül glaube ich nicht.


    Trotzdem hätte es die Band sicherlich nie betracht gezogen den Song als Single zu veröffentlichen, weil er eben ein schwieriges Thema aufgreift, das unterschiedliche Emotionen hervor ruft. Da hingegen ist es Kalkül, den Song nicht zu veröffentlichen (was auch sonst). Eben weil schon Fans den Song als gut oder schlecht aufnehmen. Dass er heute nicht mehr gespielt wird (im Gegensatz zu "Nur zu Besuch") zeigt auch auf, dass Campi selber vielleicht nicht mehr ganz glücklich mit der Formulierung des Songs ist. Ich finde den Song gut. Ob er live gespielt werden soll, ist ein anderes Thema. Aber er bedient ebenfalls viele Bilder des Klischees - ist ja auch klar, denn nur als Opfer kann man sowas in Worte fassen ohne dabei ein Klischee zu bedienen. Und selbst da empfindet jedes Opfer anders.

    F!CKEN

  • Da habe ich eine blöde Frage gestellt, die ich mir leicht hätte selbst beantworten können und es entsteht doch eine sehr interessante Diskussion daraus. Dankeschön dafür!



    Wenn hier vorher schon alle das Lied mit Europa vergleichen, möchte ich es auch tun. Europa ist musikalisch ein für mich furchtbar langweiliges Ding. Thema/ Botschaft toll, musikalische Umsetzung floppt bei mir. Daher muss ich es auch nicht auf Konzerten, egal welcher Größe, hören.
    Ich stelle mir die Frage, ob die Hosen auch keine Sauflieder mehr machen/ spielen dürfen, weil dumme Rechte auch saufen und "das Thema bedienen". :|



    Ich bin auf das Lied BÖSER WOLF (wieder) gestoßen, nachdem es ein achtjähriges Nachbarsmädel letzten Freitag auf dem Rückweg von der Schule erwischt hat. Das geschehene trifft es mit dem Lied nicht genau, weil es quasi ein einmaliger Überfall war und keine andauernde Misshandlung. Ich kannte in dem Moment aber auch kein anderes Lied, was sich damit beschäftigt.


    Als mir das Mädchen das Geschehene wenige Stunden danach zwischen Zirkusprojekt in der Grundschule und Polizeibesuch erzählt hat, hatte Schwierigkeiten die Fassung zu wahren.


    In solchen Momenten ist es schwierig, mein rechtstaatliches Selbstverständnis sowie die Ablehnung von Selbstjustiz, Folter und Todesstrafe aufrecht zu behalten. Sollte mir ein solcher Kandidat in die Finger kommen, würde ich wohl einen Straftatbestand erfüllen. Das ist nicht richtig, ich würde es jedoch in dem Moment aus mir heraus tun müssen. Diese Einsicht muss bei mir erst mal etwas sacken.

    NEIN :!:

  • Das ist ja auch der Grund warum Richter Urteile fällen und nicht betroffene


    Wir sind ja hier nicht im Somalia...

    Es kommt die Zeit
    in der das Wasser wieder steigt...
    Es kommt die Zeit
    in der der Airport wieder brennt...

  • Also ich verstehe Karl Arsch's Einwände und dachte mir schon, dass es darauf hinaus läuft. Aber zum einen mal die Frage: Wurde 1996 dieses Thema überhaupt schon von rechten Parteien aufgegriffen? Damals war ich erst 4 bzw. bin in dem Jahr 5 geworden, da bekam ich so etwas natürlich nicht mit. Aber mein Eindruck ist, dass sich die NPD erst Mitte der 2000er anfing, damit zu "schmücken."
    Zudem habe ich in dem Lied sehr wohl ein provokatives Statement erkannt. Campino war, während er die Texte zur Opium schrieb, im Kloster. Nach dieser Phase seines Lebens ein Lied über Kindesmisshandlung rauszuhauen empfand ich schon als sehr eindeutige Anspielung. Vielleicht interpretiere ich da auch zu viel hinein, aber für mich war die Opium mit einigen Liedern und auch allein schon wegen des Titels ein Faustschlag in Richtung der (katholischen) Kirche.


    Generell ist dieses Thema relevant und ich glaube auch nicht unbedingt, dass man im Jahre 1996 damit eine sichere Nummer planen konnte. So etwas wird doch teilweise heute noch tabuisiert, wurde es damals sicher noch stärker. Der "Europa"-Vergleich bezog sich vor allem darauf, dass beide verarbeiteten Themen betroffen machen und die musikalische Umsetzung der Lieder ruhiger Natur ist und zudem mit Instrumenten erfolgt, die man ansonsten nicht von den Hosen gewohnt ist.
    Ich bin auch weit davon entfernt, "Böser Wolf" fürs Live Set zu fordern, bei dem was momentan auf Hosenkonzerten herumläuft ohnehin nicht, allerdings versuche ich Songs immer im jeweiligen Kontexts ihres Entstehens zu sehen und da macht "Böser Wolf" auf mich einen mutigen Eindruck.
    Zumal wir alle, wie bereits von einigen gesagt, gar nicht wissen können, wie viel persönliche Erfahrung mit dem Stück verarbeitet wurde. Ich mag den Song nach wie vor. Nur weil Rechte Pissbacken das Thema für sich vereinnahmen heißt das nicht, dass die Opfer nicht dennoch enorm darunter leiden und man darauf nicht aufmerksam machen darf.


    Und ich möchte dazu noch sagen, dass ich dieses Schwarz/Weiß Denken á la niemand mag Kinderficker in diesem Kontext ein wenig zu einfach finde. Nicht jeder Pädophile lebt seine Neigung aus, die meisten leiden extrem darunter und auch das sind kranke, bemitleidenswerte Menschen. Wer die Grenze übertritt ist natürlich wie ein Straftäter zu behandeln und verdient eine harte Bestrafung, aber man sollte bei der Verurteilung nicht vergessen, dass der Täter nichts für seine Neigung kann und psychologische Behandlung braucht. Hier versagt im Übrigen auch unser Gesundheitssystem, denn psychologische Behandlung wegen Pädophilie wird erst gewährt, nachdem Betroffene eine Straftat begangen haben. :down:
    Das nützt den Opfern natürlich wenig und hat auch nichts mit dem Song "Böser Wolf" zu tun, ich wollte nur mal anmerken, dass Pädophilie kein solches Fehlverhalten ist, welches man mit Nachdenken über seine Gelüste abstellen kann. (Anders als z.B. Rassismus, Homophobie, Wegwerf-Mentalität etc.) Sexuelle Vorlieben hat man für gewöhnlich sein ganzes Leben lang. Natürlich gibt es leider auch dort schwarze Schafe, die keinerlei Reue zeigen und sich teilweise sogar organisieren um eine Legalisierung ihrer Taten voranzutreiben, aber dieses Schwarz/Weiß-Denken über Täter und Opfer folgt im Prinzip demselben Muster welches Parteien wie die NPD in jeder der für sie relevanten Fragen anwenden.


    Damit möchte ich niemandem bestimmte Denkmuster unterstellen oder auf die Füße treten. Vor allem von dir, RackerJ, werde ich vermutlich wenig Verständnis für diese Sichtweise erhalten, da du selbst im weiteren Sinne betroffen bist und ich bedaure deinen Vorfall zutiefst. Dennoch hoffe ich, dass vor allem auch diejenigen in diesem Forum, die vielleicht nicht so weit links stehen wie ich selbst und einige andere, diese Sichtweise verstehen, darüber nachdenken und erkennen, dass häufig geforderte Maßnahmen wie die Todesstrafe nie gerechtfertigt sind und in einem Rechtsstaat nichts zu suchen haben.

    Wir sind übrig.

  • Respekt!nicht,dass ich absolut alles teile,aber danke für das ausführliche statement,was ich vor allem bezüglich des opfer-/täter-dings ähnlich komplex und losgelöst von voreingenommenen schuldfragen sehe.abscheulixh und vetachtenswert,aber wohl keine veränderbare frage der tagesverfassung.glaube aich,dass viele nie nach dieser neigung gefragt haben und wissen,wie unsäglich sowas ist und deshalb mit sich kämpfen.

  • Zitat

    Nicht jeder Pädophile lebt seine Neigung aus, die meisten leiden extrem darunter und auch das sind kranke, bemitleidenswerte Menschen. Wer die Grenze übertritt ist natürlich wie ein Straftäter zu behandeln und verdient eine harte Bestrafung, aber man sollte bei der Verurteilung nicht vergessen, dass der Täter nichts für seine Neigung kann und psychologische Behandlung braucht. Hier versagt im Übrigen auch unser Gesundheitssystem, denn psychologische Behandlung wegen Pädophilie wird erst gewährt, nachdem Betroffene eine Straftat begangen haben. :down:


    Zitat

    abscheulixh und vetachtenswert,aber wohl keine veränderbare frage der tagesverfassung.glaube aich,dass viele nie nach dieser neigung gefragt haben und wissen,wie unsäglich sowas ist und deshalb mit sich kämpfen.



    eine anmerkung dazu:


    die meisten taten passieren wohl im familien- und bekanntenkreis mit riesiger dunkelziffer und kommen nie ans licht. die täter sind meist nicht pädophil, sondern nutzen einfach die machtüberlegenheit aus. oft geht es also einfach um "verfügbarkeit" (so schlimm das klingt) oder machtausübung. die forschung geht tatsächlich davon aus, dass nur eine deutliche minderheit der täter pädophil ist. in der öffentlichkeit werden diese taten aber trotz anderer erkenntnisse immer wieder mit pädophilie in verbindung gebracht (was zu eurer angesprochenen vorverurteilung beiträgt, aber andererseits die taten mit einer oftmals nicht vorhandenen sexualstörung relativiert).

  • Damit möchte ich niemandem bestimmte Denkmuster unterstellen oder auf die Füße treten. Vor allem von dir, RackerJ, werde ich vermutlich wenig Verständnis für diese Sichtweise erhalten, da du selbst im weiteren Sinne betroffen bist und ich bedaure deinen Vorfall zutiefst.


    Doch, habe ich. Mit der Einschränkung, die WSV nachgeschoben hat.
    Ich glaube schon, dass es tatsächlich diese Kranken gibt, die nichts dafür können und denen - wahrscheinlich durch medizinische Eingriffe - geholfen werden müsste. Wo fängt das an, wo hört es auf? Bei Alex?


    Aus Rache folgende Selbstjustiz ist aber auch etwas tief Menschliches. Das ist mitunter schwer in Zaum zu halten und normalerweise kann ich das. In dieser Situation wurde mir jedoch bewusst, dass ich an eine Grenze gestoßen wurde.
    ES würde gewinnen und mein ÜBER-ICH die Augen eine Zeit lang schließen.

    NEIN :!:

  • damit setzt du dich aber theoretisch auf die gleiche Stufe wie die Menschen die du verurteilst. Auch sie haben womöglich in einer psychischen Ausnahmesituation in der sie ihren Drang nicht mehr kontrollieren konnten gehandelt.

  • Zitat

    Auch sie haben womöglich in einer psychischen Ausnahmesituation in der sie ihren Drang nicht mehr kontrollieren konnten gehandelt.


    sind wir mittlerweile so weit, dass alle täter nur opfer ihrer umstände sind? die große mehrheit von leuten, die psychologisch und aufgrund von erfahrungen in ein täterprofl passen würden, können trotzdem gutherzige menschen sein und niemandem schaden zufügen.


    mich regt immer auf wenn der amokläufer in einer schule quasi rehabilitiert wird, da der arme kerl ja gemobbt wurde. das wurden zigtausende von menschen und keiner von denen hat sonst ne waffe in die hand genommen. das ist ein schlag ins gesicht aller betroffenen von solchen umständen, die nie im leben zum täter werden würden. sehe die selbe argumentation hier... die individuelle verantwortung hat jeder für sein handeln, so lange er nicht unzurechnungsfähig ist.


    übrigens bin ich natürlich gegen jede form der selbstjustiz oder gar todesstrafe. nicht wegen einem über-ich, sondern wegen einem "ich".

    Einmal editiert, zuletzt von wsv ()

  • damit setzt du dich aber theoretisch auf die gleiche Stufe wie die Menschen die du verurteilst.


    Die gleiche Stufe ist es sicherlich nicht, aber vergleichbar.
    Ich müsste wohl damit leben, dass mich die Eltern des Triebtäters vielleicht doof finden oder ihrerseits selbst handeln.


    Willkommen in der Steinzeit. Auge um Auge.

    NEIN :!:

  • eine anmerkung dazu:


    die meisten taten passieren wohl im familien- und bekanntenkreis mit riesiger dunkelziffer und kommen nie ans licht. die täter sind meist nicht pädophil, sondern nutzen einfach die machtüberlegenheit aus. oft geht es also einfach um "verfügbarkeit" (so schlimm das klingt) oder machtausübung. die forschung geht tatsächlich davon aus, dass nur eine deutliche minderheit der täter pädophil ist. in der öffentlichkeit werden diese taten aber trotz anderer erkenntnisse immer wieder mit pädophilie in verbindung gebracht (was zu eurer angesprochenen vorverurteilung beiträgt, aber andererseits die taten mit einer oftmals nicht vorhandenen sexualstörung relativiert).


    Okay, das ist natürlich ein berechtigter Einwand, den ich zu 100% unterschreibe. Mir ging es vor allen Dingen darum, diese Grenze von "gut" und "böse" nicht so klar zu ziehen, sondern auch die verschiedenen Abstufungen dazwischen zu beachten. Kindesmissbrauch ist ein heikles Thema und in keinem Fall richtig, völlig gleich, ob durch Pädophilie bedingt oder durch die Ausübung von Macht-Fantasien. Allerdings sollte der Hintergrund bei der Bewertung der Schwere des Vergehens eine Rolle spielen.


    Ich möchte auch gar nicht zu sehr die verteidigende Rolle einnehmen, denn eine solche Tat, egal mit welcher Motivation sie geschieht, bedeutet trotz allem, dass derjenige den von den Hosen besungenen "Schritt zu viel nach vorn" getan hat. Das ist nicht wegzudiskutieren und da sollte meiner Meinung nach eine komplette Reinwaschung von diesem Fehltritt auch nicht möglich sein.

    Wir sind übrig.

  • @ Wehende Bayernfahnen:
    Die Interpretation, dass das Stück ein Seitenhieb auf die Katholische Kirche ist, halte ich für sehr weit hergeholt.
    Zu der Frage, der Instrumentalisierung des Themas von rechts: Seit wann jetzt NPD und Konsorten das Thema für sich reklamieren, weiß ich nicht genau, auf jeden Fall aber schon sehr lange. Mir geht es übrigens gar nicht darum, das in eine Nazi-Ecke zu schieben. Gesamtgesellschaftlich sind die Nazis ja nicht wirklich der relevante Stichwortgeber. Mit Rechts meine ich nicht nur die NPD und andere Faschisten. Es gibt Scharfmacher ja auch in den bürgerlichen, v.a. den konservativen Parteien, BILD-Zeitung usw., und auch ganz allgemein den Innere Sicherheits-Diskurs. In dem Zusammenhang taucht das Thema, seit ich denken kann, immer wieder auf. Argumentiert für den Abbau prinzipieller rechtsstaatlicher Prinzipien (von Einzelnen wurde auch immer wieder die Todesstrafe ins Spiel gebracht) wird immer genau an zwei Themenkomplexen: Terrorismus und Kinderschänder.

    "Work is the curse of the drinking classes." (Oscar Wilde)

  • Man muss da aber auch sagen das die NPD 1996 noch nicht auf dem Thema rumgeritten ist.

    Es kommt die Zeit
    in der das Wasser wieder steigt...
    Es kommt die Zeit
    in der der Airport wieder brennt...

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