• Ich habe vor einigen Wochen mal folgendes bei FB gepostet und finde, dass es gerade gut hierhin passt... Meinung muss nicht geteilt werden:



    Ich kann dieses dumme, plakative Geschwätz der Klimaleugner und Greta-Basher nicht mehr ertragen.


    Greta ist als ein Symbol zu verstehen, als eine Art Maskottchen einer tatsächlichen Bewegung!
    Demonstrationen waren und sind wichtig, gerade wenn sie von Jugendlichen/Jungerwachsenen initiiert werden: Ihnen gehört die Zukunft. Ist ein bisschen zu vergleichen mit den Studentendemos der 1960er... War wichtig und hat einiges bewirkt! Und sei es nur ein Bewusstsein für die Geschehnisse der Gegenwart. Eine Saat wird gesät die aufkeimen kann - das kann auch erst übermorgen sein. Und bei der mittlerweile veralteten Vorgehensweise der Volksschule lernen Schüler mehr, wenn sie aktiv was tun als immer nur stumpf Theorie zu büffeln um das Erlernte mit dem nächsten Test wieder auszukotzen. Projekte, bei denen man sich aktiv beteiligt sind in der Regel nachhaltiger als temporäres Auswendiglernen. Pro Fridays for future! ✊


    Greta kann die Welt nicht verändern oder retten und es ist klar, dass sie und ALLE ihre Anhänger Kompromisse eingehen müssen - anders geht es nicht. Um aktiv mit- und entgegenwirken zu können, muss man im System integriert sein! Es ist nutzlos, wenn man 100% korrekt alles klimafreundlich berücksichtigen will, denn zB ohne Smartphone etc pp müsste man als Selbstversorger und Einsiedler abgeschieden und disconnected von der Welt auf einem Berg leben. Nur von da aus kann man nichts bewegen oder erreichen - um das zu tun, muss man mitmischen und wie gesagt Kompromisse eingehen und halt entsprechend im Sinne des Zieles auch mal "widersprüchlich" agieren.


    Ich kann es nicht mehr hören... Wann ich 7 von 10 Dingen "klimafreundlich" korrekt mache, wird immer nur auf den 3 Kriterien rumgehackt, die ich nicht erfülle - dass ich aber bei den anderen 7 "deeskalierend" mitwirke, mir Mühe gebe und mich sogar einschränke, wird nicht gesehen.
    Würden aber alle Umweltsünder, Gretamovement-Basher etc auch mitziehen und Dinge klimafreundlicher gestalten, wenn auch nicht zu 100%, wäre es ein GROSSER Schritt in die richtige Richtung!


    Aber wir leben und funktionieren in einem kapitalistischen System und dem können wir uns nicht gänzlich entziehen, wenn wir relevant bleiben wollen. Insofern werden wir gezwungen Fehler zu begehen - aber das bedeutet nicht automatisch, dass wir dadurch Heuchler sind!


    Das absolut Dümmste was man machen kann, ist eine positive Sache schlechtreden, verurteilen und belächeln - das hilft nichts und verändert 0,00!

  • Ich versuche schon alles mit Bahn zu machen. Aber Freitag war ich gezwungen auf ein Automobil umzusteigen. Ich muss auch zur Arbeit...


    Ich heize nur wenns nötig ist, erstmal kommt Pullover, lange Unterhose und dann irgendwann heizung (Ich geb Geld lieber für anderes aus :D ) Ich kaufe nicht jedes Jahr ein neues Handy, meines wird jetzt 4. (Der Akku wird schwach, bald ist ein neues dran). Ich trenne Müll, ich kaufe bewusst Zeug was nicht 3x in plastik verpackt ist...


    Ich gehe aber nicht Demonstrieren...

    Es kommt die Zeit
    in der das Wasser wieder steigt...
    Es kommt die Zeit
    in der der Airport wieder brennt...

  • Musst du auch nicht, aber hau nicht auf die jungen Leute ein, die es tun - auch nicht verbal! Das ist nunmal der Jargon der besorgten Bürger.
    Rest steht in meinem Statement, will mich nicht wiederholen.

  • Hallo nochmal,
    S-Man hat umfassend so geschrieben dass ich das alles 100% unterschreiben könnte, toll!


    Noch etwas zum persönlichen Ärger mit der Situation: das las sich ein wenig danach als hättest du die Genervtheit der Fahrgäste etc. zum Teil auch auf dich bezogen. Falls das so war, wie hättest du denn da etwas daran ändern können. Letztlich war es doch wochenlang vorher bekannt, dass der 20.9. ein großer Demotag wird. Wer für diesen Tag etwas plant, der musste wissen oder hätte wissen können, dass es da knirschen könnte. So wie auch der Streik im ÖPNV oder von Flugbegleitern vorher bekannt wird und man sich entsprechend damit arrangieren muss. Wie groß nun tatsächlich alles wurde, damit hat man wohl nicht gerechnet, und ich sehe das durchaus als ein positives Zeichen dass 1,4 Mio Menschen in Deutschland auf die Straße gegangen sind.


    Zum System-Problem: in unserer Marktwirtschaft wird alles primär über den Preis gesteuert. Wenn ich was kaufe, so habe ich 1 Info sicher: den Preis dafür. Vieles weitere was ich für eine Kaufentscheidung wissen möchte, kann ich oft nur mit großem Aufwand erfahren oder ist überhaupt nicht herauszufinden. Um weitgehende Verhaltensänderungen zu ermöglichen braucht es eine Preis-Anpassung, im Jargon der Ökonomen heißt das Internalisierung negativer externer Effekte. "Umwelt-Verbrauch" war schon seit über 30 Jahren das Lehrbuchbeispiel, dass Marktwirtschaft nicht funktioniert. Man hat das ja bislang schön ignoriert, weil die Folgen waren alle gefühlt weit weg. Doch inzwischen sind die Probleme so offensichtlich dass endlich genug Rufer da sind die die Message transportieren. Dass diese Messenger auf Ablehnung stoßen ist ja kein neues Phänomen. Die Übermittler schlechter Nachrichten wurden früher nicht selten exekutiert. Und dass man ihnen abspricht dass es ihnen um die Sache geht, das ist das typische Verschieben von Sachargumenten in persönliche Angriffe. Ich finde dazu übrigens diese Erklärung ganz hervorragend und Augen öffnend (ist nur 2 Minuten von dem Video ab Minute 21, und passt darüber hinaus auch zu Maiks Argumentation):

    A fallen wall becomes a bridge to connect us rather than divide. (Zeb Love)

    Einmal editiert, zuletzt von VerschwendeDeineZeit ()

  • Ich versuche schon alles mit Bahn zu machen. Aber Freitag war ich gezwungen auf ein Automobil umzusteigen. Ich muss auch zur Arbeit...


    Ich heize nur wenns nötig ist, erstmal kommt Pullover, lange Unterhose und dann irgendwann heizung (Ich geb Geld lieber für anderes aus :D ) Ich kaufe nicht jedes Jahr ein neues Handy, meines wird jetzt 4. (Der Akku wird schwach, bald ist ein neues dran). Ich trenne Müll, ich kaufe bewusst Zeug was nicht 3x in plastik verpackt ist...


    Ich gehe aber nicht Demonstrieren...


    Fühlst du dich angegriffen? Ich habe den Eindruck dass du ne Menge richtig machst. Ich habe nur den Eindruck dass du gegenüber den Jungen Leuten pessimistischer eingestellt bist als es vielleicht sein müsste. Es ist gut dass das Thema diskutiert wird, nur so entsteht Handlungsdruck. Die Leute die ich auf den Demos gesprochen habe machen mir den Eindruck dass sie sehr hinter der Sache stehen. Und dass es Mitläufer gibt ist doch überall so wo sich etwas tut.

    A fallen wall becomes a bridge to connect us rather than divide. (Zeb Love)

  • Das Problem ist, ohne Kaufboykotts etc interessiert das ganze keine Sau.


    DAS ist das Problem

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  • Danke S-Man, danke Mike! Wenn man sich auf Facebook diese vielen Haterkommentare durchliest, ist es immer noch wundervoll zu sehen, wenn Leute sich klar dagegen positionieren. Danke

    Korn, Bier, Schnaps und Wein


    und wir hören unsere Leber schrein'

  • Danke S-Man, danke Mike! Wenn man sich auf Facebook diese vielen Haterkommentare durchliest, ist es immer noch wundervoll zu sehen, wenn Leute sich klar dagegen positionieren. Danke


    Leider nicht nur anonym auf Facebook - auch (ähnlich anonym) hier, wie die Kommentare von Heidi und Gabumon zeigen - und das sind nur 2 von mittlerweile wenigen, die hier regelmässig schreiben. Kann man mal hochrechnen! Ich will euch beiden auch nichts Böses und stelle euch natürlich nicht auf eine Ebene mit "besorgten Bürgern", jedoch ist der gewählte Jargon und der bewusst gewählte Pessimismus genau die Waffe genannter Menschengruppe. Warum alles niedermachen und schlechtreden, nur weil es nicht fehlerfrei zu 100% funktioniert? Jeder Schritt in die richtige Richtung sollte ermutigt und unterstützt - und eben nicht plattgemacht werden, nur weil da mal eine Kippe liegen bleibt. Die Kippen bleiben auch an anderen Tagen liegen, so wie nicht nur Jugendliche Bierflaschen mit sich führen, auch das passiert täglich von Menschen in jedem Alter.


    Es werden ja immer nur die Negativbeispiele gesehen - egal bei was. Der syrische Flüchtling, der sich an einer Frau vergreift taucht in den News auf - die x-1000 die sich anständig benehmen werden nicht gesehen, weil sie unauffällig und den Gesetzen angepasst agieren. Aber wenn man nur auf den Straftätern rumhackt - zurecht, allerdings egal ob Syrer, Deutscher oder vom Mars - ist das irreführend dahingehend, dass es eben die Mehrheit sein könnte. Dem ist nicht so, aber exakt das - und der Jargon - sind die Waffen der AfD, der Wutbürger und all den rechten Spacken, die so verdammt laut sind! Und weil sie so laut sind, hat es den gleichen Effekt wie eben das Rumhacken auf negativen Einzelbeispielen; man könnte denken, es sei die Mehrheit und lässt sich einschüchtern oder - andersrum noch schlimmer - mitreissen, weil der Mensch ja allgemein der Masse des Siegers angehören will. So nährt man den Rechtsruck in der Gesellschaft!


    Dasselbe hier bei den FFF: Natürlich gibt es da Mitläufer, und sicher git es auch Jugendliche, die von Mami mit dem SUV abgeholt werden (ich kann diesen Dreck nicht mehr hören... Eine dermassen dämliche Verallgemeinerung), jedoch ist das sicher nicht das Gros der Teilnehmer. Es wird aber auch hierbei wieder nur auf denen rumgehackt, die auffällig werden und sich widersprüchlich benehmen... All diejenigen, die unauffällig bleiben und für sich vieles richtig machen, fallen nicht auf - aber mit dem destruktiv-plakativen Gerede von - in diesem Beispiel - Heidi, werft ihr alle in einen Negativ-Topf und redet mit fragwürdigen Inhalten etwas Gutes schlecht.


    Ich wäre froh gewesen, wenn es vor 30 Jahren bei uns diese Art der Aufklärung, und was anderes ist es nicht, gegeben hätte, wenn man schon damals auf solche Dinge aufmerksam gemacht hätte. Schule schwänzen? Das habe ich anyway getan, dafür hätte ich kein FFF gebraucht: Morgens aufstehen, Finger in den Rachen gesteckt um brechen zu müssen, das in theatralischer Lautstärke vorgetragen, damit es meine Eltern hörten und ich sagen konnte "Mami, mir geht es scheisse"! Oder einfach so - ohne Inszenierung - aus dem HAus, aber direkt nach Zürich, nicht in die Schule - gab nen Anschiss und Strafaufgaben - aber getötet hat mich keiner. Um zu schwänzen brauchten und brauchen Schüler sicher nicht die Fridays for future - und ich bin immer noch der Meinung, dass man mehr lernt, wenn man sich einem Thema in einem Projekt - und eine Demo ist mitunter nichts anderes - nähert. Wenn man gemeinsam was auf die Beine stellt, sich organisiert und dabei das "Wir-Gefühl" hat. Da bleibt was hängen - und wenn optional die Lehrer das Thema noch in den Unterricht einbinden, was fortschrittliche Lehrer tun, ist das eine SUPER Sache.


    Das nicht zu sehen, nur weil das Egolife mal einen Tag nicht so funktioniert wie gewohnt, ist kurzsichtig und kurz gedacht. Da wird die Grösse, das Gesamte nicht gesehen! Macht doch mal die Augen auf! Was hier gerade passiert, wie sich Jugendliche engagieren, das ist was Gutes! Sonst wird den Kids nachgesagt, sie hocken nur daheim und zocken Computerspiele - nun gehen sie auf die Strasse anstelle von Religion- und Sportunterricht und anderen Fächern, die sie an dem einen Tag nicht besuchen, jedoch dennoch 3x die Woche an anderen Tagen im Unterricht haben, und auch das wird wieder madig geredet. Ich kann dne Scheiss echt nicht mehr hören.


    Und auch wenn es nur ein Trend sein sollte - es ist ausnahmsweise mal ein wichtiger und verdammt guter Trend! Wie ich sagte: Eine Saat wird gesät! Das ist getan. Und die kann aufkeimen; bei dem einen früher, bei dem anderen später - sicher auch bei einigen gar nicht... Aber sie ist gesät!

    2 Mal editiert, zuletzt von pillermaik ()

  • Leider ist das tatsächlich ein Großer Teil der Teilnehmer, ich nehm da gerne den vergleich wenns Regnet oder Ferien sind, dann geht man entweder lieber zur Schule, weils da trocken ist und in den Ferien zockt man lieber an der Playstation


    Es ist auffällig das die Demos nur groß werden (also so das die Bahnen ausfallen) wenn das Wetter richtig gut ist.


    Ich hab nur 1x Blau gemacht. Als Dortmund gegen Belo Horizonte im Weltpokal gespielt hat. Das war halt um 10 Uhr morgens, ich ging um 8 zur Schule und sagte um 9:30 "Ich geh jetzt nach Hause Fußball gucken!" Gab einen Anruf bei meinem Vater und der meinte nur "Oweh der hat das Spiel nicht Aufgenommen" und einen Klassenbucheintrag.. Wow. Ein Klassenbucheintrag... :D


    Die VHS hab ich sogar noch

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    Einmal editiert, zuletzt von Gabumon ()

  • Große Demo gab es auch während der Ferienzeit. Das letzte Mal, dass die Tagesschau eine solche in den Nachrichten hatte vor dem 20.9. (ich glaub, das war im Juni), war in einigen Bundesländern bereits Ferien (u.a. Hamburg IIRC). Und auch da, waren Spitzenwerte zu verzeichnen. Auch Anfang des Jahres bei starken Minusgraden gab es nennenswerte Demos. Dass natürlich Regen und Sturm oder so, dem ein Abbruch tut, ist eigentlich auch klar. Wichtiger als jedes globale Anliegen dürfte jedem seine eigene Gesundheit sein. Verständlich. Wann standest du das letzte Mal bei Regen und Kälte auf einer Demo?


    dth-heidi:
    Bzgl. deiner Anmerkung zum Zugfahren:
    Du hast natürlich Recht mit deiner Aussage, dass der ÖV vielerorts an seinen Kapazitätsgrenzen hängt. Und ja, es ist dann echt teilweise ein Zumutung, Züge oder S-Bahnen zu nutzen. Aber der Gegenentwurf kann nicht sein: Na dann eben weiterhin alle im Auto, oder noch mehr ins Auto. Vom reinen Energieaspekt abgesehen, sind gerade Großstädte allein von der Anzahl der Autos bereits mitten im Kollaps. Mehr geht nicht: Endlose Staus, keine Parkplätze, Krach. Da braucht es Alternativen. Und diese müssen geschaffen werden. Und da muss man von der Denke runter, dass Autos unantastbar sind und weiterhin mehr Gelder in den Straßenausbau als in den Schienenausbau fließen. Der ÖV ist eine der wichtigen tragenden Säulen für ein mögliches Vorgehen gegen den Klimawandel. Und auch das muss seitens der Regierung klar werden. Mehr als Lippenbekenntnisse seitens der Verantwortlichen gibt es nicht. Bundesverkehrsminister Scheuer ist da definitiv nicht vertrauenswürdig: Predigt unablässig den Ausbau der Schiene, stellt die Gelder aber regelmäßig den Autos zur Verfügung. Ähnlich auch Berliner Senatorin Günther, die ich schon auf ganz vielen tollen Podien und Tagungen beteuern hören habe, was sie alles tun will. Aber gemacht wurde bisher: Auf die Proteste der Autofahrer hören.


    Dass heute nicht ein 1:1 Umstieg auf die Öffis funktioniern kann, ist klar. Deswegen sind auch Forderungen wie 365€-Ticket oder gar fahrscheinloser Betrieb (vulgo: kostenfreier ÖPNV) nicht mehr als Populismus, da dies eine Gegenfinanzierung braucht (die wiederum nur über die Autofahrer laufen kann, die unantastbar sind) und vor allem an der Kapazität scheitern würde. Aber es muss was passieren. Es braucht moderne Verkehrskonzepte und sehr viel weniger Bürokratie. Straßen kann man hierzulande in wenigen Monaten bauen, für eine neue Schienenstrecke bedarf es bis zu jahrzehntelanger Planung. Was soll das? Auch Forschungsgelder für den ÖV sind rar. Schaut man sich an, was an Verkehrsinstituten der Unis geforscht wird, dann sind das zu einem erheblichen Teil Auto-Themen (auch natürlich alternative Antriebe, aber auch ein Elektroauto reduziert nicht den Stau), weil dort die Gelder verfügbar sind. Schiene ist nur in geringerem Teil vertreten.


    Wie du richtig erkannt hast: Ja, da muss was passieren. Aber meckern und Nichtstun hilft nicht. Also raus auf die Straße und zeigen, dass der aktuelle politische Weg scheiße ist!

    27 (+2)
    Narf.

    Einmal editiert, zuletzt von S-Man ()

  • Hätten die Hosen was Anständiges gelernt, wären wir jetzt alle nicht hier... Manchmal ist fehlende Bildung doch zu was gut. ^^
    Das würde natürlich auch erklären, warum Campino/die Hosen Wasser predigen, aber Wein trinken; sprich: atmosfair medienwirksam mit jedem Konzertticket (nur) kompensieren aber privat für jeden Pups um die Welt jetten (lt. Facebook). Für mich leidet da ganz gewaltig die Glaubwürdigkeit... Diese Gefahr sehe ich auch bei den FFF. Es ist im Moment cool und in für das Klima zu sein, aber wenn es ans Eingemachte geht und unbequem wird, wer macht da noch mit und denkt weiter? Wer findet einen Wanderurlaub in Nordhessen schon interessant, wenn der Kollege/Mitschüler in Südamerika war? Die Politik allein kann das nicht schaffen...


    In den 70/80er Jahren ging es schon mit Anti AKW, Jute statt Plastik, Bioläden etc. los. Da hatte man so nette Namen wie "Körnerfresser", "Ökos" für diese Bewegung. Alles andere als cool.
    Meiner Meinung nach ging es in der originären Umweltbewegung damals mehr um die Sache an sich, für die sich jeder einsetzte und im aktuellen FFF eher um eine Person mit einer Botschaft, die viele Follower hat. Macht das Ganze nicht besser oder schlechter, nur anders. Es müssen halt jetzt von allen Seiten Taten folgen. Und gut ausgebildete und gebildete junge und auch ältere Leute in allen Bereichen sind da die beste Basis um was zu bewegen; mittelmäßig begabte Popmusiker gibt es schon genug.


    Schönen Herbstanfang!

    "Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!"

  • Für mich leidet da ganz gewaltig die Glaubwürdigkeit...


    Warum? Angenommen, es ist morgen wieder uncool. Dann waren wenigstens die letzten Monate da, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.


    Und nochmal: Ja, es ist unbequem. Und ja, jeder wird Einschnitte vornehmen müssen oder zumindest für sich abwägen, ob die aktuelle Aktion gut oder schlecht ist. Entscheiden muss man dann individuell. Aber ohne Druck von oben, werden auch Verfechter wie ich, hier und da zum Flugzeug oder Steak greifen. Wirksam gegensteuern kann nur die Politik. Aber deswegen ist doch die gesamte Aktion nicht schlecht.


    Und von wegen "Follower einer Person": Maik schrieb treffend von einem "Maskottchen". Greta Thunberg hat sich schlicht einfach mal ein Herz gefasst und etwas getan, was im Rahmen ihrer damalig mit Sicherheit sehr beschränkten Möglichkeiten eben möglich war. Und das hat erfreulicher Weise gezündet, da kann man sich natürlich ranhängen. Trotzdem engagieren sich seit Jahrzehnten sehr sehr viele Menschen unabhängig voneinander für Natur, Umwelt, Klima. Das ist kein neuer Hype, sondern es war immer schon da. Der einzige Unterschied ist: Jetzt können sie vereint auftreten. Und dass die Jugend hier den Vortritt hat, hat genau nichts zu sagen: Klimaforscher und Naturschützer waren schon vorher da. Nur steht jetzt eben die Jugend auf und hat es geschafft, alle zu vereinen. Warum jetzt die Jugend deswegen beschimpft wird, ist mir schlicht nie klar gewesen.


    Ich würde mich echt mal freuen, wenn die ganzen Anti-FFF-Leute mal über ihren eigenen Wohlfühlbereich hinausgucken würden. Ich würde mich auch über echte Argumente freuen. Aber "für mich war da gerade etwas nicht mehr so bequem wie sonst" oder "fangt erstmal bei euch an" sind keine Argumente. Ersteres: Macht ihr euch ein Bild, was los geht, wenn der Klimawandel wirklich zuschlägt? Da ist jetzt ne blockierte Straße ein Kindergeburtstag. Zweiteres: Sie fangen an. Sie stehen auf und streiken.

    27 (+2)
    Narf.

  • Köln: wenn du mit jungen Leuten zu tun hast wirst du feststellen, dass es nur in den entsprechenden peergroups cool ist dabei zu sein, dass die Leute die auf die Demos gehen auch von Gleichaltrigen zum Teil erheblich angegangen werden. Wer der einzige seiner Klasse ist der auf die Demo geht weil den anderen das zu unbequem ist, oder sie keinen Bock auf mögliche Folgen haben (ja, bisher heißt es ständig die Demo-Teilnehmer müssen nacharbeiten oder sonstige Feigenblatt-Aufgaben wie Pausenhof säubern etc. machen), dann ist der coolnessfaktor schnell dahin. Und du musst dich bei sämtlichen möglicherweise klimaschädigenden Handlungen vor anderen rechtfertigen.
    Was da momentan passiert führt auch zu weiterer Spaltung in der Jungendkultur zwischen den Konsumkiddies und jenen die einen bewussteren Lebensstil führen wollen. Ich wäre froh gewesen wenn man sich früher so gut hätte unter Gleichgesinnten vernetzen können wie es heute möglich ist. Ich glaube das Potenzial schlummerte in den 80ern, aber es blieb beim Umweltschutzpapier, Kaffeeautomat mit Stop-Taste oder Batteriesammelbehältern.
    Heute muss die Politik die Rahmenbedingungen schaffen denn ohne die Politik wird jede einzelne Verhaltensänderung in ihrer Wirkung nur verpuffen und höchstens zu Nachahmen im Umfeld führen.

    A fallen wall becomes a bridge to connect us rather than divide. (Zeb Love)

  • Das würde natürlich auch erklären, warum Campino/die Hosen Wasser predigen, aber Wein trinken; sprich: atmosfair medienwirksam mit jedem Konzertticket (nur) kompensieren aber privat für jeden Pups um die Welt jetten (lt. Facebook). Für mich leidet da ganz gewaltig die Glaubwürdigkeit..


    Mal wieder eine Vorverurteilung... Weisst du denn, wie die Hosen reisen? Nach Italien oder England kommt man auch ohne Flugzeug. Und selbst wenn: Darf man jetzt nur noch daheim sitzen und nix tun? Wie gesagt: Wenn ich 7 von 10 Dingen klimafreundlich berücksichtige, mir Mühe gebe und auch mal auf was verzichte, ist das eine gute Bilanz. Da ist es auch mal ok in den Urlaub zu fliegen. Und das ohne Wasser zu predigen und Wein zu trinken. Es werden auch hier wieder nur die 3 Punkte ERAHNT, die eben nicht korrekt gemacht werden. Ziemlich dürftig, diese Sichtweise. Und sogar die gute Absicht mit der "Klima-Mark" - ältere Fans erkennen den Joke - wird nun abgetan und schlecht geredet? Eieiei. ALLES was getan wird ist gut.


    Diese Gefahr sehe ich auch bei den FFF. Es ist im Moment cool und in für das Klima zu sein, aber wenn es ans Eingemachte geht und unbequem wird, wer macht da noch mit und denkt weiter?


    Alle die dabei was gelernt haben, und sind das nur 2 von 10 - und da sich die Welt gegenüber deiner und meiner Jugend verändert hat, denke ich wird den Jugendlichen heute eine andere Verantwortung mitgegeben als uns. Da du allerdings aus der 1970er-Jahre-Prespektive, also dem was du erlebt und gelernt hast als junge Frau, argumentierst, kannst du diese Änderungen und wie es sich anfühlt mit diesem Bewusstsein aufzuwachsen gar nicht nachempfinden, logisch, und tust es - ebenso aus deiner Perspektive - etwas ab.


    Wenn du von Demos und schlechtem Wetter redest: Auch wenn man an einem Pisstag nicht auf die Strasse geht, trägt man das Bewusstsein in sich und lebt - vielleicht, hoffentlich - klimabewusster! Ist auch ok, wenn man mal daheim bleibt. Warum das jetzt auch wieder abtun? 7x bei Demos dabei und wenn man nicht krank werden will, weil es pisst, sind die 7x nichts wert und Heuchelei? Man erkläre mir das einfach mal...


    Wer findet einen Wanderurlaub in Nordhessen schon interessant, wenn der Kollege/Mitschüler in Südamerika war? Die Politik allein kann das nicht schaffen...


    Auch wenn ich selber auch kein grosser Freund davon bin, ALLES gesehen zu haben (*) und auf jedem Flecken dieser Erde gewandert sein zu müssen, ist es doch legitim, wenn man einmal nach Venezuela fliegt und dann da vielleicht via Backpacking durchs Land reist - und das machen viele der jungen Leute so, die dahin fliegen. Wie gesagt, immer nur auf alles verzichten ist auch nicht alles. Und ich sage dir - junge Leute bleiben mittlerweile auch gerne wieder im Land, gehen zelten, erleben was zusammen. Die Diversität der Jugendlichen ist indes so riesig, dass eine Verallgemeinerung einfach nur lächerlich ist.


    In den 70/80er Jahren ging es schon mit Anti AKW, Jute statt Plastik, Bioläden etc. los. Da hatte man so nette Namen wie "Körnerfresser", "Ökos" für diese Bewegung. Alles andere als cool.


    Daran erkennst du, dass sich was verändert hat und du nicht aus der 70er-Jahre-Prespektive argumentieren kannst. Und wenn nun angekreidet wird, dass es heute "cool" ist auf die Umwelt, den Planeten zu achten, dann tust DU mir leid. Echt! Lieber ein solcher Trend als eine destruktive Scheisse.


    Meiner Meinung nach ging es in der originären Umweltbewegung damals mehr um die Sache an sich, für die sich jeder einsetzte und im aktuellen FFF eher um eine Person mit einer Botschaft, die viele Follower hat.


    Das liegt mitunter - wieder deine 70er-Prespektive - daran, dass es damals diese Möglichkeit der sozialen Netzwerke nicht gab und man insofern keine Follower hatte. Wäre damals aber bestimmt ähnlich gewesen, hätte man sowas gehabt, denn der Geltungsdrang des Menschen war schon immer da. Und natürlich gibt es Selbstdarsteller - wie immer und überall (und sicher auch schon 1973). Natürlich gibt es Menschen, die auf Follower aus sind - dafür ist Insta ja gemacht, geht nur darum sich zu präsentieren - und natürlich meinen es nicht alle ernst. Aber wenn man sich exponiert - sprich sich klimafreundlich auf Insta inszeniert - steht man unter genauer Beobachtung und MUSS sich zwangsläufig etwas Mühe gaben um glaubwürdig zu bleiben ;) . Und auch die unzähligen Selbstdarsteller: Sie können sich inszenieren und wichtig tun - wenn sie aber klimafreundlich agieren und sich Mühe geben, bewusst Dinge machen oder nicht machen, sehe ich darin absolut kein Problem. Lieber als all die Typen, die sich aufgepumpt zur Schau stellen oder die Mädchen, die halbnackte Bilder posten.


    (*) Alles gesehen haben: Ist indes ein Trugschluss. Man schnuppert in andere Kulturen rein, aber wie es sich anfühlt so zu leben, merkt man erst, wenn man eine laaaange Zeit dort war. Urlaub bleibt immer was es ist: Urlaub! Im besten Fall nimmt man Dinge mit, die man dort gesehen hat - Missstände, Probleme, Elend - und weiss sie in die eigene Gegenwart zu transformieren. Man lernt, dass Dinge nicht selbstverständlich sind und wie andere Menschen ticken. Zwar nur oberflächlich, aber immerhin!


    UND: Es ist eine Verallgemeinerung - mal wieder - wenn man diese jungen Leute, die eben von A nach B fliegen etc, mit denen vergleichen werden, die es nicht tun. Wer sagt dir denn, dass einer dieser Flugtouristen auch bei den Demos dabei war? Vielleicht ist er einer derjenigen, der über die FFF-Bewegung lacht! Da ist vieles so oberflächlich was du da teilweise ablässt.


    Dass immer mehr Jugendliche und Jungerwachsene zB Vegetarier werden oder sich sogar vegan ernähren, oder beim Zähneputzen/Duschen während des Einseifens das Wasser ausmachen, was ja niemand mitkriegt in der Öffentlichkeit, solche "Kleinigkeiten" also, und man da schon ein Bewusstsein entwickelt hat wie die Zusammenhänge sind, wird nicht gesehen - es wird wieder nur gesehen, was man offensichtlich NICHT korrekt macht und darauf wird rungehackt...


    Dazu mein letzter Post, wie das mit dem Rechtsruck in der Gesellschaft in Verbindung steht. Da kann man nun "mithelfen" und die dampfende braune Scheisse anrühren oder bewusst dagegenhalten. Den Jargon vermeiden und vielleicht eher mal die Klappe halten als - teilweise sicher unbewusst und nicht so gemeint - mit AfD-Rhetorik den Rechten Antrieb zu verschaffen.

    3 Mal editiert, zuletzt von pillermaik ()

  • Warum jetzt die Jugend deswegen beschimpft wird, ist mir schlicht nie klar gewesen.


    Naja, das ist psychologisch schon klar: der Überbringer der schlechten Nachricht wird bestenfalls ignoriert, wenn das nicht mehr klappt wird er niedergemacht, so lange bis man nicht mehr bestreiten kann dass er recht hat und man mit dem Negativen leben muss. "Don't kill the messenger" ist nicht umsonst ein weit verbreiteter Spruch.

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  • Greta ist wohl für den alternativen Nobelpreis vorgeschlagen. :daumen:

    "Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!"

  • Friedensnobelpreis wäre auch angemessen, finde ich... Obwohl in einer Reihe mit Kriegstreibern und Asylverweigerern zu stehen? Das wäre auch nicht angemessen....


    Zumal der Friedensnobelpreis die ohnehin schon grassierende Überhöhung der Person zementieren würde.


    Nicht falsch verstehen, ich finde die Themen richtig und wichtig, aber die Hochstilisierung einer 16-jährigen Person in diesem Maße kann nicht gesund für die Psyche sein...

    Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber sie stirbt.

  • Btw: Son bissel Straßenblockade für wenige Stunden durch eine Demo ist zumindest in Berlin ein Witz. Nimmt man beispielsweise die zahlreichen Volksfeste und Sportveranstaltungen, wie jetzt der Berlin Marathon, wo die gleichen Straßen, aber noch viele viele zusätzliche, 2-3 Tage (!) vollgesperrt werden (https://m.tagesspiegel.de/berl…in-autofrei/25045526.html). Von Fanmeile oder ähnlichen Späßen ganz zu schweigen.


    Lustigerweise regt sich da kaum jemand auf, dass nun Oma Erna nicht pünktlich zum Augenarzt chauffiert werden kann. Ich bin sicher, in jeder anderen Stadt gibt es vergleichbares, auch in Konstanz. Wie sieht denn die Verkehrssituation bspw. bei dem evtl. ausfallenden Volksfest sonst aus?

    27 (+2)
    Narf.

    Einmal editiert, zuletzt von S-Man ()

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