03.09.18 - Chemnitz

  • Ohne das Käseblatt gelesen zu haben: Schön, daß K.I.Z. sich gegen Rechts positionieren - aber das ist echt so'ne Band zum weghören. Abgesehen davon, daß ich die Texte in Chemnitz größtenteils (zum Glück) akustisch eh nicht verstanden habe, hat das Googlen der Lyrics mich einmal mehr zum Stirnrunzeln gebracht (Beispiel "Affe und Pferd"). Wenn das der Inbegriff von Hip Hop ist - bitte. Ich find's ziemlich unterirdisch und niveaulos...

    "Morgen ist auch noch ein Tag", sagte der Optimist.
    (Werner Mitsch)

  • Ich hatte und habe mit der Band auch so meine Probleme, der Humor mit seinen vielen ironischen Brechungen und völlig überdrehten Überspitzungen, die über normales persiflieren massiv hinausgehen, ist schon sehr speziell... allerdings fand ich das auf der "Hurra, die Welt geht unter" LP deutlich weniger anstrengend, als auf den Sachen, die ich von älteren Veröffentlichungen her kannte.


    Das von dir angesprochene "Affe und Pferd" finde ich auch absolut grauenhaft... den Titelsong der von mir genannten Scheibe würde ich dir als Alternative trotzdem mal empfehlen.

    R.T.B.A.M.

  • Über K.I.Z. habe ich auch nur mit dem Kopf geschüttelt, bis ich sie als Vorband gesehen habe und gezwungenermaßen ganze Songs von ihnen gehört habe. Ich finde, dass sie der Deutschrap-Szene den lange benötigten Zerrspiegel vorgehalten haben und das Genre gekonnt durch den Kakao ziehen. Von ihrem kreativen Umgang mit der deutschen Sprache ganz abgesehen, Zeilen wie "Der Kopf im Boden, wie Vogel Strauß" sind da von einem ganz anderen Kaliber.

    010111001101 00001010101 0101 01 010 1010111 011101 01101011010110101010

  • Tja, K.I.Z.... - seit "Was willst du machen" (war das nicht ursprünglich mal ein Solotrack?) gibts da die Diskussion ob das okay ist oder nicht.
    Ich hab anfangs nicht so ganz verstanden, was genau daran witzig sein soll, sich auf dem gleichen Niveau von Deutschrap zu bewegen und es halt nur nicht ernst zu meinen - so lächerlich wie vieles im Deutschrap allerdings geworden ist, sehe ich das zumindest langsam schon irgendwie als gelungen an, auch wenn mich die Musik nicht kratzt.


    Was man bei K.I.Z. sehen kann, ist allerdings auch eine gewisse Doppelmoral... Weil sie für viele politisch zu "Den Guten" gehören, ist die Verwendung von Provokation und beleidigender Sprache auf einmal kein Thema mehr und ein reines Stilmittel, kaum hat man aber jemanden aus dem konservativeren Spektrum, ist das ganze auf einmal tabu. Ich bin mir nicht sicher, ob Harald Schmidt heute noch so unproblematisch laufen würde, wie es damals der Fall war....

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  • Was man bei K.I.Z. sehen kann, ist allerdings auch eine gewisse Doppelmoral... Weil sie für viele politisch zu "Den Guten" gehören, ist die Verwendung von Provokation und beleidigender Sprache auf einmal kein Thema mehr und ein reines Stilmittel, kaum hat man aber jemanden aus dem konservativeren Spektrum, ist das ganze auf einmal tabu. Ich bin mir nicht sicher, ob Harald Schmidt heute noch so unproblematisch laufen würde, wie es damals der Fall war....

    Es ist aber auch in der Tat ein Unterschied, ob sich jemand von "den Guten" (ich übernehme die Formulierung mal eben) eines Stilmittels bedient, um damit Missstände ironisch aufzugreifen, oder ob jemand aus dem konservativen Spektrum gewisse Formulierungen (bspw. vermeintlich humoristische Überspitzungen) bewusst nutzt, um seine Ansichten besser verkaufen zu können. Beim politischen Aschermittwoch liefert die CSU da gerne anschauliche Beispiele... ;)
    Manchmal kommt es ja wirklich auch drauf an, wer etwas sagt, um die Aussage in den richtigen Kontext zu setzen, das ist für mich nicht unbedingt Doppelmoral.


    Harald Schmidt war von Links aus gesehen meine ich auch früher nicht gerade unumstritten. Da glaube ich nicht, dass das heute nennenswert anders wäre als zu den Hochzeiten seiner Sendung.

    R.T.B.A.M.

  • Es ist aber auch in der Tat ein Unterschied, ob sich jemand von "den Guten" (ich übernehme die Formulierung mal eben) eines Stilmittels bedient, um damit Missstände ironisch aufzugreifen, oder ob jemand aus dem konservativen Spektrum gewisse Formulierungen (bspw. vermeintlich humoristische Überspitzungen) bewusst nutzt, um seine Ansichten besser verkaufen zu können. Beim politischen Aschermittwoch liefert die CSU da gerne anschauliche Beispiele... ;)
    Manchmal kommt es ja wirklich auch drauf an, wer etwas sagt, um die Aussage in den richtigen Kontext zu setzen, das ist für mich nicht unbedingt Doppelmoral.


    Harald Schmidt war von Links aus gesehen meine ich auch früher nicht gerade unumstritten. Da glaube ich nicht, dass das heute nennenswert anders wäre als zu den Hochzeiten seiner Sendung.

    Naja, Schmidt hat aber selbst satirisch zugespitzt. Ich glaube nicht, dass irgendeine seiner Geschichtsvereinfachungen das Ziel hatten, wirklich die deutsche Geschichte zu revidieren. Seine gespielte Amerikahörigkeit um den Irakkrieg herum war ja auch nix anderes als Satire. Ich finde es schwer, Satire vorzuschreiben, was sie darf oder nicht darf, vor allem wenn man das nur an einer politischen Gesinnung festmacht. (Nicht demokratische oder verfassungskonforme Beispiele sind ausgenommen). Das gilt natürlich für K.I.Z., die für einiges zu stehen, was ich nicht gut finde - aber eben auch für andere. Ich verweise da mal auf den Schweizer Kabarettisten Andreas Thiel. Der ist zwar auch ein manchmal fragwürdiger Kautz, hat das aber sehr gut auseinandergenommen. Aber das wird jetzt ein wenig Off Topic.


    Man könnte aber auch bei K.I.Z. argumentieren, dass es oft relativ offen ist, wo die Persiflage aufhört und die echte Haltung anfängt, zumal sie auch (zumindest früher) durchaus Künstler geschätzt haben, denen diese Ironie völlig fehlt...

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  • Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdene Mädchen Medien hat gesagr "KIZ ist Satire und nicht zu Indizieren"

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  • Von Indizierung hat doch auch keiner gesprochen, die ist eh weitgehend Unsinn....

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  • vieles von KIZ ist (meines erachtens) ziemlich misslungene satire und provokation. bsp.: affe und ein pferd. hat im ganzen text vielleicht 4 lines wo man sagen kann, die sind gelungen. wo das zusammenspiel von provokation, ironie, kritik, wortwitz und relevanz funktioniert. der rest ist ziemlich stumpf und hebt sich nicht wirklich von schlechtem rap ab, wo man dann schon der meinung sein kann, dass das dann keine gelungene persiflage mehr ist (im gegensatz zu den unpolitischen, aber doch teilweise sehr witzigen frühen texten). insgesamt sehe ich die band aber als enorm wichtig für die deutsche musiklandschaft an. so texte wie biergarten eden, boom boom boom, oder hurra die welt geht unter, sind in dieser deutlichkeit von niemandem sonst zu erwarten.


    klar ist aber auch: KIZ macht keine mucke für die liberale mitte, oder die gemäßigte politische linke, die auf versöhnung, dialog und gemäßigkeit setzen möchten. zitat aus chemnitz: "wir wurden als verfassungfeindlich und linksextrem bezeichnet. kappier ich nicht, wo ist jetzt der diss?". klar kann man jetzt sagen, auch das ist gezielter tabubruch um den diskurs um linksradikalismus auf einer oberflächlichen ebene überhaupt nicht zuzulassen. im sinne von "reclaim". aber wer die texte liest und versteht, der weiß auch, dass eine klare abgrenzung stattfindet, dass es auch um konfrontation geht, nicht um gesellschaftlich breite bündnisse, deren scheinheiligkeit entlarvt werden sollen.


    bei KIZ gehts in den politischen texten teilweise auch darum: was in der welt falsch läuft, läuft nicht wegen ein paar nazis falsch. wenn man sich die wegdenkt, ist es vielleicht ein bisschen kuscheliger in deutschland und europa. flüchtlinge würden aber weiter zu tausenden an europas grenzen vorsätzlich sterben gelassen, fluchtursachen bestehen bleiben, mit subventionen für exporte die heimische wirtschaft von entwicklungsländern geschädigt, folterlager in lybien finanziert, westliche konzerne würden weiter bürgerkriege durch rohstoffkauf finanzieren, rüstungsexporte an kriegsverbrecher in u.a. saudi arabien weiter bestehen bleiben.... um nur mal ansatzweise ein paar dinge anzureißen. und zu guter letzt unterstützen wir alle durch unseren konsum diese spirale immer weiter. aber tricklet ja alles down irgendwann, irgendwann regnet der moralisch mehr als zweifelhaft erkaufte wohlstand doch auf jeden herab, hab ich gehört. "i bless the rains down in africa".


    aber um noch mal den turn zu KIZ zu machen: dass jetzt also die BILD sich nach der performance auf KIZ einschießt habe ich eigentlich erwartet. und dass provokation letztlich auch auf der anderen seite angenommen wird, dürfte nun echt niemanden verwundern oder empören. ich glaub das ZDF oder die ARD haben auch das "nazis aufs maul" vom FSF gitarristen/sänger in der berichterstattung nachher kritisch diskutiert.

    Einmal editiert, zuletzt von wsv ()

  • Würde ich unterm Strich wohl so unterschreiben. Ich finde es auch völlig okay, wenn Musiker sich gemäß ihrer politischen Coleur äußern. Peinlich wirds m.E. eben dann, wenn man sich selbst dieses Recht rausnimmt, man es aber gar nicht ertragen kann wenn andere das auch tun - ich beziehe mich da allerdings nur auf die KIZ Fans, die mir untergekommen sind. Wie die Band das handhabt weiß ich nicht.

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  • Conse: da habe ich wohl nicht deutlich genug meine beiden Parts voneinander getrennt. Der erste Block war allgemein gemeint und bezog sich keineswegs auf den von mir sehr geschätzten Harald Schmidt. Für mich ist das, was er macht, im besten Fall blanker Nihilismus, wo einfach in alle Richtungen scharf geschossen wird ohne Rücksicht auf jedwede Befindlichkeiten. Ich meinte nur, dass er bei Linken auch früher oft als reaktionär oder ähnliches gehandelt wurde und dass ich nicht glaube, dass er heute unbedingt mehr Gegenwind erhalten würde.
    Definitiv halte ich Schmidt nicht für einen Geschichtsrevisionisten oder ähnliches.


    Das mit dem Kontext des Senders einer Botschaft bezog sich dann eher auf Entgleisungen aus klar mindestens konservativen Kreisen, wo dann schnell nachträglich ein Augenzwinkern oder ein "war doch nur ein Späßle" hinterhergeschoben wird.
    Oder anders: Wenn Andreas Gabalier einen Witz erzählt, der eine rassistische Nuance hat, würde ich das anders aufnehmen, als wenn das Wolfgang Niedecken tun würde (was zugegeben ein relativ absurdes Szenario ist).


    Edit: bei KIZ gebe ich dir auf jeden Fall Recht, dass die Grenze zwischen Persiflage und Ernst oft seeeeehr schwammig ist und das ist auch der Grund, aus dem ich zumindest früher ein großes Problem mit denen hatte. Bin da inzwischen entspannter, weil ich die Grenze eben beim letzten Album klarer fand und auch Äußerungen in Interviews teils sehr klar waren. Sie sind trotzdem weit davon entfernt, täglich auf meinem Plattenteller zu landen. ;)

    R.T.B.A.M.

  • KIZ ist reine Satire. Es macht sich über Deutsch Rap lustig. Keine gewalttätige Line ist ernst gemeint. Anders als bei Farid Bang und Co. Ich kann jeden nur empfehlen mal "echten Deutsch Rap" zu hören. Also die ganzen Hobby Gangster. Die meinen das dann auch so.



    Sasha kann man auch in den falschen Hals bekommen. Hab das mal im CD Player in der Schule laufen lassen. Keine zwei Stunden später war ich beim Direktor wegen Nazi Songs. Einige Mitschüler haben Sasha schlicht nicht verstanden.





    Babys ertrinken in Waschmaschinen,
    Tote Omas klopfen an ihren Sarg


    Eine Zeile die so betrachtet ziemlich geschmacklos ist. Im gesamten Kontext ergibt es aber erst Sinn.
    Hofgarten ist ebenfalls so ein Ding. Da muss man die Band für betrachten

    3 Mal editiert, zuletzt von Howard Moon ()

  • Geht es nur mir so, dass mir ein Verfassungsschutzpräsident, der ohne Beweise und aufgrund von Vermutungen Augenzeugen, Journalisten und der Kanzelerin widerspricht? Ein Mann, der mutmaßlich mit der AfD kuschelt und offensichtlich Seehofers Agenda verfolgt...

  • Geht es nur mir so, dass mir ein Verfassungsschutzpräsident, der ohne Beweise und aufgrund von Vermutungen Augenzeugen, Journalisten und der Kanzelerin widerspricht? Ein Mann, der mutmaßlich mit der AfD kuschelt und offensichtlich Seehofers Agenda verfolgt...



    Fragt sich eigentlich wer die Verfassung vor solchen gestalten beschützt?

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    in der das Wasser wieder steigt...
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  • Zitat

    grad campis interview im stream gesehen... schade, dass er die frage zu sozialen ängsten nicht verstanden hat. war wichtig.


    Genau so ist es, dass hat Campino echt nicht auf dem Schirm.


    Woher soll ein weißer, ü50ger reicher Mann auch wissen, was soziale (Existenzielle-) Ängste sind? Das er es nicht versteht - geschenkt.Woher auch?
    Ähnliches empfinde ich bei Grönemeyer, der sich zwar gerne auf die richtige Seite schlägt ( Jameln) , aber dann doch lieber nach London in sei Nobelviertel zurückfliegt.



    Trotzdem rechne ich es beiden hoch an, dass sie sich immer wieder und wieder, egal wie uncool es rüberkommt, für den Zweck einsetzen. Sie müssten das wahrlich nicht tun. Im Gegensatz zu den (jungen) Künstlern haben sie ihre Schäfchen im Trockenen, sie könnten auch die Füße still halten. Tun sie zum Glück nicht.


    Ich gönne es den Leuten von "Chemnitz Nazifrei" so sehr, dass sie wenigstens einmal nicht in der Unterzahl waren. Ich kenne durch unsere AfD-Demos in Erfurt dieses Gefühl, wenn du zum Mittwoch Abend mit Mühe und Not 300 Menschen zusammenkriegst, während auf der AfD-Seite 8.000 stehen. Alleine dafür war es das Konzert wert.

    Ende.

  • Ähnliches empfinde ich bei Grönemeyer, der sich zwar gerne auf die richtige Seite schlägt ( Jameln), aber dann doch lieber nach London in sei Nobelviertel zurückfliegt.


    Wobei er aber inzw. wohl wieder überwiegend in Berlin lebt. Ändert aber nichts an der Tatsache, dass es dort wsl auch ein Nobelviertel sein dürfte.

    Wer keine Angst vorm Teufel hat, braucht auch keinen Gott!


    Nr. 5 lebt - wir sehen uns wo die eisernen Kreuze stehen...

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