• Geht ja nicht darum, ob es den Song nun besser macht. Es geht darum, dass Campino da einen Text ins Radio bringt, mit einer braven Wohlfühlmelodie, den keiner so versteht, wie er gemeint ist. Dieses Vorführen, Verarschen und die Gabe etwas so zu verpacken, halte ich für brillant und ziemlich "punk"! Ihr habt euch doch alle täuschen lassen. Sogar Fans, nicht bloss Gelegenheitshörer, hat er also getäuscht & verarscht. Sagt mir eine zweite Hosen-Single, bei der das so deutlich der Fall war.

  • Sagt mir eine zweite Hosen-Single, bei der das so deutlich der Fall war.


    Mögliche Kandidaten für versteckte Botschaften wären auf jeden Fall "Walkampf", "Frauen dieser Welt" und "Schön sein", da suche ich immer noch nach einem tieferen Sinn ;)


    Ansonsten sind die missverstandenen Songs in der Vergangenheit eher nicht gezielt auf Missverständnisse angelegt gewesen ("Wünsch dir was" natürlich allen voran), insofern hast du mit der Besonderheit dieses trojanischen Pferds auf jeden Fall Recht.

    Es hat sich vieles getan, auf Dosenbier gibt es jetzt Pfand,
    aber die meisten von uns leben noch, das war nicht immer so geplant.
    (Koyaanisqatsi)

  • Wenn der Sänger einer Band die Intention eines Songs darin sieht, seine Fans zu verarschen (außer den Maik) und sein eigenes frivoles Vergnügen im Vordergrund steht, dann muss er sich fragen lassen, ob er den richtigen Beruf gewählt hat. Das gilt für die Pyro-Frage ebenso wie für den Düsseldorfschen Drogensumpf am Rheinufer.


    Verarschen dürfen mich nur Freunde, eine Band hat mich in erster Linie zu unterhalten, zum Nachdenken anzuregen.

    "Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!"

  • Verarschen dürfen mich nur Freunde, eine Band hat mich in erster Linie zu unterhalten, zum Nachdenken anzuregen.


    Der "Nachdenken"-Aspekt wäre hier ja durchaus gegeben.


    Die Frage nach dem richtigen Beruf finde ich indes maßlos überzogen in Anbetracht einer unterschwelligen Thematik, bei der man sich vor der VÖ gedacht hat "Mal sehen, ob das jemand blickt".

    Es hat sich vieles getan, auf Dosenbier gibt es jetzt Pfand,
    aber die meisten von uns leben noch, das war nicht immer so geplant.
    (Koyaanisqatsi)

  • Das Problem habe ich beispielsweise auch mit "Willkommen in Deutschland". Die Botschaft dort ist wichtig, aber es ist kein wirklich guter Song. Viel zu banal, viel zu seicht und textlich zu naiv. Es hieß immer, dass man sich damals nicht anders ausdrücken konnte. Aber man hatte zu diesem Thema auch schon damals mit "5 vor 12" und "Sascha" besser abgeliefert.


    "Sascha" ist ja eine komplett andere Herangehensweise, auch in textlicher Hinsicht, da finde ich den Vergleich schwierig. Zumal das Stück sich, wie die meisten humorigen Lieder, mit der Zeit schon deutlich abnutzt.


    "5 vor 12" fand ich auch immer besser, aber der Text hat zumindest mit dem Gemüsehändler-Klischee eine Schwachstelle, die vermutlich der Hauptgrund dafür ist, dass der Song später nicht mehr (oder fast nicht mehr?) zum Einsatz kam.


    Dass Campino mal gesagt hat, dass er "Willkommen in Deutschland" im Nachhinein als unbeholfenen Versuch empfunden hat, habe ich nie verstanden, insofern fand ich 2013 das Wiederauflebenlassen des Stücks richtig und gut. Seicht und naiv finde ich den Text nicht, im Gegenteil spielt er auf die Verantwortung der Gesamtgesellschaft an, anstatt mit "harten Parolen" (als Gegenstück zum vermeintlich Seichten) gegen Nazis zu gehen. Ähnliche Intention ja auch bei "Europa", auf "Gegen Nazis" kann man sich auch mit den rechtesten CSU-Mitgliedern einigen, vermutlich selbst mit Teilen der AfD, aber "Willkommen in Deutschland" und "Europa" gehen da eben gewissermaßen einen Schritt weiter und behandeln diese Themen auf einer anderen Ebene.


    Was das Falschverstehen von "Wünsch dir was", "1000 gute Gründe" und "Alles wird gut" angeht, hinkt der Vergleich zu "Feiern im Regen"; wie schon im Post 288 hier erwähnt, hatten die 3 Songs nicht die Intention, als vermeintliche Hoffnungs-Songs oder gar als patriotische Hymne durchzugehen, sondern Ironie und Sarkasmus waren deutlich herausgestellt. Wenn sich dann trotzdem jemand auf wenige Verse bezieht und den Rest des Textes ausblendet, ist das nicht die ursprüngliche Absicht des Texters.

    Es hat sich vieles getan, auf Dosenbier gibt es jetzt Pfand,
    aber die meisten von uns leben noch, das war nicht immer so geplant.
    (Koyaanisqatsi)

    Einmal editiert, zuletzt von DTH_HB_86 ()

  • ich würde den Text von FiR nicht als Verarsche verstehen, eher als "Rätsel"...
    ... wobei mir das Rätsel zu sehr nach Materia klingt, da hilft auch keine 23. Metaebene.


    Warum genügen die Hosen sich nicht selbst? Sie sollten inzwischen doch so selbstbewusst sein, dass sie ihr eigenes Ding durchziehen können, ohne auf andere Inputgeber angewiesen zu sein.
    Aber nein, man hat Angst vor der eigenen Courage und sogar Kuddels Soli werden live verstümmelt, weil der Band Leader befürchtet, das Publikum könnte davon gelangweilt sein.


  • Warum genügen die Hosen sich nicht selbst? Sie sollten inzwischen doch so selbstbewusst sein, dass sie ihr eigenes Ding durchziehen können, ohne auf andere Inputgeber angewiesen zu sein.
    Aber nein, man hat Angst vor der eigenen Courage und sogar Kuddels Soli werden live verstümmelt, weil der Band Leader befürchtet, das Publikum könnte davon gelangweilt sein.


    Warum genügen die Hosen sich nicht selbst? Sie sollten inzwischen doch so selbstbewusst sein, dass sie ihr eigenes Ding durchziehen können, ohne auf andere Inputgeber angewiesen zu sein.



    Das liegt an der Schreibblockade, dass er sich Input von außen holen muss. Kein Wunder nach all den Jahren. Dumm aber, wenn trotzdem fast immer nur dieselben begrenzten Themen der letzten Jahre dabei herauskommen. (Tod, Liebe (jetzt auch positiv), Fussball, Party, Nazis (als ob es nicht auch noch andrere poltischen Probleme gäbe) In den Interviews ist er ja auch viel breitbändiger.
    https://www.ksta.de/kultur/lit…-schreibblockade-23704736

    Don't feed the fanboys.


    "Wenn Eltern sich freuen, dass ihre Kinder zu unseren Konzerten kommen, höre ich auf"
    Campino

  • Wenn der Sänger einer Band die Intention eines Songs darin sieht, seine Fans zu verarschen (außer den Maik) und sein eigenes frivoles Vergnügen im Vordergrund steht, dann muss er sich fragen lassen, ob er den richtigen Beruf gewählt hat. Das gilt für die Pyro-Frage ebenso wie für den Düsseldorfschen Drogensumpf am Rheinufer.


    Verarschen dürfen mich nur Freunde, eine Band hat mich in erster Linie zu unterhalten, zum Nachdenken anzuregen.


    Sorry, die Inhalte eines Texters sollten immer genau das sein, was er will - und nicht was wir hören wollen. Bei den Hosen waren Ironie, Sarkasmus etc schon immer Bestandteil, wer das nun infrage stellt, hat die Hosen nicht in sämtlichen Facetten verstanden.


    Ist zudem eine Frage von Ego, ob man sich von dieser Täuschung/Verarschung angegriffen fühlt oder nicht. Musst halt wieder zu Pur gehen. Und selbstverständlich darf dich jeder verarschen, auch ich, kk oder Racker J. Nur schluckst du es halt je nach Ego nicht von jedem.

    Ansonsten sind die missverstandenen Songs in der Vergangenheit eher nicht gezielt auf Missverständnisse angelegt gewesen ("Wünsch dir was" natürlich allen voran), insofern hast du mit der Besonderheit dieses trojanischen Pferds auf jeden Fall Recht.

    Danke, gut dass du den Unterschied siehst. Wir sollten nicht vermischen oder gar verwechseln zwischen "Missinterpretieren" oder "Zweckentfremden" wie bei genannten Songs und auch "Tage wie diese" oder eben eine Botschaft so verpacken, dass sie nicht als das erkannt wird was sie ist. Das eine (Wünsch dir was) ist vom Texter unbeabsichtig, das andere (Feiern im Regen) gezielt gewollt. Riesen Unterschied also. Insofern schon etwas hilflos nun diese Songs anzubringen, nur weil man die Tatsache, dass es jetzt halt so ist mit FiR, schlucken muss.

    Also ich würde da auch "1000 gute Gründe", "Wünsch DIR was" und "Alles wird gut" nennen @pillermaik. Da ging es thematisch zwar um etwas anderes, aber letztendlich wurden die Songs auch oft falsch verstanden.


    Wie gesagt: Missinterpretieren und Zweckentfremden ist etwas anderes, als wenn der Text so geschrieben ist, dass ihn keiner so versteht wie gemeint.


    Missinterpretiert wird zB auch "Alles aus Liebe" immer. Das ist kein romantisches Liebeslied, das handelt von einem krankhaft eifersüchtigen Typen. So jemanden will keiner als Freund. Die Essenz ist, dass weil er sie so liebt und sie eventuell nicht haben kann, er sie und sich mit lieber umbringt als dass er sie an jemand anderen verliert. Das sagt der Text offen und deutlich, wird aber häufig nicht verstanden.


    Auch "Der letzte Tag" zieht inhaltlich an vielen vorbei. Die hören zwar,
    was Campi da singt, fassen aber nicht auf, dass es um einen Mörder
    geht, der im sich eingebildeten Auftrag von Gott Leute tötet. Offensichtlich, dennoch
    häufig nicht verstanden.
    Bei FiR ist das eine andere Ebene, da kann man nicht wortwörtlich verstehen was der Inhalt ist. Sonst hat man halt nur ein leeres Kuchenblech und fragt sich warum. Oder auch nicht.

    Darüber hinaus kann man auch über die Romantisierung von Drogenkonsum diskutieren. Das kann und sollte man allerdings auch bei den Saufliedern tun.

    Das habe ich von Anfang an so gesagt. Allerdings findet hier wohl jeder "Mehr davon" geil und da geht es auch nur darum sich Speed oder Koks reinzuziehen. Man kann da allerdings auch eine kleine Warnung erkennen (meinen Charakter, meinen Selbstrespekt..). Wie auch bei "Gute Reise" (jeder der mal hier war, der wird dafür bestraft..).

    Es geht aber bei der Songbewertung auch darum ob er einen musikalisch gefällt. Und da finde ich die Frage berechtigt ob es den Song besser macht.

    Geht es aber nicht, wenn es nur um den Text geht und das war hier der Fall. Von der Musik hat fast niemand geredet - die hatte nur so 2, 3 Stellen mit Beatles-Referenzen. Und die Kombi böser Text & harmlose Musik ist genial. Würde man den Song so vertonen wie zB "XTC" und Klartext sprechen, wäre es einfach nur ein weiterer Drogensong. So jedoch ist er schon was Besonderes. Kannst du, auch wenn du alles krampfhaft zu relativieren versuchst, nicht abstreiten.

    Was das Falschverstehen von "Wünsch dir was", "1000 gute Gründe" und "Alles wird gut" angeht, hinkt der Vergleich zu "Feiern im Regen";

    Exakt!

    ich würde den Text von FiR nicht als Verarsche verstehen, eher als "Rätsel"...
    ... wobei mir das Rätsel zu sehr nach Materia klingt, da hilft auch keine 23. Metaebene.


    Warum genügen die Hosen sich nicht selbst? Sie sollten inzwischen doch so selbstbewusst sein, dass sie ihr eigenes Ding durchziehen können, ohne auf andere Inputgeber angewiesen zu sein.
    Aber nein, man hat Angst vor der eigenen Courage und sogar Kuddels Soli werden live verstümmelt, weil der Band Leader befürchtet, das Publikum könnte davon gelangweilt sein.


    Täuschung wäre wohl angebrachter als Rätsel, und das Wort habe ich stets mitverwendet!
    Der Text beweist doch, dass sie es so machen wie sie es wollen. Ähnlich war es ja schon 1993 bei "Gute Reise". Da jedoch musikalisch so umrahmt (Effekte, Sitar-Solo), dass auch Leute die keine Drogen nehmen den Link haben machen können, wenn auch da keine Droge beim Namen genannt wird. Oder auch nicht. Kenne viele Leute, die den Text nicht so verstanden haben wie der Inhalt es vorgibt. Haben sie also schon vor 26 Jahren so gemacht. Jahre vor Materia.

    Einmal editiert, zuletzt von pillermaik ()

  • Wie sagte Campino gestern doch so treffend? Er wäre ein Arsch, jedenfalls innerlich. Ich finde, besser kann man es nicht ausdrücken :thumbsup: Das würde dann auch erklären, warum er sich öffentlich und live vor allen Zuschauern/-hörern freute, dass "keiner" die Intention und die Bilder hinter FiR verstanden hätte und somit alle Nichtwissenden quasi vorführte. Es war doch alles klar und deutlich, und wie kann man das nur nicht sehen... Wir sind doch alle blöd...


    Geht so "auf Augenhöhe mit dem Publikum sein"? Meine mich auch zu erinnern, dass das Publikum nicht gerade erfreut war...

    "Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!"

  • Wie sagte Campino gestern doch so treffend? Er wäre ein Arsch, jedenfalls innerlich. Ich finde, besser kann man es nicht ausdrücken :thumbsup: Das würde dann auch erklären, warum er sich öffentlich und live vor allen Zuschauern/-hörern freute, dass "keiner" die Intention und die Bilder hinter FiR verstanden hätte und somit alle Nichtwissenden quasi vorführte. Es war doch alles klar und deutlich, und wie kann man das nur nicht sehen... Wir sind doch alle blöd...


    Geht so "auf Augenhöhe mit dem Publikum sein"? Meine mich auch zu erinnern, dass das Publikum nicht gerade erfreut war...

    Was man am Radio nicht gesehen hat, logischerweise, ist, dass die Frau,
    die die Frage mit den Früchten gestellt hat, im Rollstuhl sass. Als Laie
    sah sie wie eine MS-Patientin aus, oder was ähnliches. Nachdem die
    Frage etwas undeutlich beantwortet wurde, respektive keine richtige
    Antwort seitens der Band kam, lief Campi bei einem der nächsten Songs
    durchs Publikum, hin zu der Frau, die ganz hinten im Saal sass in ihrem
    Rolli. Ging zu ihr hin, hielt ihre Hand und wollte ein Foto von sich und
    ihr für sie machen lassen, was dann geklappt hat.
    Das mag, wenn man
    das wieder böse auslegen will, ein etwas unbeholfener Versuch gewesen
    sein der Frau zu zeigen, dass man die Frage nicht veralbern wollte -
    aber er hat es gemacht, er hätte das nicht tun müssen. Fand ich dann
    doch deutlich mehr auf Augenhöhe als dein verletztes Überego! Ich sass
    im Publikum und habe 0 Aversion gegen Campi gespürt, als er FiR erkärt
    hat - bin mir jetzt nicht sicher, aber ich meine das kam dann auf die
    duselige "Was ist da noch Punk?"-Frage, die er - wie so ziemlich alle
    Fragen - mit treffenden Antworten & Anekdoten (siehe doofe
    Pulli-Frage, eieie - die sass direkt vor mir, die Dame) wieder
    interessant gestaltet hat.

  • Vielleicht sollte man es mal so halten wie beim Fußball, in dem man seine Lieblingsmannschaft bei schlechten Leistungen (sprich beim Spielen des Liedes) einfach mal ausbuht! Das würde sich der Orth genau 2 x anschauen - und dann den Song direkt aus dem Set werfen... :)

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