Schön hier weitere Bruce-Fans zu treffen. Aus gegebenen Anlass mein Konzertbericht zum EU-Tourfinale in Kilkenny am vergangenen Sonntag in Irland. 
Bevor ich zum Konzert schreibe ein paar Worte zu den Tagen, die wir (mein Bruder, ein Kumpel und ich) vorher in Dublin erlebt haben.
Dublin ist wirklich eine Reise wert. Insbesondere, wenn man sich nicht nur auf die Stadt konzentriert, sondern sich auch das Umland anschaut. Neben einer sehenswerten Stadt haben wir innerhalb der wenigen Tag auch einen Tag in den Wicklow Mountains verbracht und sogar noch einen kurzen Abstecher an die Küste unternommen.
Dublin an sich ist geprägt von den traditionellen alten Gebäuden und Straßenzügen, aber auch durch neue, moderne Gebäude, die teilweise doch recht uncharmant nebeneinander gebaut wurden. Insgesamt verströmt die Stadt aber einen rauen und dennoch liebenswerten Charme. Allerdings merkt man auch deutlich die Folgen der Finanzkrise durch die vielen leer stehenden Gebäude und geschlossenen Geschäfte. Diese Depression merkt man den Iren selbst aber nicht an. Diese sind unheimlich freundlich und hilfsbereit. Ich habe zum Beispiel minutenlang in dem Musikladen „Celtic Note“ (sehr zu empfehlen) mit dem Besitzer des Ladens über irische Musik und Bruce Springsteen gequatscht. Ich empfand diese Offenheit und Direktheit der Iren als sehr angenehm und sie machen Irland noch sehenswerter.
Zum Konzert:
Die An- und Abreise aus Dublin nach Kilkenny per Zug hatten wir damals zu den Konzerttickets direkt dazu gebucht und diese funktionierte einwandfrei und war sehr gut organisiert. Die Konzertstätte erschien auf den ersten Blick als Abschluss des EU-Legs doch etwas unwürdig. Kleine, teilweise recht runtergekommene Tribünen vermittelten eher den Eindruck einer Sportplatzatmosphäre, wenn man dies mit deutschen Stadien vergleicht. Im Nachhinein blieb aber wie immer bei Bruce festzustellen: Neben der Musik war alles andere nebensächlich. Gib dem Kerl ein Mikro und er könnte auf einer Holzkiste tausende von Menschen begeistern.
Da die Konzerte an diesem Wochenende als „Wrecking Ball Weekender“ verkauft wurden, wurden diese als eine Art „Mini-Festival“ aufgezogen und so hatte Bruce ganz untypisch drei Vorbands. Diese waren „Delorentos“ (junge Indie-Band), „LAPD“ (alte Folk-Ikonen aus Irland) und „Imelda May“ (Rockabilly aus Irland). Insbesondere die beiden letztgenannten Bands kamen bei den Einheimischen sehr gut an. Ich hätte keine dieser Bands gebraucht, aber sie waren auch nicht „unhörbar“. Wir hatten in der Zwischenzeit eher damit zu tun, uns vor der Sonne zu schützen, die häufiger als vermutet durch die Wolken guckte. Eigentlich war für den Sonntag viel Regen vorhergesagt, aber Gott sei Dank blieb das Wetter weitestgehend stabil. Außerdem mussten wir sehen, dass wir unseren Platz mittig hinter dem Pit einigermaßen verteidigen, da doch einige Leute erst ziemlich verspätet den Entschluss gefasst hatten, sich nach vorne zu quetschen.
Bevor Bruce um kurz vor halb 8 die Bühne enterte, kamen wir noch mit einem sehr netten Iren und seiner Freundin ins Gespräch. Er hatte bereits die Konzerte in Cork und Limerick erlebt und erklärte mir, dass es für die Iren etwas sehr besonderes ist, dass Bruce so häufig so tourt und sie sehr stolz darauf sind (gleiches sagte auch der Musikladen-Besitzer in Dublin).
Bruce eröffnete dann bei strahlenden Sonnenschein die Show mit dem extra für die irischen Shows als Opener etablierten „This litte light of mine“, welches vom Publikum frenetisch abgefeiert wurde. Cindy – eine seiner Background-Sängerinnen – legte dabei eine super Gesangseinlage hin. Mit „My love will not let you down“ folgte einer meiner persönlichen Lieblinge und das Ding rockte derartig, dass es eine Wonne war. Die Stimmung erreichte bei Max Drumsolo und dem anschließenden Gitarrenoutro von Bruce, Steve und Nils den ersten Höhepunkt und wurde durch das anschließende „Badlands“ in noch höhere Sphären katapultiert. „We take care of our own“ hielt das Tempo oben, bevor mit „Adam raised a cain“ einer meiner absoluten Wunschsongs kam und die Band performte den Song absolut fantastisch. Der Song war eine Wucht. Diese enorme Intensität hielten sie auch bei den folgenden Songs „Death to my hometown“ und „American Skin (41 Shots)“. Insbesondere letztgenannter Song war ein absoluter Gänsehautmoment. Bruce sang den Song mit einer unglaublichen Überzeugung und die musikalische Darbietung war grandios.
Video „Adam raised a cain“
http://www.youtube.com/watch?v=hX6-_uBO19Q
Video “American Skin”
http://www.youtube.com/watch?v=x-6LEgfMn2g
Thematisch wunderbar als Übergang funktionierte anschließend „The promised land“. Bei „Wrecking Ball“ und „Spirit in the night“ band Bruce das Publikum auch wieder mehr ins Geschehen ein, nachdem die ersten acht Songs weniger auf Party, sondern mehr auf die Darbietung an sich ausgelegt waren. Beim Intro zu „Spirit in the night“ bedankte er sich beim Publikum, welches die Band auf dieser Tour so getragen habe und wiederholte mehrmals, dass sie wiederkommen werden.
Danach folgte der Dankeschön-Teil für die treuen Fans in den ersten Reihen und es wurden Songwünsche erfüllt. Der erste Song war mit „The River“ äußerst massenkompatibel. Anschließend folgten aber mit „Wild Billy’s Circus Story“, „Man at the top“ und „When you walk in the room“ gleich drei Tourpremieren, die sich schon seit geraumer Zeit von Fans gewünscht wurden, die einige Konzerte mitgemacht haben. Bruce nannte dabei die Fans sogar bei Namen als er die Songs ankündigte (auch wenn er sich bei „Man at the top“ mit dem Namen zuerst vertat), was ich als sehr respektvoll empfand. „Man at the top“ von Bruce Boxset „Tracks“ (Zusammenstellung zuvor unveröffentlichter Songs) fand ich dabei am Ansprechendsten.
Video „Man at the top“
http://www.youtube.com/watch?v=cWtMBPfVCEE
Anschließend wurde für Jimmy Iovine, dem Produzenten des „Born to run“ Albums, der an diesem Abend in Kilkenny vor Ort war, das gesamte „Born to run“ Album gespielt. Das einige Bruce Fans, dies als langweilig empfinden, weil der Meister in der Vergangenheit häufiger die ein oder andere Albumnacht eingeschoben hat, ist meiner Meinung nach Jammern auf hohem Niveau. Da es mein einziges Bruce-Konzert im Jahr 2013 war, genoss ich jede Minute. Dieses Album war der große Durchbruch von Bruce und der Band und sie zeigten warum. Die Performance war brilliant. Alleine für die Version von „Backstreets“ hat sich der Trip nach Irland gelohnt.
Video „Backstreets“
http://www.youtube.com/watch?v=C5TgTb0Wa5E
Nach dem „Born to run“ Album und den ersten paar Regentropfen des Abends beendeten „The rising“ und „Land of hope and dreams“ das Mainset.
Die Zugabe wurde durch „Born in the USA“ eröffnet und ein zweites Mal an diesem Abend hatte ich Angst um Max Schlagzeug, so derartig verprügelte er dieses. Nach einem weiteren Liebling von mir „Bobby Jean“ legte Bruce mit der Band unter mittlerweile recht kräftigen Regen den Party-Gang ein. „Seven nights to rock“ (mit einer super Horn-Section), „Dancing in the dark“, “American land“ und “Shout” machten aus dem Nowlan Park eine einzige Partymeile. Bruce spielte mit seinem Kopf Piano und mit dem Hintern Gitarre, tanzte mit einem Mädchen einen typischen irischen Tanz und schenkte einem Jungen, nachdem er zusammen mit ihm auf der Bühne Gitarre gespielt hatte die selbige. In Shout stellte er dann die E Street Band mit einem standesgemäßen „You've just seen...the heart-stopping, pants-dropping, house-rocking, earth-quaking, booty-shaking, Viagra-taking, love-making, legendary E Street Band!" und anschließend, inspiriert von einem Fan-Shirt, bedankte er sich bei seinen „ ticket seekin’, hotel bookin’, money jugglin’, plane takin’, train ridin’, queue formin’, tramp meetin’, feet throbbin’, back breakin’, burger eatin’, rain endurin’, music lovin’, Boss followin’ legendary E Street Fans”. Danach folgte nochmal “This little light of mine” und schloss damit den Rahmen des Konzertes.
Bruce verabschiedete sich anschließend von jedem Bandmitglied einzeln, blieb alleine auf der Bühne und nahm sich seine Akustikgitarre und Mundharmonika. Er bedankte sich nochmals und beendete den Abend mit „This hard land“ nach fast 3:20 Stunden mit den Worten: „We’ll be seeing you, take care of yourselves.“
Video „This hard land“
http://www.youtube.com/watch?v…M&feature=player_embedded
Mir bleibt eigentlich nicht viel mehr als mich bei Bruce und der Band für einen genialen Abend zu bedanken. Dass ich dies sogar am Tag danach persönlich bei Max (Schlagzeuger) am Flughafen machen konnte, rundete die ganze Reise einfach wunderbar ab. Auf meinen Dank für das fantastische Konzert entgegnete er nur ganz cool: „It was a good one, wasn’t it?“. Anschließend ließ ich mir das Tourprogramm von ihm unterschreiben und er fragte mich noch, wie ich heiße und ich sagte „Matthias“, aber das er dies nicht drauf schreiben müsste, da ich mir dachte, dass ihm der Name und die Schreibweise sicher nicht geläufig sind. Aber er machte dies und er schrieb meinen Namen sogar richtig. An ein Foto mit ihm habe ich in diesem Moment nicht gedacht. Außerdem stand seine Familie ein paar Meter weiter und hätte er nicht ohnehin alleine in der Schlange vor dem Check-In gewartet, hätte ich ihn gar nicht erst angesprochen und so wollte ich ihn nicht länger stören.
Ich habe im Vergleich zum Köln-Konzert 17 andere Songs gehört, darunter etliche, die auf meiner Wunschliste sehr weit oben standen. Ich hoffe, Bruce und die Band kommen in 2015 wieder und bescheren uns noch einmal ein paar fantastische Konzerte.
Setlist:
Start: 19.26 Uhr
01. This Little Light of Mine
02. My Love Will Not Let You Down
03. Badlands
04. We Take Care of Our Own
05. Adam Raised a Cain
06. Death to My Hometown
07. American Skin (41 Shots)
08. The Promised Land
09. Wrecking Ball
10. Spirit in the Night
11. The River (Sign Request)
12. WILD BILLY'S CIRCUS STORY (Sign Request, "have taken this sign many times before and did not played it, he kept making it again everytime")
13. MAN AT THE TOP (Sign Request, chorus sung by all horn players, standing around Nils' mic)
14. WHEN YOU WALK IN THE ROOM (Sign Request)
Full Born to Run Album (For Jimmy Iovine, who's in the audience tonight)
15. Thunder Road
16. Tenth Avenue Freeze-Out
17. Night
18. Backstreets
19. Born to Run
20. She's the One
21. Meeting Across the River
22. Jungleland
23. The Rising
24. Land of Hope and Dreams
25. Born in the U.S.A.
26. Bobby Jean
27. Seven Nights to Rock
28. Dancing in the Dark [Bruce gives guitar to a kid who danced]
29. American Land [With Maxes daughter on accordion]
30. Shout
31. This little Light of Mine (Reprise)
32. This Hard Land (Solo Acoustic)
Ende: 22:45 Uhr, Konzertlänge: 03:19 Std.