Beiträge von meijel

    Killer: Sorry, aber wenn ich so einen undifferenzierten Mist lese, könnte ich echt sauer werden. "Ich verstehe nicht, warum die Wirtschaft am Leben erhalten werden muss" - ernsthaft? Glaubst du wirklich, "die Wirtschaft", das sind bloß gewissenlose Konzerne, die auch in der Krise nur daran denken, wie sie die Arbeiter ausbeuten können? Woher soll denn das Geld kommen, das die Unternehmen aktuell nicht verdienen, um die Leute bei vollem Lohnausgleich nach Hause zu schicken? Und das betrifft nicht nur große Konzerne wie die Lufthansa, sondern auch Kleinstbetriebe wie die Eckkneipe, Kinos, kleine Fitness-Studios, Coaches, etc - all das IST die Wirtschaft. Die Agrarministerin überlegt gerade ernsthaft, ob Leute, die in der Gastronomie arbeiten, nicht als Saisonarbeiter in der Landwirtschaft aushelfen sollen. Und woher nimmst du die "zwei Wochen"? Das öffentliche Leben wird bis in den April hinein eingeschränkt bleiben. Das ist echt eine Situation, in der die Solidarität aller gefragt ist, auch die der Arbeitnehmer! Und polemische Forderungen nutzen in der Debatte gar nichts! Bitte einfach mal informieren, ehe man solche Forderungen raushaut.

    Die Szenen von Rummenigge & Co. rund um das Spiel Hoffenheim gegen Bayern ist an Theatralik nicht zu überbieten, wenn man letztes Wochenende im ZDF-Sportstudio den DFB-Präsidenten hört, der Paragrafen zitiert, wonach ein Spielabbruch durch einen Rassismus-Fall (Mannschaft des/der betroffenen Spieler verlässt den Platz) dazu führt, dass das Spiel am Grünen Tisch zu Gunsten der anderen Mannschaft gewertet wird.


    Davon abgesehen ist richtig, dass Hetze und Hass weder in "sozialen" Netzwerken noch in einer Fan-Kurve (beiden "Räumen" ist gemein, dass sie gerne mal als eine Art rechtsfreier Raum interpretiert werden) in irgendeiner Form akzeptiert werden. Aber die gute Nachricht ist, dass mittlerweile die Fähigkeit zur Selbstheilung in den Kurven deutlich gewachsen ist.

    Die Plattenfirma ist das eine, der Vertrieb das andere. Und da mischt bei den Hosen auch Warner Music mit (s. aktuelles Album).


    Darüber hinaus wird Patrick Orth in der FAS folgendermaßen zitiert: Er setze sich vielmehr „für junge, aufstrebende Bands“ ein. Es geht, laut Orth, also nicht primär um die Hosen.


    Dass bei den Künstlern selbst am Ende der Streaming-Verwertungskette nur ein Bruchteil hängen bleibt, ist ja bekannt. Gleichzeitig erleben die vier großen Labels wieder eine kleine Renaissance dank Streaming. Klar, dass die Künstler da nicht mehr länger zusehen wollen. Viele Verträge beruhen eben noch auf den Gegebenheiten des physischen Tonträgers, als die Plattenfirmen Geld für Pressung und Auslieferung geltend machten. Wenn sich so viele erfolgreiche Künstler zusammenschließen ist sicher nicht auszuschließen, dass sich Warner & Co. trotz bestehender Verträge bewegen werden. Ob gerechtfertigt oder nicht, kann jeder für sich entscheiden.

    Gestern mal wieder im Auto gehört, bei Nebel - mal wieder voll reingefahren.

    Und wie das manchmal so ist mit Songs, die man schon ewig hört, ist plötzlich eine Textzeile hängengeblieben, die sich vorher nicht verfangen hat:


    Unsre Unschuld war nicht das Einzige,
    was unterwegs verloren ging.


    Hat jemand von euch mal gehört/gelesen, was die Hosen mit "nicht das Einzige" konkret meinen?

    Mal ganz abgesehen davon, dass es unsinnig wäre, zu leugnen, dass man sich nicht verändert hätte durch den stetig wachsenden Erfolg, fände ich es schon sehr spannend welche konkrete Veränderungen sie in dem Song "eingestehen".

    Mich stört vor allem diese Schunkelstimmung durch das Mitklatschen des Publikums. Das macht aus einem Soundtrack für den Straßenkampf ein Stück Volksmusik für irgendeine Florian Silbereisen Show. Der Song ist für unplugged einfach ungeeignet. Auch nicht als Reprise oder Abgesang. Das klingt ja wie eine Kapitulation vor dem was man bekämpft.

    Ich sehe es eher als angemessene Rückschau. "Liebeslied" ist lange her. Es hat für mich eine melancholische Sicht zurück, die alten Säcke erzählen, wie das damals so war, als es auch bei ihnen noch wild zuging. Ab und zu blitzt dabei noch die Angriffslust von damals auf, aber natürlich ist alles einige Oktaven "lahmer" geworden. Damit finde ich die Übersetzung des Originals verdammt gut gelungen.


    Den Gedanken der "Kapitulation" kann ich also von daher nicht nachvollziehen, als dass die Hosen ja längst nicht mehr die sind, die damals auf der Straße standen. Es wäre vielleicht eine gewesen, hätte man das Stück relativ früh nach Ersterscheinung genau so interpretiert. Da finde ich im Vergleich die "Stadion-Version" mit dem Mitgröhl-Intro viel eher als einen "Verrat" an dem Lied.

    Bzgl. deiner Flops: Interessant, dass du "Liebeslied" gewählt hast - ich finde das großartig. Natürlich hat es nicht mehr im Ansatz die Kraft des Originals, dafür aber einen wunderbar nostalgischen Blick zurück. Aber so ist das mit den Geschmäckern... "Politische Lieder" und "Alex" hingegen finde ich auch maximal nervig.


    Bei den Tops rangiert "Schwere (-los)" noch immer auf Platz 1. Was ein Lied!

    Wobei es aber auch schon Texte gibt, die keine Lösung anbieten und eher Hoffnungslosigkeit beschreiben. Spontan fällt mir eines meiner Lieblingslieder ein: "Warten auf Dich". Hier wird eine dauerhafte Opferrolle dargestellt, ohne jede Möglichkeit auf Besserung der Situation.
    Tatsächlich sind die "hoffnungslosen" Texte aber wohl deutlich in der Unterzahl.

    So einen Text würde Campino heute vermutlich nicht mehr schreiben (wie z.B. auch "Verflucht, verdammt, gebrandmarkt") - und beschreibt ja auch eher eine (wenn auch schlimme) Situation als eine existenzielle Sinnfrage. Die Texte sind natürlich erwachsener geworden und das gefällt mir, auch wenn beides seine absolute Berechtigung hat.

    Während ich gestern Abend über eine aktuell schwierige berufliche Situation sinnierte - warum auch immer - sprengten sich die Hosen in meine Gedanken. Unbewusst habe ich schon das ganze Jahr über sehr viele Hosen-Stücke gehört, die eher existenzielle Themen anpacken ("Nichts bleibt für die Ewigkeit", "Leben ist tödlich", "Ertrinken" - oder auch "Lebt wohl und danke sehr"). Beim Grübeln fasste sich dann für mich zusammen, was mir an den Hosen-Texten extrem gut gefällt: Dass sie den Hörer nicht als einen hilflosen Lemming degradieren, sondern dass sie ihn als mündigen Sparringspartner provozieren ("Du merkst, während du an deinen Plänen sitzt / Wie das Leben an dir vorüber zieht") und in die Selbstverantwortung drängen: "Es wird keiner kommen, um dich einmal zu holen / Geh alleine los". Für mich DIE Zeilen überhaupt. Oder auch: "Und wenn Ihr an etwas glauben wollt / glaubt an Euch selbst und nicht an uns". Ich mag es sehr, dass Campino/die Hosen sich hier nicht als die Lösung der Probleme (nach dem Motto "Wir gegen den Rest der Welt") anbiedern, sondern dem Hörer in den Arsch treten!

    Habs im Radio gehört, die letzte Stunde. War echt ziemlich nice und interessant. Das erste Mal, dass ich was aus dieser Radioreihe höre.

    Ging mir genauso.
    Sehr kurzweiliger Abend, an dem die Lieder fast in den Hintergrund gerückt sind durch die vergleichsweise interessanten Fragen und Ausführungen.

    Bis jetzt habe ich den Text eigentlich immer so verstanden, wie er leicht zu verstehen ist: Dass sich die Protagonistin irgendwo hinabstürzt, weil der Preis des Überlebens der Hölle von Auschwitz einfach zu hoch war. Das wäre eine sehr bittere Pointe ihres Lebens, schließlich hätten es die Nazis am Ende doch noch geschafft, sie zu ermorden.


    Gestern Abend aber habe ich den Text nochmal ganz anders gehört. Dass sie sich in Gedanken den Vögeln hinterherwirft - und das Trauma endgültig besiegt. (Schließlich spielt sich der Song ja fast nur auf dieser Bank ab.) Dass sie ihren Frieden damit macht, die Hölle im Gegensatz zu vielen anderen überlebt zu haben. Ein später Sieg, aber ein Sieg über die Peiniger.

    Ich muss meinen Ersteindruck in der Hinsicht revidieren, als dass ich mich in der Nachhaltigkeit des Albums getäuscht habe. Das läuft bei mir wirklich oft und klingt immer noch herrlich frisch.


    Besonders die Atmosphäre mag ich sehr: Wenn das Publikum anfängt, die Songs zu entdecken und darauf reagiert, dann hat das noch mal eine ganz andere Qualität als andere Live-Alben.

    Kann leider selber nicht hingehen und gebe meine beiden Tickets zum Normalpreis von je 50€ ab.


    Unter dem Titel "Family First" gibt es im Kölner Palladium ein kleines Festival mit BSF als Headliner. Ebenfalls mit dabei u.a.: Raised Fist, Thursday und Kmpfsprt.
    Bei Interesse PM an mich. Die Tickets kommen als Download-Link, kein Versand also.

    Ich mag beide Songs und ein bisschen gewöhne ich mich sogar an DidM..

    Ich finde, DidM gewinnt in der Akustik-Version deutlich, da er auf die richtige Größe „gestutzt“ wird. In der Variante ist eher ein eher angenehm unspektakulärer Versuch, einen kostbaren Moment zu konservieren.

    Wie sehr mir das auf die Eier geht, wenn jemand so rumjammert und andere dazu nötigen will, die Dinge anzupacken. Mach es doch selber.


    Genauso unnötig, wie Artikel auf YouTube-Kommentaren aufzubauen. Da finden sich bestimmt auch genügend Kommentare unter politischen Liedern, dass man dazu lieber die Fresse halten sollte. (Liest man z.B. auch oft bei Late Night Berlin, der Show von Klaas HU — bist ja ganz lustig, aber halt dich bitte aus Politik raus).


    Lohnt sich, das Buch ist wirklich klasse.

    Puh. Ich habe das Buch im Urlaub auf diesen Verweis hin hier gelesen und muss sagen, dass es mich maximal gelangweilt hat. Wie viel kann man schwafeln, ohne wirklich eine echte Handlung voranzutreiben? Nach einem Viertel des Buches haben es die Protagonisten gerade einmal in eine Kneipe und wieder raus geschafft. Klar kam der Kerl mit unserer Sprache umgehen, aber wenn diese zum Selbstzweck wird, wird es doch sehr zäh.