Beiträge von meijel

    Am Wochenende hat mich ein Freund mit einer interessanten Frage konfrontiert. Wir haben zusammen Musik gehört und sind irgendwann bei den Hosen gelandet, mit denen er selbst nicht so wahnsinnig viel anfangen kann, aber durchaus daran interessiert war, was mich an der Band so fasziniert. Und mich ergo darum gebeten, ihm den Song vorzuspielen, der am besten für mich zusammenfasst, was die Band in meinen Augen ausmacht.


    Puh.


    Ich musste echt lange überlegen, denn da sind so viele Optionen. Aber da es eben bewusst darum ging, nicht den besten, ersten oder schönsten Song auszuwählen, sondern den, der im Prinzip die Essenz der Hosen für mich zusammenfasst, habe ich nach langem Überlegen "Helden und Diebe" genommen. Aus folgenden Gründen: Musikalisch sehr spannend, vor allem mit dem ausführlichen Aufbau durch Kuddels Intro. Ich weiß nicht, ob man in dieses Intro allzu viel hineininterpretieren sollte, aber es stellt für mich schon eine lange Reise dar, ehe der Song losgeht, ganz so, wie die Hosen eben bereits eine lange Vorgeschichte mit sich herumgetragen haben, ehe sie diesen Song schrieben.

    Viel wichtiger sind aber für mich letztlich die inhaltlichen Gründe: Da sind zum Einen die zahlreichen Referenzen zur eigenen Vergangenheit, die nicht verklärt, aber sicher auch nicht verleugnet wird - verbunden mit der fast demütigen Zeile: "Und keiner von uns hätte je geglaubt / Dass uns wirklich jemand folgt". (Da sind wir wieder bei der langen Reise.) Die für mich entscheidende Zeile aber ist: "Und wenn ihr an etwas glauben wollt / Glaubt an euch selbst und nicht an uns". Damit ordnen sie die eigene Bedeutung aus meiner Sicht komplett richtig ein und nehmen den Hörer als mündigen Fan in die Pflicht, nicht zu viel in die Band hinein zu projizieren.

    So fasst der Song für mich zusammen, wo die Band herkommt, welche Angriffsflächen sie im Laufe der Zeit geboten haben - und dass sie gealtert sind, ohne sich permanent hinzustellen und so zu tun, dass sie immer noch die Alten seien.


    Welchen Song würdet ihr unter diesen Gesichtspunkten wählen?

    Du kannst halt nicht die Hanauer Gedenkveranstaltung absagen (bei der sich mutmaßlich die Teilnehmer mehrheitlich an die Regeln gehalten hätten) - um dann einen kollektiven Corona-Regelverstoß mit Ansage zu genehmigen. Natürlich ist das Wasser auf die Mühlen derer, die sich eh schon einer Meinungsdiktaktur unterjocht fühlen und die sich jetzt im Stile der AfD weiter zu Opfern des Mainstreams stilisieren können - aber müssen wir uns darum wirklich Sorgen machen?

    Nö!

    Die letzte Demo dieses "Klientel" hat gezeigt, dass sich die Teilnehmer größtenteils einen Dreck darum scheren, a) mit wem sie da zusammen demonstrieren und b) dass sie durch ihre Handlung andere gefährden. Diese ganzen selbsternannten Opfer sehen doch vor lauter Freiheit die Freiheit gar nicht mehr. Die können ja gerne mal in Belarus oder Venezuela auf die Straße gehen.


    Also: Absage richtig. Zumal viele Menschen echt harte Entbehrungen auf sich genommen haben (eine Kollegin musste ihre Mutter alleine beerdigen, ein Freund konnte seine Großeltern Monate nicht sehen) - es kann nicht sein, dass all diese Menschen so auf die Fresse bekommen, wenn sie sehen, wie ein Kollektiv auf all die Regeln scheißt.

    Die Melodie im Refrain, die merkwürdigen backingvocs, aber vor auch allem die ganze Abmischung des Songs ist für mich eher abschreckend.

    Das von Dir beschriebene ist das kurze Riff vor bzw. nach der Strophe oder meinst Du wirklich die Gitarren unter dem Text?

    Das Riff vor bzw. nach der Strophe. Das finde ich echt saustark. Aber der Song bringt es irgendwie nicht auf Strecke, das ist schon völlig okay als B-Seite.

    Manchmal gibt es immer noch Songs, die ich komplett neu entdecke - wie jüngst "5 Minuten", das ich bis vor kurzem gar nicht auf dem Schirm hatte. Was für eine bärenstarke Gitarrenarbeit von Kuddel! Auch wenn es eine ganz andere Baustelle ist: Genauso prägnant wie z.B. in "Motorcycle Emptiness" der Manic Street Preachers. Ganz großes Kino! Ich verstehe aber auch, warum es "nur" zur B-Seite gereicht hat, weil der Refrain dann doch ein bisschen simpel gestrickt daherkommt und die Klasse der Strophe nicht ganz halten kann. Trotzdem eine tolle Neuentdeckung für mich und ein weiterer Beleg für Kuddels Können.

    Micka: Vielen Dank, dass du hier mal wieder Hosen relevanten Inhalt produzierst. Vielleicht lohnt es sich ja doch noch, hier mal wieder reinzuschauen...

    Ich brauche den Standort aber z.b. für Pokemon Go


    Einer CoronaApp will ich den aber nicht geben.

    Ernsthaft? Du gibst deine Daten lieber einer solchen Spiele-App, deren Entwickler bereits von der Verbraucherzentrale abgemahnt worden ist, als einer App, die helfen kann, Infektionsketten nachzuverfolgen und deren Quellcode einsehbar ist? Das finde ich wirklich erschütternd.

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    Hier würde ich mir eine deutlich stärkere Moderationslinie wünschen.

    Danke! Genauso ist es.
    ich merke, dass ich immer seltener hier aufschlage - und dass mich die aktuelle Lektüre hier zunehmend von diesem Forum entfernt. Was sehr schade ist. Es gab hier tolle, leidenschaftliche Diskussionen über die Hosen. Davon ist nichts mehr übrig.

    Conse: Mir gefällt deine Beobachtung eines "Spätwerks", gerade bei "Geisterhaus". Das hat fast etwas väterliches, wenn Campino zum Schluss singt:


    "Wenn du sie finden kannst und den Weg zu Zweit / den Glauben an die Ewigkeit / Bewahr' sie dir und lass sie nicht mehr los"


    Bei der Stelle bekomme ich noch immer Gänsehaut, weil das lyrische Ich ganz genau weiß, wovon er da spricht und wie töricht es vielleicht war, die Liebe eben nicht immer festgehalten zu haben. Das ist tatsächlich so ein Rat, der von meinem Vater hätte sein können und den man eben erst geben kann, wenn man sich eine gewisse Weisheit "angelebt" hat. Ich find das Lied sensationell, weil ich es universell begreife und nicht als Campinos Blick auf sein Elternhaus.

    Nachdem die Hosen während des weitestgehenden "Shutdowns" musikalisch bei mir überhaupt keine Rolle gespielt haben, kämpfen sie sich langsam wieder zurück in meine Playlists und Vorlieben. Vor allem die "Laune der Natur" läuft bei mir seit vorletzter Woche wieder sehr regelmäßig rauf und runter - und ich bin immer noch überrascht, wie frisch sie noch immer klingt, wie wenig sie sich bei mir abgenutzt hat. Es gibt schon ein paar Stücke, die ich nach wie vor skippe, aber mir tut beim kompletten Durchlauf kein Stück so arg weh, dass ich hektisch (ab)brechen müsste; das kann man schon in Gänze machen. Ein großer Spaß!


    Noch-immer-Favoriten: Urknall, Alles mit nach Hause, Wannsee, Unter den Wolken, Geisterhaus, Lass los.

    Imer noch okay/wieder entdeckt und okay: Alles passiert, Laune der Natur, ICE nach Düsseldorf, Wie viele Jahre, Energie

    Brauche ich nicht: Pop & Politik (wobei ich mich hier nur auf die Musik beziehe, nicht auf den Text), Eine Hanvoll Erde (es fällt mir schwererer diesen Titel abzulehnen, aber es hat halt einfach nicht im Ansatz die Qualität eines "Nur zu Besuch"), Kein Grund zur Traurigkeit (was mir auch fast ein bisschen leid tut, da ich die Idee total schön finde, aber irgendwie berührt es mich auch nicht wirklich).

    Killer: Sorry, aber wenn ich so einen undifferenzierten Mist lese, könnte ich echt sauer werden. "Ich verstehe nicht, warum die Wirtschaft am Leben erhalten werden muss" - ernsthaft? Glaubst du wirklich, "die Wirtschaft", das sind bloß gewissenlose Konzerne, die auch in der Krise nur daran denken, wie sie die Arbeiter ausbeuten können? Woher soll denn das Geld kommen, das die Unternehmen aktuell nicht verdienen, um die Leute bei vollem Lohnausgleich nach Hause zu schicken? Und das betrifft nicht nur große Konzerne wie die Lufthansa, sondern auch Kleinstbetriebe wie die Eckkneipe, Kinos, kleine Fitness-Studios, Coaches, etc - all das IST die Wirtschaft. Die Agrarministerin überlegt gerade ernsthaft, ob Leute, die in der Gastronomie arbeiten, nicht als Saisonarbeiter in der Landwirtschaft aushelfen sollen. Und woher nimmst du die "zwei Wochen"? Das öffentliche Leben wird bis in den April hinein eingeschränkt bleiben. Das ist echt eine Situation, in der die Solidarität aller gefragt ist, auch die der Arbeitnehmer! Und polemische Forderungen nutzen in der Debatte gar nichts! Bitte einfach mal informieren, ehe man solche Forderungen raushaut.

    Die Szenen von Rummenigge & Co. rund um das Spiel Hoffenheim gegen Bayern ist an Theatralik nicht zu überbieten, wenn man letztes Wochenende im ZDF-Sportstudio den DFB-Präsidenten hört, der Paragrafen zitiert, wonach ein Spielabbruch durch einen Rassismus-Fall (Mannschaft des/der betroffenen Spieler verlässt den Platz) dazu führt, dass das Spiel am Grünen Tisch zu Gunsten der anderen Mannschaft gewertet wird.


    Davon abgesehen ist richtig, dass Hetze und Hass weder in "sozialen" Netzwerken noch in einer Fan-Kurve (beiden "Räumen" ist gemein, dass sie gerne mal als eine Art rechtsfreier Raum interpretiert werden) in irgendeiner Form akzeptiert werden. Aber die gute Nachricht ist, dass mittlerweile die Fähigkeit zur Selbstheilung in den Kurven deutlich gewachsen ist.

    Die Plattenfirma ist das eine, der Vertrieb das andere. Und da mischt bei den Hosen auch Warner Music mit (s. aktuelles Album).


    Darüber hinaus wird Patrick Orth in der FAS folgendermaßen zitiert: Er setze sich vielmehr „für junge, aufstrebende Bands“ ein. Es geht, laut Orth, also nicht primär um die Hosen.


    Dass bei den Künstlern selbst am Ende der Streaming-Verwertungskette nur ein Bruchteil hängen bleibt, ist ja bekannt. Gleichzeitig erleben die vier großen Labels wieder eine kleine Renaissance dank Streaming. Klar, dass die Künstler da nicht mehr länger zusehen wollen. Viele Verträge beruhen eben noch auf den Gegebenheiten des physischen Tonträgers, als die Plattenfirmen Geld für Pressung und Auslieferung geltend machten. Wenn sich so viele erfolgreiche Künstler zusammenschließen ist sicher nicht auszuschließen, dass sich Warner & Co. trotz bestehender Verträge bewegen werden. Ob gerechtfertigt oder nicht, kann jeder für sich entscheiden.

    Gestern mal wieder im Auto gehört, bei Nebel - mal wieder voll reingefahren.

    Und wie das manchmal so ist mit Songs, die man schon ewig hört, ist plötzlich eine Textzeile hängengeblieben, die sich vorher nicht verfangen hat:


    Unsre Unschuld war nicht das Einzige,
    was unterwegs verloren ging.


    Hat jemand von euch mal gehört/gelesen, was die Hosen mit "nicht das Einzige" konkret meinen?

    Mal ganz abgesehen davon, dass es unsinnig wäre, zu leugnen, dass man sich nicht verändert hätte durch den stetig wachsenden Erfolg, fände ich es schon sehr spannend welche konkrete Veränderungen sie in dem Song "eingestehen".

    Mich stört vor allem diese Schunkelstimmung durch das Mitklatschen des Publikums. Das macht aus einem Soundtrack für den Straßenkampf ein Stück Volksmusik für irgendeine Florian Silbereisen Show. Der Song ist für unplugged einfach ungeeignet. Auch nicht als Reprise oder Abgesang. Das klingt ja wie eine Kapitulation vor dem was man bekämpft.

    Ich sehe es eher als angemessene Rückschau. "Liebeslied" ist lange her. Es hat für mich eine melancholische Sicht zurück, die alten Säcke erzählen, wie das damals so war, als es auch bei ihnen noch wild zuging. Ab und zu blitzt dabei noch die Angriffslust von damals auf, aber natürlich ist alles einige Oktaven "lahmer" geworden. Damit finde ich die Übersetzung des Originals verdammt gut gelungen.


    Den Gedanken der "Kapitulation" kann ich also von daher nicht nachvollziehen, als dass die Hosen ja längst nicht mehr die sind, die damals auf der Straße standen. Es wäre vielleicht eine gewesen, hätte man das Stück relativ früh nach Ersterscheinung genau so interpretiert. Da finde ich im Vergleich die "Stadion-Version" mit dem Mitgröhl-Intro viel eher als einen "Verrat" an dem Lied.

    Bzgl. deiner Flops: Interessant, dass du "Liebeslied" gewählt hast - ich finde das großartig. Natürlich hat es nicht mehr im Ansatz die Kraft des Originals, dafür aber einen wunderbar nostalgischen Blick zurück. Aber so ist das mit den Geschmäckern... "Politische Lieder" und "Alex" hingegen finde ich auch maximal nervig.


    Bei den Tops rangiert "Schwere (-los)" noch immer auf Platz 1. Was ein Lied!