Beiträge von Wehende Bayernfahnen

    Guter Punkt das mit Kuba. Genau aufgrund der Selektivität schrieb ich auch, dass die Hosen sich dann gut überlegen sollten, wie viel ihnen das wert ist. Da habe ich mir ganz bewusst eine eigene Präferenz gespart, weil es in einer solchen Frage kein richtig oder falsch gibt. Die Shows der Stones dürften sich in den letzten dreißig Jahren (korrigiert mich, wenn ich falsch liege) was die Art der Performance angeht, kaum verändert haben. Da ist schon lange alles irgendwie durchkoordiniert. Bei den Hosen merkt man schon, dass im Laufe der Jahrzehnte Live die Spontanität immer weiter abgenommen hat, zumindest bei den regulären Tour-Konzerten. Ist ja auch in Ordnung. Aber wenn man den Status quo mit der Art der jetzt leider abgesagten Tour als Ausblick betrachtet, wo es mit der Band in Zukunft hingehen wird, weiß ich nicht, ob das dann auf Dauer denselben Spirit transportiert wie die frühreren Shows. Da ist jetzt natürlich viel Spekulation dabei, allerdings glaube ich schon, dass die Shows der Hosen ihnen körperlich viel mehr abverlangen als die der Stones, gerade was Campinos Geschrei angeht. Wenn man das irgendwann nicht mehr gewährleisten kann, muss man eben abwägen, ob man dann "anders" weiter macht oder es eben ganz bleiben lässt, weil an es so und nur so durchziehen möchte.
    Bezüglich des Songwritings bin ich, was meine persönliche Meinung angeht, aber ganz bei dir. Lieber mal länger nix und wenn dann was kommt dafür etwas ausgereiftes, nach Möglichkeit ohne fremde Hilfe bzw. mit einem Großteil eigener Songs und ansonsten vielleicht 1-3 Ausnahmen.

    Warum sollten Leute nicht mit 70 noch relevante Aussagen in Musik gießen können? Mag sein dass vieles schon gesagt wurde, dass die Wut, die Energie der Jugend weg ist, dass Leute sich über die Jahre mit Dingen arrangieren die sie eigentlich zum kotzen finden. Aber hey, zumindest finde ich dass Metallica und Maiden nun schon mal in ihren 50er und zum Teil 60er Lebensjahren musikalisch sehr geile Alben gemacht haben. Das ist doch schon mal ein Beispiel dafür dass auch geniales "Spätwerk" existieren kann und man durchaus nochmal weitere 10 Jahre relevant sein kann.

    [edit] da fällt mir auch noch der grandiose Iggy Pop ein, dessen zwei letzten Alben sind m.e. auch auf ziemlich hohem Niveau.[/edit]

    Deep Purple würde ich hingegen als Negativ-Beispiel sehen, deren späte Alben find ich mau.

    Go Hosen!

    Ich sagte zu keinem Zeitpunkt, dass man es mit über 70 nicht mehr kann, sondern lediglich, dass es die Stones in meinen Augen nicht mehr tun. Deswegen habe ich ja überhaupt erst die Kategorie aufgemacht, dass es einen Unterschied gibt, ob man mit 70 noch auf der Bühne steht oder noch relevante Songs veröffentlicht.

    Gegenwind der Zeit.


    Der Übersong für mich für die Ära Laune der Natur. Warum das nur eine B-Seite ist, verstehe ich absolut nie und nimmer.

    Inhaltlich sicher ein relevanter Song, musikalisch geht der auf die Fresse, aber textlich ist das teilweise schon sehr holprig. Stichwort "Schwarzköpfe" oder "kleiner, breiter Patriot."

    Auch wenn ich den Song sehr mag und er live gerne öfter gespielt werden dürfte, kann ich schon verstehen, warum man den nicht aufs Album gepackt hat.


    Wie immer fast zu 100% deiner Meinung! ^^
    Würde "Bayern" auch "Schön sein" vorziehen, allein schon, weil der das Unsterblichkeitsthema noch etwas mehr in den Fokus rückt - "Ganz egal, wie hart mein Schicksal wär' etc.", aber auch davon ab finde ich den einfach einen Ticken besser. Allerdings käme mir der Track dann zu früh auf dem Album. Könnte man dann in der Running Order eventuell mit "Helden und Diebe" tauschen...


    Das "Container-Lied" als Closer zu nehmen empfinde ich sogar als ziemlich geniale Idee, an den Anfang kann für mich aber einfach nichts anderes als "Entschuldigung, es tut uns Leid" - ob mit Intro oder ohne... Ich glaube, so witzig waren sie danach nur noch einmal, mit "Kanzler sein" :/

    Die Stones sind aber im Gegensatz zu den Hosen nur noch eine Gelddruckmaschine, die länger braucht, um einen neuen Song zu schreiben, als andere Bands für ein ganzes Album. Sollten die Hosen bis ins hohe Alter noch relevante Songs zu Papier bringen, dann sollen sie gerne weiter machen, bis sie der Schnitter holt. Aber wenn sie irgendwann nur noch als ihre eigene Tribute-Band auf Tour gehen, sollten sie vorher genau abwägen, ob es ihnen das wert ist.

    Gibt's da ne Story zu?

    Hier im Forum hat mal jemand davon erzählt, zufällig in Gießen einem Punk nachgelaufen zu sein, weil er gehört hatte, dass die Hosen in der Stadt sein sollen und besagter Punk lief dann tatsächlich zu dieser WG. Ich war zwar nicht in Gießen zu dem Zeitpunkt, aber da die Hosen bei der darauffolgenden Tour einen MMG in meiner Stadt gespielt haben und ich es vorher nicht wusste, das ganze aber in einem Club war, in dem ich mir den Tresen schon das eine oder andere Mal von unten angeschaut habe, war das besonders bitter. Also zum einen bin ich neidisch auf den geilen Gig in Gießen, andererseits darauf, nicht gleichermaßen das Glück gehabt zu haben, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

    Hier sei jedem, der Breaking Bad mochte, die Serie "Better Call Saul" ans Herz gelegt. Und allen, die Breaking Bad nicht mochten, ebenfalls, denn das Prequel ist langsamer erzählt, lässt sich mehr Zeit für die Entwicklung und das Ausleuchten der unterschiedlichen Charaktere. Außerdem ist der Spagat zwischen zwei Welten, dem rechtstaatlichen System auf der einen und den kruden Machenschaften der Drogenbosse auf der anderen Seite, sehr gelungen. Die Serie schafft es, dass von beiden Welten eine bedrohliche Atmosphäre der Ausweglosigkeit erzeugt wird. Und Rhea Seehorn als Kim Wexler ist einfach nur großartig!
    Derzeit (und das schon seit mittlerweile 5 Staffeln) meine absolute Lieblingsserie.

    Jup, finde ich auch ein bisschen vermessen. Es ist vielleicht nicht das Thema, zu dem ich ausgerechnet von Campino ein Buch haben muss, bzw. nicht das Thema, das ich auswählen würde, wenn ich mir von Campino ein Buch wünschen dürfte, aber "niemanden" ist ganz sicher ziemlich weit an der Realität vorbei.


    Edit: Da könnte man sich über Thees Uhlmanns letztes Buch genau so äußern und es wäre inhaltlich genau so falsch.

    Klar ist die Gewalt der Hosen eine andere Dimension, das streite ich auch gar nicht ab. Wobei ich allerdings zumindest anzweifeln möchte, ob die immer nur reaktiv war, zumindest die Schlägerei von Campino mit Béla und Sahnie ging nach den mir bekannten Quellen eher vom Düsseldorfer aus. In den Jubiläumsinterviews zu UFF spricht Kuddel auch von einer Keilerei, die er verpasst hat, weil er mit einer Frau getanzt hat, in der er sich ein wenig verguckt hatte. Da klang auch mehr Bedauern als Erleichterung durch, dass er nicht dabei gewesen ist. Das sind jetzt nur zwei einzelne Fallbeispiele und wie gesagt, nicht gleich zu setzen mit dem, was die Onkelz gemacht haben, aber vor 35-40 Jahren waren die Hosen sicherlich nicht die, die immer nur aus Notwehr gehandelt haben. Die waren schon regelmäßig dort anzutreffen, wo es zur Sache ging. Ist wie gesagt Jahrzehnte her, ebenso wie bei den Onkelz, wobei es bei denen vielleicht länger gedauert hat oder in Einzelfällen noch länger bis in die 90er hinein vorgekommen ist, aber nicht umsonst gibt es den Begriff der Verjährung in der Justiz. Dass eine solche Vergangenheit nicht gerade einen Sympathiebonus einbringt, verstehe ich und ist auch gut so. Nur sollte man Menschen vielleicht nicht zuvorderst anhand dessen beurteilen, was sie vor Dekaden getan haben.


    Und natürlich kannst und sollst du bestimmte Inhalte auch anzweifeln, das ist unerlässlich für einen aufgeklärten Leser. Da hast du dich anfangs wohl tatsächlich einfach nur anders ausgedrückt, als es gemeint war oder ich habe dich missverstanden. Spontan fällt mir die Stelle ein, als Gonzo und Pe sich zum ersten Mal LSD gegönnt haben und komplett drauf durch Frankfurt gelaufen sind. So etwas kann 30, 40 Jahre her sein, daran erinnert man sich bis zu seinem letzten Tag lebhaft. Ob jeder Geschichte eine so einprägsame Erinnerung vorsteht? Daran darf man zweifeln, aber zumindest einiges würde ich letztlich so hinnehmen, allein aus dem Grund, dass ich, wenn ich mir an die eigene Nase packe, bestimmte Episoden meines Lebens immer noch sehr genau vor Augen habe, weil sie sich einfach eingeprägt haben. Das sind dann auch tendenziell eher die Sachen, die in einer Biografie landen würden.

    S-Man: Danke für deine Ausführungen. Die vielen Schlägereien, in die die Onkelz verwickelt waren und die sie auch aktiv suchten, sind nicht weg zu diskutieren. Allerdings sehe ich in dem Buch die Stelle nicht, wo sie sich übermäßig dafür auf die Schultur klopfen würden. Im Gegenteil werden die Exzesse doch auch sehr häufig als die hirnverbrannten Dummheiten hingestellt, die sie nunmal waren. Und was hätte man denn auch machen sollen? Diesen Teil der Bandgeschichte aussparen? Die Drogenexzesse werden ja auch beschrieben und wie ich finde, erkennt man bei beidem, Gewalt und Drogen, einen glaubwürdigen Wandel in der Bewertung dieser Dinge seitens der Band. Gerade auch in dem Kontext, dass vieles erst Spaß war und später Ernst wurde. Die Typen hinter den Geschichten muss man nicht gut finden, sollte sie aber im richtigen Kontext einordnen. Was ich auf keinen Fall tun möchte, ist Gewalt irgendwie zu relativieren, allerdings ist es doch immer wieder auffallend, dass diese den Onkelz häufig zum Vorwurf gemacht wird, dass Campino aber ebenfalls nicht gerade zimperlich mit Störenfrieden, auch unter den eigenen Fans, umging scheint viele dann nicht so sehr zu stören. Soll keine Entschuldigung sein, nur wenn man konsequent ist, sollte man bei allen Menschen denselben Maßstab anlegen, egal wie gut einem die Musik gefällt oder wie sympathisch einem die Person ansonsten ist.


    Zum Thema Glaubwürdigkeit der Biografie als Quelle:

    Ein zentraler Teil der Arbeit eines Biografen ist es, mit denjenigen zu kommunizieren, über die er schreibt, ebenso wie mit deren Angehörigen, Wegbegleitern etc. Die Gefühle und Empfindungen werden ihm so mitgeteilt worden sein. Im Sinne der Quellenkritik darf und muss man sich natürlich trotzdem fragen, wie gut sich jede/r Einzelne an Dinge erinnern kann, die teils 20 Jahre zurück liegen, aber die beschriebenen Vorkommnisse einzig aufgrund dessen in Frage zu stellen, weil der Verfasser nicht überall dabei gewesen sein kann, halte ich dann doch für etwas übers Ziel hinaus geschossen.