Beiträge von Pilsator2

    Aber trotzdem könnte man in Sachsen Anhalt diesbezüglich mal unbequem durch den Tisch treten und nicht eine Woflfühlparty dort veranstalten.


    Das hoffe ich auch, aber es wird wohl bei Europa bleiben, was auch ok und wichtig ist.


    Hat jemand Erfahrungen mit dem Parken in Gräfenhainichen selbst? 2013 war die Abreise vom Parkplatz nämlich eine Katastrophe. Manche sind erst um 4 Uhr morgens da weggekommen. Mit dem Shuttlebus könnte man dann entspannt vom Bahnhof aus zum Gelände und zurück fahren.

    Vielen Dank mein Lieber. :)
    Egal wie traurig das alles ist: Es hat mal wieder richtig gut tan, nicht nur auf Konzerten "Nazis raus" etc. zu rufen, sondern tatsächlich dahin zu gehen, "wo es weh tut", um es mit Monchi zu sagen. Auch wenn das gestern auch für meine Gruppe und mich ins Auge hätte gehen können.
    Mich würde ja mal interessieren, wie viel von den "Nazis rauf"-Rufern bei FSF oder DTH auf solche Demos gehen. Ich fürchte, nur ein Bruchteil.

    Ich bin wirklich sprachlos über den Pöbel und die Prozesse, die nun in Gang gekommen sind.
    Es bleibt zu Hoffen, dass es im Laufe der Woche wieder abflaut, aber was dann?



    Wie und was hast Du gestern in Chemnitz erlebt?


    Ich habe den größten Nazi-Mob erlebt, der mit absolut gar nichts vergleichbar ist, was ich bisher auf westdeutschen Demos erlebt habe. Manche sprechen von 5000, andere gar von 8000 Nazis, die da durch Chemnitz zogen. Dabei ca. 300-500 (grobe Schätzung) Polizisten und rund 1800 linke Gegendemonstranten. Dabei begann der Nachmittag ganz anders. Der Zug aus Leipzig war prall gefühlt, die Bundestagsabgeordnete Monika Lazar (Grüne) war mit an Bord und als die ca. 300 Leipziger am Hbf in Chemnitz ankamen und den seitlich vereinzelt stehenden Nazis mit IB- und Thor-Steiner-Emblemen "Alerta antifascista" entgegenriefen, schien es noch, als seien die Gegendemonstranten deutlich in der Überzahl. Die Gegendemo versammelte sich dann im Stadthallenpark und füllte den Platz deutlich - gegenüber am Karl-Marx-Monument formierte sich das Volk - oder das, was sich dafür hält. Das waren zu dem Zeitpunkt (ca. 18 Uhr) wenige Hundert Nazis, die das Marx-Monument mit schwarz-weiß-roten Bannern bestückten. Was für eine Schändung.
    Die Stimmung auf der Gegenseite war gelöst, man rief Parolen wie "Kanibalismus gehört zu unsern Riten. Esst mehr Antisemiten" oder "Wir ham Spaß und ihr habt nur Deutschland". Doch mit der Zeit füllte sich der Platz der Nazi-Demo immer mehr. Es erschien ein Trauerflor mit vielen Deutschland-Fahnen und einem großen Gedenkkranz, mit dem die Faschos den Mord des am Sonntagmorgen verstorbenen 35-Jährigen Deutsch-Kubaners (laut Zeit-Recherche übrigens Punkrock-Fan und AfD-Hasser) instrumentalisierten. Bis 20 Uhr wurden es dann immer mehr - die Präsenz war schon beängstigend. Es kam alles zusammen, was man sonst nur aus Dokus kennt: Zahllose Banner des "Dritten Wegs", der Partei "Die Rechte", Fake-CDU-Plakate, aber sogar vereinzelt auch Hitler-Grüße. Wie die Polizei in diesen Fällen agiert hat, kann ich von meiner Position aus nicht sagen. Angeblich waren auch Tommy Frenck & Friends ("Rock gegen Überfremdung" aus Themar, Südthüringen) da, was ich aber nicht bestätigen kann. Insgesamt auf jeden Fall ein deutliches Gewaltpotenzial auf rechter Seite, wie ich es bei Pegida nicht erlebt habe. Das sind überwiegend verstrahlte, ältere Rassisten, deren Militanzgrad ich bei den zwei Demos, die ich in Dresden verfolgt habe, als sehr gering einschätze. Ganz anders gestern in Chemnitz.
    Gegen 20 Uhr wurde es dann schnell unübersichtlich, als sich die riesige Fascho-Ansammlung dann in Bewegung setzte. Es flogen von beiden Seiten Böller, einer explodiert fünf Meter neben uns. Die Stimmung kippte von einer auf die andere Sekunde und die ausgelassene Hippie-Stimmung auf der Gegendemo war plötzlich wie weggefegt. Einige nicht ganz so hippiesk anmutende Gegendemonstranten vermummten sich und waren plötzlich verschwunden. Wahrscheinlich, um den Fascho-Zug dezentral anzugreifen.
    Die Übermacht der Gegenseite war so heftig, dass sich der Anmelder von Chemnitz Nazifrei entschied, den geplanten kleineren Demomarsch abzusagen, stattdessen eine kleine Kundgebung im Stadthallenpark abzuhalten und danach den Abtransport der Gegendemonstranten Richtung Hauptbahnhof mit der Polizei zu organisieren.
    Nach Absprache zwischen Anmelder und Polizei sollte uns um 21 Uhr eine Eskorte zum Hbf bringen. Da die Polizei jedoch personell massiv in der Unterzahl war, konnten die erst einmal keine Kräfte abstellen. Um den Zug um 21.31 Uhr nach Leipzig nicht zu verpassen, machten sich dann mehrere kleine Gruppen auf eigene Faust auf den Weg, was angesichts der fehlenden Polizei, der Dunkelheit, der fehlenden Ortskenntnis und den herummarodierenden Nazi-Horden eine ganz dumme Idee war. Nach zwei Minuten kamen wir an eine Kreuzung, auf der zwar ein paar behelmte Polizisten standen, die uns aber nicht schützen konnten, weil aus zwei Richtungen gleichzeitig Nazi-Gruppen auf uns zurannten. Unsere Gruppe war völlig in Panik, rannte wirr umher, es flogen Bölller in unsere Richtung. Der Teil des Mobs, der direkt an uns herankam, beließ es zum Glück nur bei dummen Parolen - wir waren in der Situation zahlenmäßig trotz allem noch in der Überzahl. Erst nach ein paar Minuten formierte man sich dann in mehreren Ketten und konnte kompakt und unaufgeregt den Weg Richtung Hbf antreten, mittlerweile waren genug Polizeikräfte da, um uns zum Hbf zu eskortieren. Sicher haben wir uns bei Weitem nicht gefühlt, weil von der Seite immer wieder Böller flogen und die Nazis an der Seite vereinzelt mitliefen. Man musste tierisch aufpassen, was die machen, um möglichen Böller- oder gar Steinewürfen (habe ich zum Glück nicht erlebt) ausweichen zu können. Am Hbf angekommen wartete nicht nur der Zug auf Leipzig auf uns - natürlich standen am anderen Bahnsteig wieder wild gestikulierende Mob-Vertreter da, die in der Situation zum Glück nichts mehr werfen konnten.
    Auf der Rückfahrt hielten wir dann an jeder Haltestelle die Zugtüren zu, um zu verhindern, dass die gut vernetzten Nazi-Horden in der Prärie zwischen Chemnitz und Leipzig in unseren Zug eindringen konnten. Zum Glück passierte nichts dieser Art. Das klingt sicherlich arg nach Paranoia - nach den Erlebnissen des gestrigen Abends waren wir aber auf alles gefasst. Ansonsten lief die Zugfahrt ruhig ab.


    Was bleibt, sind drei Erkenntnisse:
    - Pogromstimmung auch am Tag 2 nach dem Mord in Chemnitz: Der dreckige Nazi-Mob hat sich in voller Überzahl formiert und zieht heute weiter nach Dresden. In Lichtenhagen brannten an Tag 3 Flüchtlingsheime. Was wohl heute in Dresden passieren wird? Für 15 Uhr hat die AfD eine Demo vor dem Sächsischen Landtag angemeldet.


    - Unfassbares Versagen des sächsischen Innenministeriums: Nachdem am ersten Tag marodierende Nazi-Horden Jagd auf Flüchtlinge machen konnten, hat man in Sachsen nichts dazu gelernt und keine weiteren Einsatzkräfte geschickt. Es waren mindestens zwei Wasser-Werfer vor Ort, aber nur ausschließlich sächsische Polizeikräfte. Warum hat man trotz 24h Vorbereitungszeit keine Unterstützung aus den angrenzenden Bundesländern angefordert? Warum hat man die Lage so verkannt, obwohl klar war, welche militanten Gruppen da moblisieren? Warum kommen zu jeder Antifa-Demo BFE en Masse und zahlreiche Hundertschaften, die die Demonstranten schikanieren, festsetzen oder gar einkesseln - und zum Fascho-Mob in Chemnitz nur 3-500 Polizisten? Ich mache den beteiligten Polizeikräften vor Ort keinen Vorwurf. Die waren bis auf wenige Einzelfälle entspannt, sogar freundlich und können nichts für die Fehleinschätzung ihres Innenministers Wöller, der am Nachmittag noch eine PK in der Polizeidirektion Chemnitz gegeben hat.


    - Michael Kretschmer zittert. Nachdem er seinen Bundestagswahlkreis an die AfD verloren hat, muss die Angst vor der AfD bei der Landtagswahl im September 2019 gigantisch sein. Er stellt sich nicht dem Live-Interview der Tagesthemen, sondern sondert über seinen PR-Stab weltfremde Tweets zum "Bürgerdialog" in Chemnitz ab. Bei der Frontal21-Nummer stellt er sich ohne die Klärung der Fakten abzuwarten vor die Polizei und diskreditiert ZDF-Journalisten mit seiner Äußerung indirekt als unseriös.


    Also alles mal wieder Sachsen? Elitäres Sachsenbashing aus den "safe spaces" in Köln-Ehrenfeld, Berlin-Friedrichshain oder ironischerweise sogar Leipzig-Connewitz ist doch eindimensional, unfair den hiesigen Antifaschisten gegenüber und wird der Ursache des Problems nicht gerecht (z.B. Rückzug demokratischer Parteien in der Provinz, Unterrepräsentation ostdeutscher Eliten bei Führungskräften auf Bundesebene, ein soziales, wirtschaftliches wie kulturelles Gefühl des "Abgehängt-Seins"). Dachte ich. Doch dieses Bundesland hat verdammt noch mal ein riesiges Problem mit einem Rechtsextremismus, der von großen Teilen der Zivilgesellschaft gestützt wird. Deutschland 2018.


    EDIT: Hier noch eine sehr gute Zeit-Online-Reportage, die das Ganze sprachlich schöner beschreibt.

    Wie schon in Hamburg gab es den BZ-Fotos nach zu urteilen auch in Freiburg (wo ich nicht war) wieder eine Pyro-Aktion mit diesen bunten Rauch-Böllern, die sich die Fahnenschwenker an die andere Seite der Holzstange binden und dann bei "Laune der Natur" abfackeln. Hat man sich wohl bei FSF abgeschaut.


    Dabei drängt sich für mich eine Frage auf:


    WAS SOLL DAS?


    Macht das die Stimmung auch nur ein µ besser?


    Die Wannsee-Aktion mag ja noch halbwegs lustig sein, aber wenn ich durch diese sinnlose Selbstdarstellerei nicht mehr frei atmen kann, sondern mein T-Shirt hochziehen muss, kotzt mich das massiv an. Viel schlimmer ist das natürlich bei FSF-OpenAir-Konzerten, aber auch bei den Hosen muss das nicht sein. Daumen runter für diese Aktion.


    EDIT: Hier mal ein Bild der Aktion. Quelle: http://www.badische-zeitung.de…r-toten-hosen-in-freiburg

    Natürlich kommen da noch mehr Termine, ganz ruhig. Auf keinen Fall jetzt schon für nur ein Konzert buchen. Ich schaffe es leider wieder nicht, wünsche aber allen Beteiligten ganz viel Spaß!

    FoS ist auf ein jeden Fall ein Grund, dort nicht hinzufahren. Es sei denn, es gibt wie bei Rock im Pott wieder 1. FOS-Tickets für rund 40€ bei eBay (VVK damals rund 90€). Aber im normalen Vorverkauf no way.


    Interessant ist der Termin natürlich in puncto Tourplan. Wird dieser Gig der letzte vor einer (denkbaren) längeren Pause sein? Vermutlich nicht. Stehen da Weihnachtskonzerte im ISS-Dome an, deren VVK nach den Oktober-Gigs starten könnte? Fragen über Fragen.

    Natürlich waren Aktion und Posting spontan. Ich könnte mir aber vorstellen, dass sich der Betreiber am Tag drauf über den Veranstalter bei JKP beschwert und man danach gemeinsam überlegt hat, wie man das nun medial nutzen könnte. Patrick Orth ist Medienprofi. Der weiß wie der Hase läuft.


    Und wenn es nicht so war, dann haben beide Seiten jedenfalls trotzdem einen maximalen PR-Effekt erzielt.

    Beim Hosen-Konzert in Dresden habe ich wen mit einem TG-Shirt mit dem Aufdruck "Opa Halts Maul" und Obernazi Gauland drauf gesehen. Wo kriege ich das her? Im Krasserstoff-Shop habe ich das leider nicht gefunden.

    Auch wenn ich mich damit bei den Beteiligten dieser Aktionen, die hier auch im Stillen mitlesen, unbeliebt mache, so muss ich sagen, dass ich diese Aktionen in erster Linie als Selbstdarstellerei empfinde: Man will der Band zeigen, dass "Vorne links" auch wieder dabei ist und man ihnen bis zum bitteren Ende folgt. Prinzipiell ist das auch ok, nur halte ich dieses Aufgehen im Kollektiv, was bei Hosen-Fans wegen des starken Gemeinschaftsgedankens der Band ohnehin deutlich ausgeprägt ist, für gefährlich, weil die Vielfahrerei dann häufig zum Selbstzweck wird. Ich mache das in erster Linie für mich alleine, weil ich Bock drauf habe, diese Band möglichst oft möglichst nah zu erleben. Mit echten Freunden macht es natürlich mehr Spaß als alleine, aber wenn die besagten Freunde eben nicht können, ist es mir lieber, Fahrt und Konzert alleine als im oberflächlichen Kollektiv zu erleben.