Beiträge von Conse

    Da werden wir uns ganz sicher nicht einig, ne.

    Der Ökoteil kann aber definitiv woanders diskutiert werden.


    Der richtige Burner an dem, was da morgen beschlossen werden soll ist noch mal was ganz anderes.


    Seit Wochen wird gepredigt, wie alternativlos die Maßnahmen seien. Dass Menschen, die andere Menschen treffen, verantwortungslos wären. Dass es keine Alternative gäbe, als Menschen möglichst wegzusperren, Milliarden zu verbrennen und so weiter. All das ist absolut notwendig, ohne Alternative, alles andere wäre verantwortungslos.


    Dass gut ventilierte Außengastronomie schon mal gar nicht geht und Zusammenkünfte zuhause aber bitte auch nicht. Außer natürlich es ist Weihnachten. Da ist das auf einmal was ganz anderes, das wäre ja unvermittelbar und gemein den Menschen gegenüber, da schmeißen die liebe Mutti und Papa Söder doch mal einen Bonbon hin. Danach dürfte es dann nach aktuellem Szenario in den Lockdown bis Mai gehen.


    Oder geht dann vielleicht Ostern auch noch mal was?

    Auch ein Konzert macht nix, außer temporär Freude spenden...

    Sachen die Sinnhaftigkeit absprechen, weil Sie einem selber nicht gefallen, ist ein uralter Hut.


    Und zwischen den bekloppten Böllerorgien in einigen Innenstädten und dem Rest gibt es wohl auch noch ein paar Zwischenstufen...


    Übrigens: Wie viele von euch machen dann eigentlich "Brot statt der nächsten Toten Hosen Tour"? ;)

    Ach ja, alle Jahre wieder wird das Silvesterfeuerwerk zum Prügelknaben der regulierungswütigen Bevölkerung. Und wie jedes Jahr kriege ich Lust, in gleichem Tonfall ein Hundeverbot zu fordern, weil Ökobilanz und Unfallsbilanz einfach dafür sprechen, dass es sinnlos, verschwenderisch und gefährlich ist, Hunde zu halten. Ein zentraler Hund pro Bezirk sollte doch ausreichen. Höhö. Natürlich würde ich so einen Unsinn niemals fordern, es verdeutlicht aber wunderbar, wie solche Argumente aufgebaut sind.


    Dieses Jahr kann man also nun auch noch Corona vorschieben, um es in die ohnehin alljährliche Debatte mit hineinzupressen, Corona war dem Deutschen ja bislang ein noch besserer Steigbügelhalter zum Verbieten als es jede andere Bedrohung bislang war...


    Dabei ist es alleine schon ermüdend, dass permanent nur von "Böllern" und "böllern" die Rede ist - als ob jeder, der Feuerwerk zündet, stundenlang stumpf reine Knallkörper durch die Gegend schmeißen würde...


    Mal abgesehen davon, dass der Großteil dessen, was an Silvester schief geht eine Folge von Alkohol (bitte verbieten) und den sozialen Dynamiken in entsprechenden Innenstadtsbezirken (bitte verbieten) ist,


    Mit einem in Deutschland verkauften "Böller" kannst du dir so ohne weiteres nicht mal eben die Gliedmaßen wegsprengen... Klar, Verletzungen sind möglich und passieren - der Großteil dessen, was da an Silvester besonders schief geht, passiert aber in erster Linie durch ohnehin verbotene Gegenstände. Die sind schon verboten (und übrigens auch schon im Land, eine regulierte Grenze während Coronazeiten bringt da nix). Auch insbesondere der Einsatz von technischer Munition für Schreckschusswaffen, die in der Öffentlichkeit auch nicht zum rumballern freigegeben sind, stellt ein viel größeres Problem dar, als legal verkauftes Feuerwerk.


    Gegen solche Strukturen vorzugehen, wäre, wie auch ohne Corona, das Gebot der Stunde. Stattdessen sollen wieder Mal durch ein Verbot die bestraft werden, die friedlich mit ihren Kindern ein paar Raketen abschießen, oder zwei, drei Batterien anzünden - um ein Jahr zu verabschieden, das für sehr viele Menschen sehr, sehr beschissen gelaufen ist...


    Und wenn die Menschen sich nicht in großen Partys drinnen aufhalten sollen, ist es vielleicht gar nicht so schlecht, wenn sie vereinzelt auf der Straße an der Luft stehen, und ein bisschen Freude haben...


    Ich selbst hoffe, wie jedes Jahr ein geplantes, koordiniertes und sicheres Feuerwerk mit Sicherheitsabstand abbrennen zu dürfen, in das ich bereits eine Menge Zeit investiert habe. Das wird übrigens weniger CO2 emittieren, als manch einer von euch auf einer einzigen Konzertreise nur für die Anreise verpulvert.

    Aber in einem Jahr wie diesem, in einem Land, dass Kindern allen ernstes eine "Ein-Freund Politik" per Verordnung vorschreiben möchte und unsere Kanzlerette von Gottes Gnaden zum wiederholten Male sauer ist, wenn Länderchefs noch zumindest die Reste der temporären demokratsichen Grundordnung bewahren, wundert es mich mit Sicherheit nicht, wenn es doch anders kommt...

    Dann aber bitte auch private Hunde verbieten, Rockkonzerte sowieso. Oder: Wie wäre es denn einfach mal mit der Durchsetzung geltenden Rechtes? Das wäre auch im Zug von Corona eine feine Sache. Jedes Mal, wenn es mich nach Kreuzberg, Neukölln oder ein paar dieser anderen Spaßbezirke (die lustigerweise oft Grün regiert sind) verschlägt, kann ich mir selbst als weitgehender Gegner einiger Coronamaßnahmen nur an den Kopf packen, was dort los ist - dank "Lockdown Light" jetzt halt vor den Bars anstatt darin. Jeden einzelnen Tag - nicht an Silvester. Hätte man seit Monaten was machen können. Will man aber nicht. Man will dort ja nicht mal gegen penetrante Drogendealer, die Kinder belästigen vorgehen...


    Vom Schlafen der gesamten Politik über die Sommermonate, obwohl bekannt war, dass irgendeine Form von 2. Welle zu erwarten ist, braucht man gar nicht erst anzufangen.


    Und so werden am Ende unter dem Credo "Das ist doch das einzig Vernünftige" halt weiterhin die bestraft, die sich vorbereitet haben (Gastronomie, Kultur) und die sich verantwortungsvoll verhalten, während marodierende Arschlöcher weiterhin unbehelligt ihr Dasein fristen dürfen. Und dafür gibts dann noch reihenweise Beifall.

    Das war jetzt nicht ausdrücklich an dich gerichtet oder so, auch wenn wir das glaube ich wirklich mal kurz als Thema hatten.


    Vermutlich hat es mich etwas in den Fingern gejuckt, weil die breitgetretene Freude in den sozialen Medien über die US Wahl etwas übertrieben ist und ich mich im allgemeinen an dieses Phänomen erinnert habe.


    Aber vielleicht mal was zum den Songs:


    Ich finde sie eher langweilig. Thematisch sicherlich spannend, aber musikalisch ist SOAD für mich einfach drüber...

    Das habe ich mich bei anderen Bands auch schon gefragt, wenn das als Argument kam.


    Es hieß in den letzten Jahren teils hier, teils anderswo, dass bestimmte Bands gar nicht gingen, weil sie Trump Fans beinhalteten.


    Daher die kleine Spitze... ;)

    Unterm Strich auf jeden Fall solide und erheblich besser, als ich erwartet hätte. Ich hab aber ursprünglich auch nicht viel erwartet. Irgendwann um die Ärztivals 2013 rum habe ich meinen Frieden mit DÄ gemacht und erwarte nicht mehr all zu viel, außer gut unterhalten zu werden. Das klappt hier auch ganz gut und wie ich ernsthaft mal "Fan" von einer Band wie dieser sein konnte, weiß ich eh nicht mehr so genau.


    Zum Sound des Albums: Gefällt mir nicht so ganz. Insbesondere dieses totkomprimierte Schuhkarton Schlagzeug, bei dem man Becken und Hi Hat im Hintergrund erahnen darf geht gar nicht...


    Intro: Mal abgesehen davon, dass ich deswegen nachlesen musste, was zum Teufel "Trap" ist, sind Intros meistens unnötig, weil sie beim wiederholten Hören nur noch nerven. Das hier nervt immerhin schon beim ersten Mal.


    Plan B: Fing nach zwei, drei Durchläufen an, Spaß zu machen. Solide Spaßnummer, wenn auch nicht überragend.


    Achtung, Bielefeld: Da kommt das ewige Dilemma mit Belas Songs. Irgendwie möchte er wohl scheinbar ein geschickter Gesellschaftsbeobachter sein, aber es fehlt immer so ein wenig der letzte Kick - vor allem musikalisch. Der Song ist okay, wird aber schnell zum Skipkandidaten. Und die Aleppo Zeile finde ich auch schwierig. Ich verstehe zwar auch Menschen nicht, die sich permanent wie beschrieben "beschäftigen" müssen, aber das Aleppo Ding ist in etwa auf der Qualität von "Du weißt schon, dass Kinder in der dritten Welt hungern?" Ja, weiß ich - trotzdem kriege ich von Rosenkohl Würgreiz...


    Warum spricht niemand über Gitarristen: Vielleicht der typischste Ärztesong auf dem Album? Immer wieder bemerkenswert, wie sich Farin solche Trivialitäten aus dem Ärmel schüttet. Gefällt mir jedenfalls ganz gut, Bonuspunkte gibts für die Aussprache der mir so verhassten Beyoncé.


    Morgens Pauken: Kommt in Albumlänge etwas besser, aber mehr als Mittelmaß ist es nicht.


    Das letzte Lied des Sommers: Passt ja so dermaßen in den November.... Ich weiß nicht, wie oft Farin diese Art von Lied schon serviert hat, gefühlt schon ein paar hundert Mal, aber er darf es gerne weitere hundert Mal machen. Mit diesem Ärzte Pop konnte ich mich seit jeher gut anfreunden, die "Eines Tages" Bridge ist schwer wieder aus der Birne zu bekommen.


    Clown aus dem Hospiz: Hoppla, da hat Bela einfach mal so seinen mit Abstand besten Song seit Jahrzehnten rausgehauen.... Hier passt nicht nur endlich mal die Musik, er hat es auch endlich geschafft, das ganze textlich richtig gut umzusetzen. Das beschriebene Dilemma ist sehr real: Eine Vielzahl der von uns geliebten Künstler sind in ihrer Gesamtheit eher tragische Wesen, manchmal unbemerkt, manchmal ignoriert. Ganz, ganz großer Sport!


    Ich, am Strand: Da haut Farin gleich mal eines seiner besten seit langem hinterher. Schon beim ersten Mal hören merkt man, wenn man Farin kennt, dass das Lied früher oder später irgendeine gemeine Wendung nehmen wird. Ohrwurmcharakter, groovy und dann noch der Text dazu. Bemerkenswert vor allem, wie organisch die beschriebenen Bilder sind... Da wird gefühlt wirklich ein Mensch greifbar, was ja Anspruch der Sache war. Mega.


    True Romance: Hab ich mir als Single keine Minute gegeben, im Albumkontext passt es aber eigentlich ganz gut, zumal diese Vernetzung des eigenen Hauses scheinbar wirklich bei einigen solche Schäden hervorruft... Ich kannte mal eine Bartenderin namens Alexis, und die wurde zunehmend von Leuten, die sie schon seit Jahren bedient, Alexa genannt....


    Einmal ein Bier: Nö. Der Song, der dem Totalausfall am nächsten ist... Außer Farins Zeile ist das Ding die Zeit, die es dauert nicht wert...


    Wer verliert, hat schon verloren: Weiß nicht, warum der hier so schlecht wegkommt. Für mich würde der gut als Kritik an der Szene bzw. der Linken passen, aber ich weiß ja, dass er sehr bewusst offen gehalten ist. Dennoch: Musikalisch rockt das und textlich höre ich da erheblich mehr, als eine Durchhalteparole. Alleine schon die Doppeldeutigkeit von "Verlieren war keine Option" im Sinne von man darf nicht verlieren hin zu man hat überhaupt nicht daran gedacht, dass man ja verlieren könnte... Auch das "manchmal waren wir gemein..." spielt gut darauf an, wie das so mit dem gewinnen ist. Finde ich durchaus clever.


    Polyester: Hmmm.... Diese Art von Song schreibt Rod musikalisch auch gern häufiger und meistens geht das irgendwie auch ins Ohr. Am Text haperts häufig - diesmal aber nur ein bisschen. Die Grundidee über Plastik ist eigentlich ziemlich cool. Insofern besser, als vieles, was Rod zuletzt gemacht hatte.


    Fexxo Cigol: Da musste ich mich selbst erstmal kurz erden und daran erinnern, dass es zwar durchaus ein Problem ist, dass eine große Anzahl von Menschen bereit sind, jeden Mist hinzunehmen und zu glauben, alles andere aber sofort als Verschwörungstheorie abzutun, aber eben auch die im Text beschriebene Aluhutfraktion, die bei jedem Sack Reis irgendwas wittert. Bei den Geigen aus dem Alubommel musste ich dann sogar mal richtig lachen... Geil.


    Liebe gegen Rechts: Lange keine Ärzte Banjo Nummer gehabt.... Ist okay, mehr nicht. Was einige Medien in diesen Song allerdings für einen Quatsch reindichten, ist schon interessant...


    Alle auf Brille: Solche oi-Parodien sind immer schwierig, weil sie natürlich mit Absicht schlecht klingen müssen. Noch finde ich das sehr witzig, könnte aber sein, dass ich die Strophen irgendwann nicht mehr ertrage. Auf jeden Fall witzig.


    Thor: Naja. Meins ist es nicht, aber immerhin auch von Farin nochmal eine "Rocknummer", das Album ist ja schon sehr poplastig.


    Leben vor dem Tod: Hier zeigt sich mal wieder, wie schön Farin (im Studio) singen kann. Ich liebe die sanften Nummern von ihm und das hier ist keine Ausnahme. Wäre der perfekte Albenabschluss gewesen.


    Woodburger: Hmmm.... Da muss man schon fast die ganze Aufregung um den Song und den Song selbst gesondert betrachten. Der Song selbst ist einfach zunächst mal ziemlich flach. Es wurde hier ja schon geschrieben, dass Homophobie eigentlich nicht die größte Baustelle bei der AfD ist. Gut, genug merkwürdige Männer laufen trotzdem drin rum und dieser "Schwul" Refrain ist schon irgendwo ganz lustig. Einerseits finde ich den Gag trotzdem etwas flach, andererseits bin ich froh, dass die Ärzte den ganz großen moralischen Zeigefinger diesmal haben stecken lassen. Was die Aufregung drüber angeht sehen wir das Phänomen, was man dieser Tage oft sieht. Einzelpersonen sehen sich als ganzes. Irgendwer findet es nicht witzig, also diskriminiert es gegen Schwule. Andere Schwule finden es lustig? Egal. Dabei ist es doch eigentlich ein gutes Zeichen, dass auch bei solch einem Thema inzwischen eine ganze Spannbreite an Geschmäckern existiert und das Thema somit kein "wir-gegen-die" oder "gut-gegen-böse" ist.


    Unterm Strich bleibt also ein nettes Popalbum, dass mir durchaus Spaß macht. 2-3 Songs weniger wären vielleicht ganz gut gewesen, trotzdem bin ich froh, dass die Ärzte sich noch mal zu einem Popalbum aufgerafft haben. Es ist weder krampfhaft verkopft, noch zwangslustig, noch sonstwas. Und das ist doch schon mal was.

    Wie ist denn die Aleppo Zeile gemeint? Die finde ich zwar jetzt nicht entscheidend für die Qualität des Songs, aber tendenziell auch eher billig und platt? Oder besser gefragt: Wie kann man die anders verstehen?

    Hmmm… Also ich mag' die Idee, dass mit dem Text ein Fotoalbum beschrieben wird, ohne dass das Wort Fotoalbum vorkommt. Man merkt sehr schnell, dass das lyrische Ich in einem Fotoalbum blättert und sich beim betrachten der Fotos an die Umstände der festgehaltenen Bilder erinnert. Allerdings weiß ich nicht ob es sich bei dem lyrischen Ich um Farin Urlaub selbst handelt.10 Semester BWL, arbeitslos, Antrag auf Hartz IV trifft bestimmt nicht auf ihn zu. An anderen Stellen könnte es durchaus seinem eigenen Fotoalbum entnommen sein. Soll das teilweise autobiographisch sein oder blättert da eine fiktive Person im Fotoalbum?

    Farin behauptet ja immer gerne, dass das alles rein fiktiv sei und er selbst in seinen Songs nicht vorkäme - ich tue mich immer noch schwer damit das zu glauben.


    Vorstellen könnte ich mir, dass da der Ansatz ein wenig war: Wie hätte es auch laufen können?


    Vor allem finde ich den Fotoalbumsansatz gut: So viele tolle Momentaufnahmen... so wenig sind sie am Ende "wert", so schmerzhaft können sie in Retrospektive werden.


    Meine Highlights auf dem Album stehen inzwischen fest:

    Ich, am Strand

    Clown aus dem Hospiz

    Alle auf Brille

    Leben vor dem Tod

    Wer verliert, hat schon verloren


    Der Rest ist zwischen mittelprächtig und ganz gut. Ich finde zwar auch, dass 2-3 Lieder weniger auch gelangt hätten, aber m.E. gibts immerhin auch keinen Totalausfall...

    Popalbum stimmt schon, aber ob ich das gut oder schlecht finde, weiß ich noch nicht.


    "Ich, am Strand" ist aber auf jeden Fall sehr, sehr geil...

    Also die neuen Songs will ich noch nicht beurteilen. Bisher gemischte Gefühle.


    Den Sound finde ich aber ziemlich bescheiden...

    Gleich mal vorweg: Wenn ich hier so einen Batzen schreibe, werden sich garantiert irgendwo Fehler, Unklarheiten oder Ungenauigkeiten einschleichen. Bitte im Zweifelsfall also nachfragen, wenn ich irgendwo was zu sehr verknappt habe oder über's Ziel hinausgeschossen bin.


    Tja, womit fange ich an.... Zunächst mal vielleicht damit, dass die Band die ganze Nummer mal wieder ganz schön mit Pathos und Flaggen übertreibt. Dazu neigen die Amerikaner im Allgemeinen und die Band definitiv im speziellen aber ohnehin. Gleichzeitig ist Deutschland bei solchen Geschichten über nationale Mythen und Symbole allerdings nun auch besonders empfindlich und steht damit weltweit eigentlich ziemlich alleine da. Ausgehend von unserem Umgang mit solcher Folklore ist bereits jedes unserer Nachbarländer in der Hinsicht fragwürdig, nationalistisch, rechts, was auch immer. Das sollte man hier also berücksichtigen. Und auch wenn ich mir sicher bin, dass viele Trump Sympathisanten FFDP lieben, ist es keinesfalls eine "Trump Band" und im Februar in der Schmeling Halle ist mir auch kein sichtbar politisches Publikum aufgefallen.


    Was ich in dem Video in jedem Fall sackdämlich finde, ist diese Maskenmetapher bzw. diese Gleichsetzung von Identitätspolitik, Cancel Culture, Shitstorm, echter Gewalt und dem Aufsetzen von Masken und dem Aufstehen gegen die erstgenannten Faktoren, was durch das Absetzen derselben losgelöst wird. Eine eher billige Provokation und vermutlich mit einer Menge Applaus der Covid-Leugner belohnt.


    Was sehen wir sonst so in dem Video? Vielleicht sei hier auf den Kontext des Emmerson Zitates nochmal kurz hingeweisen. Da steht eben nicht: "Amerikanische Straßen im Jahr 2020", da wird schon klar auf einen fiktiven Charakter hingeweisen. Dann sehen wir zunächst mal den Albtraum eines der Gründerväter. Will sagen: Das, was wir im Video sehen, wäre ein Albtraum gewesen für diejenigen, die die mythische Prämisse der Gründung der USA erdacht haben. Und da sehen wir unter anderem folgendes:

    Stumpfe Zombies, die Klopapier horten


    Ein Seitenhieb auf den sinnlosen Superhelden Kult der jetzt nun schon seit Jahren weltweit anhält


    Gleichzeitig auch eine Persiflage der Profilneurose von denen, die sich rund um die Uhr in den sozialen Medien profilieren und die Köpfe einschlagen. In einer Bar schmeißt man die dann halt einfach raus, im Internet geht das nicht. Zunehmend knallt es aber auch physisch, wenn Meinungen aneinander geraten. Nicht unbedingt die mythische Idee des Land of the Free....


    Eine Wohlstandsgesellschaft, die frisst, bis zum kotzen und dann weiterfrisst


    Eine Gesellschaft, die so verblödet, dass Menschen Tide Pods essen, nur weil es ein Internet Trend ist - und anschließend daran sterben


    Ein angestachelter Mob, der (vermeintlich) randalierend das Leben anderer kaputt macht


    Ein bewaffneter Aufstand gegen Unterdrückung, dem Revolutionskrieges eindeutig sehr ähnlich.


    Will sagen: Das Video teilt eigentlich in einige Richtungen aus und da sehen wir auch ein Imperium, dass halt irgendwie aus dem Ruder gelaufen ist. Die (nachträglich) kommunizierte Intention, dass man kritisieren möchte, dass unsere Gesellschaft mit neuen, direkten Kommunikationsformen nicht umgehen kann, ist hier m.E. durchaus erkennbar. Aber eben leider auch nicht gerade unmittelbar deutlich. Ein paar Idioten beim tweeten hätte man hier vlt. auch mal zeigen sollen...


    Das, woran sich viele offenbar sehr zu stören scheinen, ist der Unterton mit Hammer und Sichel, der den Mob durch die Straßen führt und auf die Leute hetzt. Dass der ziemlich überspitzt dargestellt ist, steht natürlich außer Frage. Dass Identitätspolitik, Shitstorm und auch selbsternannte linke Gewalt manchmal aber erschreckend linksfaschistische Züge annehmen, bei denen nicht nur die eigene Weltanschauung mit Gewalt durchgesetzt, sondern auch sehr die Meinungsfreiheit der anderen eingeschränkt werden soll - und der Staat soll es am besten per Gesetz verordnen. In den 1950ern gingen der rechte McCarthyism und Red Scare um, ich bin gespannt, wie das, was wir heute erleben eines Tages genannt werden wird. Um das zu verurteilen, muss man aber beim besten Willen kein Rechter sein. Und: Die Tatsache, dass es solche Gruppen am rechten Rand genau so machen, im Falle der USA auch definitiv zuerst so gemacht haben, ist wahr - aber beim besten Willen keine Rechtfertigung.


    Ach ja:


    Bleibt am Ende noch die Frage, ob das Video rassistisch sei. Dass da am Ende der Aufstand der weißen Männer zu sehen sei, ist jedenfalls falsch. Wir sehen im Video nicht nur eine Menge verschiedener Ethnien sowie auch Männer und Frauen, fast alle Beteiligten sind am Ende auch in der "Revolution" mit dabei. Ganz so einfach ist es also auch da nicht. Die Aufforderung zur Revolution ist also offenbar nur dann erlaubt, wenn es ins eigene Weltbild passt.


    Und der Beißreflex geht ja auch in der Rezension des Videos schon munter los. Five Finger Death Punch, die sprechen halt für die Landbevölkerung.... Dumme Menschen, die alle weiß sind, ihre Flagge und Soldaten lieben und vor allem anderen Angst haben. Wer ernsthaft so denkt, hat nicht nur einiges missverstanden, er ist Teil der Antwort auf die Frage, warum da jetzt Mr. Garrison, äh ich meine natürlich Donald im weißen Hause sitzt. Ich bin beim besten Willen kein Freund von Agent Orange. Aber ist es nicht irgendwie so, dass er durchaus auch seine Unterstützer unter Frauen, Schwarzen und Chicanos hat? Dass Leute aus der gut gepäppelten Wohlstandskaste in D.C., an kalifornischen Universitäten oder im Wallstreetverwöhnten New York hier der Meinung sind, dass sie die Weisheit mit Löffeln gefressen haben und Joe Biden einfach besser weiß, als Minderheiten, die für Trump stimmen?


    Wer im Jahr 2020 die Haltung Links = Gut, Rechts = Böse - oder auch genau andersrum(!!!) - vertritt, ist meiner Meinung nach oft sehr naiv, reichlich indoktriniert oder beschäftigt sich wenig mit Details. Das gilt noch viel mehr für ein Democrats vs. Republicans Weltbild, das die deutsche Presse aber sehr zu lieben scheint und da in Punkto Doppelmoral und selektiven Standards aber gerne auf dem selben Level wie Fox News agiert. Das perfide an der ganzen Geschichte ist, dass es oft vermeintlich mit guten Intentionen geschieht, oder man sich selbst zumindest attestiert, ja auf der richtigen Seite zu stehen. Diese Summe der Good Intentions führt am Ende dann leider schnurstraks in die Hölle.


    They say the road to hell is paved with good intentions

    Why did they never mention, what's real and in between?

    It seems the path we're on was paved with blood and sorrow

    No thought about tomorrow

    Just part of the machine, or so it seems

    Yeah, so it seems
    We're all living the dream


    Und wissenschaftlich sehr gut unterfüttert kann man dieses Phänomen in besagtem Buch von Amy Chua, selbst First-Generation American, Frau und selfmade Ivy-League Professorin, hervorragend nachlesen. Ebenso wie genau diese Art von Denken übrigens auch lange zu einem sehr schadhaften außenpolitischen US Imperialismus geführt hat.


    Ach ja: Eine ganz schön pathosgeschwängerte Polemik ist das Video trotzdem - hab schon erheblich cleverere Sachen in meinem Leben gesehen 8)

    Ich komme da stellenweise zu etwas anderen Schlussfolgerungen. Dass das Video äußerst kritisch gegenüber der sogenannten Linken in den USA ist, stimmt natürlich. Leider ist aber auch nicht alles an dieser Kritik falsch.


    Wenn jemand Lust hat, das ganze ausführlich außerhalb der üblichen Linksgut(Demokraten)-Rechtsböse(Republikaner) zu diskutieren, dann gerne.


    Aber eins vorweg: Der Vorwurf dieses Reiters, dass das ein pro-weißes Landbevölkerungsvideo wäre, stimmt so nicht. Nationalistisch finde ich trotz allem Flaggenpathos ebenfalls etwas konstruiert...


    Was Bücher angeht: Wenn sich jemand mal wirklich mit den Hintergründen der politischen Stimmung in den USA auseinandersetzen möchte, empfehle ich "Political Tribes" von Amy Chua.

    Nicht in meine Nähe, da knallt es heftig, wenn auch nur für 15 Minuten.


    Spaß beiseite, was wäre denn deine Grenze mit Bezug auf Entfernung und Kosten und wie lange soll der Trip gehen? Ich kenne da ein paar wunderbar ruhige, abgelegene Ecken an der dänischen Westküste, wo es glaube ich sehr ruhig um Silvester herum ist.... Das ist aber natürlich nicht unbedingt nah...

    Nach dieser Argumentationsweise darf es nie wieder eine G7 Demo, keinen 1.Mai und ähnliches geben.


    All das...


    "Die letzte Demo dieses "Klientel" hat gezeigt, dass sich die Teilnehmer größtenteils einen Dreck darum scheren, a) mit wem sie da zusammen demonstrieren und b) dass sie durch ihre Handlung andere gefährden. Diese ganzen selbsternannten Opfer sehen doch vor lauter Freiheit die Freiheit gar nicht mehr. Die können ja gerne mal in Belarus oder Venezuela auf die Straße gehen."


    lässt sich ohne Probleme auf Hamburg, auf viele linke Demos und so weiter übertragen (auf rechte Demos natürlich auch).


    In sofern würde ich das hier sofort unterschreiben:


    Zitat


    Für mich ist das ein Eigentor erster Klasse durch die Politik und bewirkt nur das Gegenteil.

    Es suggeriert nicht nur, dass eben bei Demos mit zweierlei Maß gemessen wird, es macht die Querdenker zu Märtyrern (Bild) und liefert ihnen leider das, was sie vorher eben nicht wirklich hatten: zumindest den Teil eines Arguments.

    Nun ist es schon fraglich, ob es legitim ist, auf Grund von Verfehlungen in der Vergangenheit präventiv auf Demos in der Zukunft zu reagieren. Wenn der verblödete Ex-SEDler Geisel dann aber auch noch so clever ist, in seiner Kommunikation hinzuzufügen, dass man bestimmten Ideen oder Ideologien keine Plattform geben möchte, muss er sich über allgemeine Entrüstung nicht wundern.


    Moralisch kann ich so ein Verbot zwar verstehen, strukturell gesehen ist es aber leider fahrlässig wenn nicht sogar höchst undemokratisch.

    Richtig. Aber in der gleichen Stadt, im gleichen Bundesland wäre es vernünftig, diese Regeln halbwegs konsistent aufzustellen.

    Als Einzelperson oder mit Freunden würde ich solche Events wahrnehmen. Habe ich genau genommen auch schon bei Coruvs Corax im Juli und August. So lange sich das auf Mitglieder meines Haushaltes limitiert, bin ich aber raus aus der Nummer, zumal das ohnehin wieder mal sehr oberflächlich gedacht ist. Ich verstehe schon, dass man da gewisse Grenzen ziehen will, aber diese sind mir zu eng und auch nicht zu Ende gedacht.


    In Berlin darf ich legal mit bis zu 5 anderen Personen, Haushalt egal, Familie egal, Abstand egal, in der Gastronomie an einem Tisch sitzen. Drinnen. Mit ihnen oder nur einem von ihnen in die Waldbühne nach draußen darf ich hingegen nicht.


    Wo sind wir denn mehr gefährdet oder anders gefragt: Wo ist da die klare Linie?

    Ich hab mich vor ein paar Tagen auf Facebook schon ein wenig über die ganzen euphorischen Beiträge unter dem Bild gewundert... Es mag an der Eventkultur liegen, die für die meisten Menschen einfach jedes Konzert zu einem unvergesslichen Highlight macht...


    Tempelhof war nach wie vor das einzige beschissene Hosenkonzert, auf dem ich jemals gewesen bin.

    Selbst meine nicht Rockkonzert erfahrene Mutter fands lahm. Die Location fand ich gut, die Broilers waren damals als Vorband immer nett, aber das wars dann leider auch.


    Da hat einfach gar nix gestimmt. Sound viel zu leise (und das lag nicht an der Location), mieses Set, durchchoreographiert bis zum Gehtnichtmehr, Meg n'Jez, Arnim von den Beatsteaks als "Highlight", jedes politisch kontroverse Thema umschifft, einfach nur lahm, lahm, lahm die ganze Sache....


    Zum Glück hat es sowas danach nicht wieder gegeben...