Bob Dylan

  • Als ich im Forum nach einem Thread zu Bob Dylan gesucht habe, war ich doch etwas verwundert, dass zu ihm noch niemand etwas geschrieben hat. Sicher ist es nicht einfach einen Einstieg zu einem so komplexen Künstler zu finden. So viele Alben ( 38 ) wie Bob Dylan veröffentlicht hat. So viele Identitäten wie er schon verschlissen hat. So viel wie schon über ihn geschrieben wurde. So viele Menschen die sich schon mit seinem Schaffen auseinandergesetzt haben. So viele Zusammenhänge die es zu seinem Schaffen zu wissen gibt. Aber man muss nicht immer wissen, was das alles bedeutet. Sondern es kommt darauf an, dass ein Künstler Dich bewegt. Und da ich in letzter Zeit viel von Bob Dylan höre, möchte ich an dieser Stelle mal versuchen einen Anfang zu machen.


    Bob Dylan gilt der Legende nach als die Stimme einer Generation. Er erhielt als erster Singer-Songwriter den Literaturnobelpreis. Und wie schrieb es der Rolling Stone schon so treffend: "Je länger man sich nit Dylan beschäftigt, desto größer wird das Mysterium." Deshalb ist der Versuch gar nicht so einfach dem Mysterium gerecht zu werden. Vielleicht hilft die Annahme, dass viele seiner poetischen Leistungen nicht immer absichtsvoll, sondern zufällig entstanden sind. Für die Genialität der Lyrics ist diese Annahme bedeutungslos, aber es hilft vielleicht vieles nicht so kopflastig zu betrachten.


    Ich möchte mal mit dem puristischen Dylan der ersten Alben beginnen. Die Zeit die ihm den Ruf des Protest Folkies eingebracht hat. Und in der Tat werfen viele Songs dieser Jahre einen kritischen Blick auf die damalige Gesellschaft. Die Songs waren anders, als all die Lieder die im Radio liefen. Sie waren lebendiger und näher am wahren Leben. Dylan ließ die Songs authentisch und ehrlich klingen. Er besaß Grundsätze und Sensibilitäten und einen informativen Blick auf die Welt. Und das spiegelt sich in diesen Songs wider. Gleichzeitig schrieb er in dieser Zeit aber auch Liebeslieder mit einer unglaublichen Überzeugungskraft. Und deshalb ist auch der Ruf des ausschließlichen Protest Folkies und des Anführers einer Protestbewegung der damaligen Zeit unberechtigt. Er hat dieses auch immer von sich gewiesen.


    Das beeindruckende an den Veröffentlichungen der Anfangsjahre '62 - '65 ist meiner Ansicht nach aber, dass er die beschriebene Dringlickeit und Ausdruckskraft alleine mit seiner Stimme, einer Gitarre und einer Mundharmonika erschaffen hat. Und ich muss zugegeben, dass es bei mir, aufgrund meiner Hörgewohnheiten, lange gedauert hat, bis ich hierzu Zugang gefunden habe. Aber wie erwähnt höre ich die ersten 5 Alben in den letzten Wochen sehr oft. Aus diesem Grund umfasst meine Lieblingssongliste auch nur die ersten 4 1/2 Alben des puristischen Dylans. Here it goes:


    1. Song to Woody
    2. Girl from the North Country
    3. Masters of War
    4. A Hard Rain's A-Gonna Fall
    5. Don't Think Twice, It's All Right
    6. The Times They Are A-Changin'
    7. Ballad of Hollis Brown
    8. With God On Our Side
    9. The Lonesome Death Of Hattie Carroll
    10. My Back Pages
    11. It Ain't Me Babe
    12. Mr. Tambourine Man
    13. It's Alright, Ma (I'm Only Bleeding)

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    Don't Eat The Yellow Snow!

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  • Interessanter Beitrag. Bob Dylan ist mir bisher so un-greifbar gewesen dass ich mich mit seiner Musik nie beschäftigt habe. Ich kannte Zeug von ihm ausschließlich über Covers. Die beiden genialen Songs "All along the Watchtower" und "Like a rolling stone" in der Interpretation von Hendrix. Und vielfach gecovert das Knocking on Heavens Door natürlich.
    Na, das motiviert mich, da einen Versuch zu starten, bin gespannt wie das wird.

    A fallen wall becomes a bridge to connect us rather than divide. (Zeb Love)

  • Da ich gerade bei den ersten Alben bin, gebe ich auch gerne mal ein paar Anspieltipps aus dieser Zeit: "Masters Of War", "The Times They Are A-Changin'" und "It's Alright, Ma (I'm Only Bleeding)". Es sind zwar ausgerechnet wieder die Protestlieder, aber hier wird am besten die Bedeutung seiner Lyrics klar. Beschäftigt Euch bei diesen Songs mal mit dem Text und der Aussage. Und betrachtet das vor allem auch vor dem Hintergrund der damaligen Gesellschaft Anfang der 60er Jahre.


    Übrigens gibt es vom erstgenannten "Masters Of War" ein ziemlich gelungenes Cover von Pearl Jam.



    Besonders genial finde ich die Zeilen am Ende des Songs:


    "Let me ask you one question
    Is your money that good
    Will It buy you forgiveness
    Do you think that it could.
    I think you will find
    When your death takes its toll
    All the money you made
    Will never buy back your soul"

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    Don't Eat The Yellow Snow!

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  • Dylan ist übrigens gerade in Deutschland für ein paar Konzerte:


    18.04. Leipzig, Arena
    19.04. Oberhausen, KönigPALAST
    21.04. Bielefeld, Seidensticker Halle
    22.04. Nürnberg, Frankenhalle
    23.04. Baden-Baden, Festspielhaus


    Kann ich jedem empfehlen, der dem Mythos nahe kommen möchte. Die Bühnenpräsenz ist enorm und die Konzerte sind eine besondere Erfahrung.

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    Don't Eat The Yellow Snow!

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  • Höre sehr gern die alten und auch die neueren Sachen von Bob Dylan (Betonung liegt auf dem kleinen Word "von"). Seine letzten zwei oder drei Alben sind leider nur reine Coveralben. Habe ihn in den letzten 10 Jahren auch 3 mal live gesehen. Das letzte mal, in Tübingen, war jedoch so fürchterlich, dass ich euch rate: Überlegt euch gut ob Ihr ihn so sehen wollt. Die Songauswahl war fürchterlich, also wirklich fürchterlich und der alte Mann spielt sein Programm ohne Regung runter. Das hat nichts mehr von einem Konzert. Es macht keinen Spass.
    Sagt also nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.
    Zu den Platten: es lohnt sich in alle seine Schaffensperioden reinzuhören, gibt wirklich tolle Sachen. Höre gerade aus seiner Bootleg Series Vol12 die Songs aus den Jahren 65-66. Wirklich geil. Sitze im Büro kann also gerade nicht wirklich viel dazu schreiben, aber das musste ich loswerden.

    Du wartest auf die Liebe

    Und ich auf das letzte Bier

    Der Platz am Tresen neben mir bleibt heute leider leer

    Eine gute letzte Reise, zum Abschied leise winken

    Elektronische Musik kann man sich so selten schöntrinken


    Thees Uhlmann - Avicci

  • Also der Mann ist 76 Jahre und müsste sich (finanziell) diesen Tourstress nicht mehr antun. Aber ich gebe Dir Recht. So ein typisches Konzert mit sog. Standard Setlist kann er recht emotionslos runterspielen. Das ist keine Event Show a la Metallica, Coldplay, Guns n'Roses oder Robbie Williams. Ganz im Gegenteil. Die Bühne ist spärlich beleuchtet, es herrscht Foto- und Filmverbot und Dylan agiert in der Regel nicht großartig mit dem Publikum. Er wirkt wenn man so will auch etwas unnahbar. Aber so ist Dylan eben. Ich finde die Konzerte trotzdem authentisch und sehenswert. Wer weiß wie lange es noch möglich ist Dylan on stage zu erleben.

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    Don't Eat The Yellow Snow!

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  • Filmverbot herrscht sowieso immer. Interessiert nur keinen

    Es kommt die Zeit
    in der das Wasser wieder steigt...
    Es kommt die Zeit
    in der der Airport wieder brennt...

  • Ich finde die Konzerte trotzdem authentisch und sehenswert. Wer weiß wie lange es noch möglich ist Dylan on stage zu erleben.


    Das ist es eben, ich fand die Konzerte bis zu dem erwähnten auch sehr geil, macht mir auch nichts aus wenn da keine Show gemacht wird, im Gegenteil, ich bin einer derjenigen, der noch wegen der Musik zu 'nem Konzert geht. Aber bei dem besagten Konzert passte halt überhaupt nichts und ich würde dafür keinen Cent mehr ausgeben. Und bloß damit ich 'nen Haken dran machen kann würde ich zu keinem Konzert gehen. Irgendwann ist halt gut, und auch die "Neverending Tour" müsste mal ein Ende finden.
    Ist aber wie immer Geschmackssache, vielleicht sind die Konzerte ja klasse.

    Du wartest auf die Liebe

    Und ich auf das letzte Bier

    Der Platz am Tresen neben mir bleibt heute leider leer

    Eine gute letzte Reise, zum Abschied leise winken

    Elektronische Musik kann man sich so selten schöntrinken


    Thees Uhlmann - Avicci

  • Habe mir aufgrund einer Empfehlung jetzt die "Love and Theft" von 2001 geholt und höre sie die letzten Tage rauf und runter. Fällt zwar etwas aus der Reihe, da ich mich gerade eher mit dem Frühwerk von Dylan befasse. Aber das war ein gelungener Griff. Es scheint wohl so, dass er trotz schwächerer Phasen, damit noch mal einen Klassiker abgeliefert hat. Wer noch überhaupt keinen Zugang zu Dylan gefunden hat, sollte es vielleicht mal mit diesem Album versuchen.

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    Don't Eat The Yellow Snow!

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    Einmal editiert, zuletzt von binda ()

  • Ich wollte mich ursprünglich mal chronologisch am Werk von Bob Dylan abarbeiten. Wie es in diesem Thread dokumentiert ist, habe ich die Anfangsphase schon ausführlich betrachtet und mich danach mit dem Werk bis "Blonde On Blonde" befasst. Nach einem Konzertbesuch habe ich dann aber doch angefangen mich mal mit dem Spätwerk zu befassen. Besonders die "Love And Theft" hatte es mir zunächst angetan. Aber auch die anderen Alben von 1997 bis 2012 haben es in sich. Daraus ist ein Mixtape entstanden, das ich Euch nicht vorenthalten möchte. Es ist eine Zusammenstellung aus den Alben "Time Out Of My Mind", "Love And Theft", "Modern Times" und "Tempest". Ich kann gar nicht genau sagen, warum "Together Through Life" noch nicht so bei mir angekommen ist, aber das Album aus dieser Zeit fehlt da noch.


    1. Honest With Me
    2. High Water
    3. Rollin' and Tumblin'
    4. Not Dark Yet
    5. Til I Fell in Love with You
    6. Make You Feel My Love
    7. Sugar Baby
    8. Nettie Moore
    9. Ain't Talkin'
    10. Pay In Blood
    11. Scarlet Town

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    Don't Eat The Yellow Snow!

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    Einmal editiert, zuletzt von binda ()

  • Mal ein Update was die Playlist 1997 bis 2012 angeht:


    1. Things Have Changed

    2. Honest with Me

    3. High Water

    4. Sugar Baby

    5. Gonna Change My Way of Thinking (feat. Mavis Staples)

    6. Not Dark Yet

    7. Til I Fell in Love with You

    8. Make You Feel My Love

    9. Rollin' and Thumblin'

    10. Nettie Moore

    11. Ain't Talkin'

    12. Pay in Blood

    13. Scarlet Town

    14. Roll on John

    15. Beyond Here Lies Nothin'

    16. This Dream of You

    17. It's All Good

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    Don't Eat The Yellow Snow!

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  • OK... Und eine weitere Playlist... Diesmal aus Dylans "elektrischer" Phase 1965/66. Die Phase, von der man sagt, dass Dylan seinen kreativen Höhepunkt erreichte. In dieser Zeit wurde u. a. "Blonde on Blonde" veröffentlicht, das erste Doppelalbum der Rockgeschichte. Das Album wurde von der deutschen Ausgabe des Rolling Stone auf Platz 1 der "500 besten Alben aller Zeit" gewählt. Zu dieser Phase gehören noch zwei weitere Alben "Bringing It All Back Home" und "Highway 61 Revisisted", die nicht weniger unbedeutend sind.


    1. Subterranean Homesick Blues

    2. She Belongs To Me

    3. Bob Dylan's 115th Dream

    4. Maggie's Farm (Live at Newport Folk Festival, "No Direction Home: The Bootleg Series Vol. 7")

    5. Positively 4th Street

    6. Like a Rolling Stone

    7. Ballad of a Thin Man

    8. Highway 61 Revisited - Alternate Take (from "No Direction Home: The Bootleg Series Vol. 7")

    9. Desolation Row

    10. One of Us Must Know (Sooner or Later)

    11. I Want You

    12. Just Like A Woman

    13. Fourth Time Around

    14. Sad-Eyed Lady of the Lowlands

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    Don't Eat The Yellow Snow!

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  • Da ich gerade im Flow bin, hier mein Best Of der sogenannten "mittleren Periode":


    1. As I Went out One Morning

    2. The Ballad of Frankie Lee and Judas Priest

    3. I Pity The Poor Immigrant

    4. I Threw It All Away

    5. Tonight I'll Be Staying Here With You

    6. Day of the Locusts

    7. Sign on the Window

    8. Three Angels

    9. I Shall Be Released

    10. Knockin' On Heaven's Door


    Zu dieser Phase gehört eigentlich auch das Album "The Basement Tapes", was aber erst später veröffentlicht wurde. Hier finden sich auch ein paar echte Perlen, die allerdings größtenteils nicht zu Ende produziert wurden.


    11. You Ain't Goin' Nowhere

    12. Yea! Heavy And A Bottle Of Bread

    13. Please, Mrs. Henry


    Das letzte ist übrigens ein echt gelungenes Sauflied. Schlägt "Bommerlunder", "Jägermeister" und "Frühstückskorn" um Längen.

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    Don't Eat The Yellow Snow!

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