Vorurteile - nützlich oder schlecht?

  • zu lesbische, schwarze Behindete:
    die ersten drei Strophen sollte man wirklich wörtlich nehmen...Es gibt halt immer und bei jeder Ethnie, Geschlecht oder sonstwas nunmal Vollhonks. Warum nicht auch bei den Angesprochenen? Nur, dass sich keiner traut, über die etwas negatives zu sagen, weil man ja sofort als Rassist, Sexist oder Behindertendiskrimnierer betitelt werden würde. Vor allen bei diesen ganzen strammen Linken (s. hierzu auch in der aktuellen Zeit ein Interview, wo gesagt wird, dass Indianerkostüme tragen zur Karnevalszeit ein Zeichen für das Gutheißen von Kolonialisierung mit der damit verbundenen Grausamkeit etc. sei.: "Ha: Im Kolonialismus wurde ein verzerrtes Wissen über die Anderen generiert, um die Europäer darüber zu informieren, wer die Unterworfenen eigentlich sind. Wer fundamental anders ist als ich selbst, den muss ich ja nicht behandeln wie meinesgleichen. Im Kolonialismus wurden nicht nur Territorien erobert und Menschen unterworfen, er ging immer auch mit kultureller Deutungsmacht einher. Die Kolonialherren bestimmten, wer und wie die Anderen sind oder zu sein haben, um sie von sich selbst zu distanzieren. In den Kostümen spiegelt sich dieser Anspruch bis heute wider. "), die political correctness über alles lieben: Lasst uns alle gleichzeitig in dieselbe Toilette kacken


    Bei der letzten Strophe (Natürlich bin ich kein Rassist...) bin ich voll bei Karl Arsch


    Die Diskussion hatten wir hier doch schon mal. Das was du bezüglich "Arschlöcher gibt es überall" sagst, ist natürlich vollkommen richtig. Nur ist der Song keine Legitimation dafür, auf Lesbische, Schwarze, Behinderte, etc. verbal einzuschlagen, weil "man das ja wohl noch sagen darf?!" sondern, das hat wsv hier mal sehr schön ausgeführt, führt der Song diese ganzen Kategorien ad absurdum. Es geht gar nicht darum, dass man auch mal einer Lesbe sagen darf, dass sie ne dumme Hure ist, ohne befürchten zu müssen, mit der Regenbogenflagge gepfählt zu werden. Die eigentliche Aussage geht viel tiefer. Wieso muss ich die Beleidigung einer Person automatisch mit ihrer sozialen/ethnischen Gruppe in Verbindung bringen?
    Wieso kann ich nicht sagen: "ich hab gestern auf der Party so einen Idioten kennengelernt!" ? Wieso ordnen gefühlt 90% der Leute die entsprechende Person erst einer Schublade zu, ehe sie rational erklären, welches Problem sie damit haben.


    "Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber mein türkischer Nachbar parkt mich immer zu."
    Sag einfach, dass dein Scheiß-Nachbar dich immer zu parkt und hör auf, das unbewusst mit irgendeinem anderen Merkmal in Verbindung zu stellen, als seinem Charakter, verdammt noch mal... :down:


    ***Bist nicht persönlich gemeint, BammBamm, du bist ja in der Hinsicht einer, der sich diesen Vorwurf absolut nicht gefallen lassen muss. :)

    Wir sind übrig.

  • Weil Menschen nun mal kategorisieren, um zu überleben, um sich Denkmuster schaffen zu können und nicht vor jede Wand einmal zu rennen, weil die nächste ja durchgängig sein könnte.


    Vollkommen natürlich. Warum soll ich mir von jedem Säbelzahntiger einen Arm abbeißen lassen, wenn ich bereits einem mal übel begegnet bin?

    NEIN :!:

  • Ja toll


    Und danach fühlen sich die Säbelzahntiger diskriminiert und auf Twitter gibts dann #lesuissäbelzahn... :cursing:

    Es kommt die Zeit
    in der das Wasser wieder steigt...
    Es kommt die Zeit
    in der der Airport wieder brennt...

  • Weil Menschen nun mal kategorisieren, um zu überleben, um sich Denkmuster schaffen zu können und nicht vor jede Wand einmal zu rennen, weil die nächste ja durchgängig sein könnte.


    Vollkommen natürlich. Warum soll ich mir von jedem Säbelzahntiger einen Arm abbeißen lassen, wenn ich bereits einem mal übel begegnet bin?


    Weil ein instinktiv handelndes Raubtier etwas anderes als ein vernunftbegabter Mensch ist.

    Wir sind übrig.

  • Weil ein instinktiv handelndes Raubtier etwas anderes als ein vernunftbegabter Mensch ist.


    Währe der Mensch vernunftbegabt würde er nicht seinen eigenen Lebensraum zerstören. Keine Spezies ist so dermaßen dämlich

    Es kommt die Zeit
    in der das Wasser wieder steigt...
    Es kommt die Zeit
    in der der Airport wieder brennt...

  • Weil ein instinktiv handelndes Raubtier etwas anderes als ein vernunftbegabter Mensch ist.


    Wenn dich am Bhf Hamburg ein Typ mit Iro, Lederjacke, Docs, Exploited-Aufnäher und Ratte anschnorrt und du das jemandem erzählst, wirst du auch sagen "ich hab nem PUNK einen Euro gegeben".. oder? ;)

  • Gabumon: Ein einzelner Mensch ist das intelligenteste Lebewesen, das es auf der Erde gibt. Eine Gruppe von Menschen ist dumm wie ein Sack Stroh. Abgesehen davon sprach ich nicht davon, vernünftig zu sein, sondern VERNUNFTBEGABT. Die Möglichkeit, vernünftig zu handeln, HAT der Großteil der Menschheit. Angewandt wird sie leider nur allzu selten.


    mike: Hab ich mir zwar weitestgehend abgewöhnt, allerdings sind Kleidungsstil, Frisur, Aufnäher, etc. alles Merkmale, die der Träger bewusst beeinflussen kann. Demnach ist Klischee-Punk zu sein etwas, wofür sich derjenige aktiv entscheidet, weshalb eine bestimmte Weltanschauung der Person wesentlich wahrscheinlicher richtig zugeordnet werden kann, als bei einer Person z.B. einer bestimmten Hautfarbe.


    Es ist einfach komplett Banane, aufgrund solcher Merkmale Kategorien zu bilden. Mir klaut nicht ein Dunkelhäutiger den Geldbeutel, sondern ein Dieb. Der kann womöglich dunkelhäutig sein, aber der einzige Rückschluss, den ich rational daraus ziehen kann, lautet: Menschen stehlen bzw. es gibt Diebe unter den Menschen. (Und selbst dieser Schlussfolgerung liegt eine konstruierte Vorstellung über Besitz und Eigentum zu Grunde, die der andere womöglich komplett anders interpretiert.)


    Natürlich ist eine offensichtliche Schlussfolgerung für jemanden, der in seinem ganzen Leben nur Weißen begegnet ist und vom ersten Andersaussehenden, den er trifft, bestohlen wird, dass er sich in Zukunft von solchen Menschen fernhalten wird. Aber wir sind doch Gott sei Dank weit genug aufgeklärt, um zu wissen, dass es verschiedene Ethnien gibt und die Gesetzestreue eines Einzelnen damit nichts zu tun hat. Zumindest sollten wir so weit aufgeklärt sein...


    Es ist im Prinzip ganz einfach. Ich bin der Meinung, es müsste möglich sein, die Nationalität, Hautfarbe, Sexualität, Religion, etc. eines Menschen völlig wertfrei wiederzugeben, ohne dass im Kopf des Adressaten ein Film abläuft, der automatisch Schubladen aufmacht und daraus resultierend positive oder negative Emotionen hervorruft.
    Solange allerdings genau das passiert, lasse ich solche Äußerungen weitestgehend einfach bleiben.


    Tatsächlich gibt es für mich ganz grob zusammengefasst nur zwei Sorten von Menschen (vorausgesetzt, ich kenne sie): mag ich und mag ich nicht.

    Wir sind übrig.

  • es ging mir bei meinem polemischen beispiel lediglich um‘s kategorisieren oder schubladisieren, was zeitweilen jeder macht. sicher auch du - egal ob derjenige mit absicht eine reaktion provoziert oder nicht. ist normal und auch nicht schlimm.


    ein dieb ist allerdings ein dieb - egal welche hautfarbe, religion oder staatsangehörigkeit er hat. und auch ich unterscheide für mich zwischen guten menschen und arschlöchern. egal welche hautfarbe, religion und staatsangehörigkeit jemand hat. dennoch nutze auch ich schubladen/kategorien. bin ja kein heiliger supermensch.


    und ja; EIN mensch allein wird nie vorkommen und wenn, wird es schwierig für ihn seine intelligenz zu nutzen, weil in der natur dann das „faustrecht“ gilt.. und da zieht der intelligente mensch schnell mal den kürzeren.
    menschen suchen menschen und brauchen menschen, insofern hat gabumon da nicht untecht.

  • Dass er Unrecht hätte mit seiner Aussage, behaupte ich auch nirgends. Allerdings spricht er von Vernunft, ich von Vernunftbegabtheit. Zwei paar Schuhe. Ich weiß z.B. auch, dass bestimmte Lebensmittel in zu großer Menge nicht gesund sind und bin theoretisch dazu in der Lage, aus genau diesem rationalen Grund auf solche zu verzichten. Trotzdem esse ich sie, weil mir das in dem Moment egal/nicht wichtig genug ist. Bin ich deswegen unvernünftig? Mit Sicherheit. Bin ich deswegen nicht in der Lage, es anders/besser zu machen? Doch, auf jeden Fall.
    Ein Säbelzahntiger hat(te) diese Wahl nicht.

    Wir sind übrig.

  • Das erinnert an die Soziologie-Grundstudium-Vorlesungen. :D


    Wenn die Diskussion in einen separaten Strang ausgegliedert wird, bin ich gerne bereit, mich ernsthaft daran zu beteiligen.

    NEIN :!:

  • Wenn die Diskussion in einen separaten Strang ausgegliedert wird, bin ich gerne bereit, mich ernsthaft daran zu beteiligen.

    Na dann ... habe den Teil aus dem ursprünglichen Thread gelöst.

    Hier kommt der Diktator!
    wer ihm nicht folgt, der wird verbannt.
    Er verlangt absoluten Gehorsam
    von seiner kranken Anhängerschaft.

    _________

    Meine Marktplatz-Artikel

  • Der Titel ist natürlich etwas irreführend - "Vorteile - nützlich oder schlecht"! Vorurteile sind in der Regel hinderlich; sie limitieren. In der Diskussion ging es bislang eher um Schubladisieren oder Kategorisiseren - das ist zumindest das was ich aufgegriffen habe. Und ich wette, dass JEDER das ab und an macht.


    Ich stelle auch die Behauptung in den Raum, dass 90% aller Menschen hier sich eher mit einem angesehenen Menschen zeigen als mit einem zB Randständigen - sehe zumindest häufiger Selfies mit Campino als mit einem Penner :D;) . Da ist immer viel Scheinheiligkeit bei, jeder behauptet von sich frei von Vorurteilen und jedem Menschen gegenüber offen zu sein - zumindest die "Linken". Unter der sauber polierten Fassade schimmelt es meist aber gehörig, wenn man tiefer schürft. Soweit meine Erfahrung! Und nein, das ist kein Vorurteil, das ist die nackte, unschöne Erfahrung mit Menschen in knapp 42 Jahren. Oder zumindest 38 Jahren. So ab Kindergarten.


    Ich selber gebe gerne zu nicht vorurteilsfrei zu sein, zu kategorisieren und zu schubladisieren. Letzteres wird einem anerzogen, macht man automatisch um für sich selber Grenzen zu ziehen und Ordnung zu haben.

    Einmal editiert, zuletzt von pillermaik ()

  • Ich denke auch, dass, wer behauptet, sich völlig frei von Schubladendenken oder Vorurteilen machen zu können, scheinheilig ist. Man hat auch als aufgeklärter, toleranter Mensch immer wieder Impulse, die da konträr laufen. Da gibt es in der Linken leider in der Tat oft Ansätze, in denen einfach Utopien mit der vermeintlichen Wirklichkeit vermischt werden und das wirkt dann schnell abgehoben oder sogar lächerlich.


    Das Bewusstsein ist in meinen Augen entscheidend, also praktisch gesprochen, diesen Impulsen der Kategorisierung möglichst nicht nachzugeben. Insbesondere natürlich bei rassistischen, sexistischen oder sonstwie diskriminierenden Stereotypen.
    Wenn ich allerdings jemanden aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer Subkultur oder Berufsgruppe ein Stück weit kategorisiere, finde ich das durchaus im Rahmen des Vertretbaren. Auch da gilt natürlich, dass man nicht jede zugeschriebene Eigenschaft auf die Gesamtheit extrapolieren kann, aber jemand, der sich bewusst dafür entscheidet, sich einer Subkultur anzuschließen, wird wohl auch einige der Eigenschaften, die der jeweiligen Subkultur zugeschrieben werden, auf sich beziehen.


    Jemanden für etwas, dass er/sie durch Geburt bzw. ohne eigenes Zutun ist, in eine Schublade zu stecken, ist mindestens zweifelhaft, auch wenn man selbst vielleicht immer mal wieder Ansätze dafür verspüren mag; jemanden aber nach seinen Entscheidungen zu beurteilen (und dazu gehören auch Dinge wie die Berufswahl), ist grundsätzlich nicht falsch. Aber auch da gilt: das Gesamtbild ist entscheidend. Vielleicht mach der Investmentbanker von nebenan ja in seiner Freizeit irgendwas hochgradig Soziales... ;)

    Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber sie stirbt.

    Einmal editiert, zuletzt von DTH_HB_86 ()

  • Danke, DTH HB 86, das fasst meine Ansicht eigentlich perfekt zusammen.
    Die in "Lesbische, schwarze Behinderte" besungenen "Randgruppen" sind aber allesamt so geboren (ja okay, eine Behinderung kann auch später im Leben auftreten, aber in 99,99% der Fälle kann der Betroffene wenig bis gar nichts dafür) und exakt um diese Kategorisierungen ging es mir. Solche Schubladen versuche ich bewusst zu vermeiden.


    Punks und Polizisten, von denen ich jeweils schon beides erlebt habe, unglaublich faschistoide wie auch wunderbar soziale Vertreter, sind da aber schon die nächste Stufe, weil man sich bewusst für den Beruf/die Szene entscheidet.


    "Es sind nicht unsere Fähigkeiten, die uns zu dem machen, der wir sind, sondern unsere Entscheidungen." - Albus Dumbledore :D

    Wir sind übrig.


  • "Es sind nicht unsere Fähigkeiten, die uns zu dem machen, der wir sind, sondern unsere Entscheidungen." - Albus Dumbledore :D

    "Leben ist die Summe all unserer Entscheidungen." -Albert Camus ;)


    Ersetze "Leben" durch "Persönlichkeit" und wir haben die Vorlage für Frau Rowling, ohne den Sinn des Originals entfremden zu müssen :D

    Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber sie stirbt.

  • Die spannende Frage, die ich hier sehe, ist wie genau man ein Vorurteil eigentlich definieren kann.
    Begegne ich in Wyoming einer Gruppe arabischer Männer auf der Straße, löst das eine andere Reaktion (bzw. eigentlich überhaupt keine) aus, als wenn das nachts im Wedding, Moabit oder Neukölln passiert.


    Ein pauschales Vorurteil gegenüber Arabern ist es also nicht - ich hab auch arabische Freunde und die meisten Araber mit denen ich international zu tun hatte, hatten mit den Abou-Chakers wenig gemein. Ausgehend von studentischen und besonders linken Gruppierungen mache ich mich ja schon damit schuldig, mir im Kopf empirisch auszurechnen wer in Berlin im großen Stil die Handys klaut, die Überfälle macht, die Obdachlosen anzündet oder Leute von hinten die Bahnhofstreppe herunter tritt. Das heißt nicht, dass jeder Araber das tut, oder dass ich deswegen jeden unter Generalverdacht stelle. Aber natürlich ist das eine Form von Profiling.


    Wer davon frei ist, soll doch mit gutem Gewissen mit nem Iro an so ner schönen Koserower Nazikarre vorbeilaufen. Nur weil die den Schädel rasiert haben und Landser hören, darf man doch keine Rückschlüsse ziehen...


    Und ja, Araber beschreibt in diesem Zusammenhang natürlich die Abstammung und nicht unbedingt die Staatsangehörigkeit, bevor mir jetzt wieder einer die Kriminalstatisik zitiert ;)


    Im Gegenzug gibt es einen bestimmten Typus von Mensch, der bei mir in den USA die Alarmsignale losschrillen lässt, weil die Gefahr besteht, dass er gleich ein AK-47 zieht. Dieser Typus ist ziemlich weiß und männlich. Scheiß Vorurteile.

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  • Hach, herrlich Ich fühle mich wie im Soziologie Grundstudium hier. :D


    Ich lebe wunderbar mit meinen Vorurteilen, pflege und erweitere sie. Sie machen mir mein Leben einfacher. Ich trage sie aber auch nicht dogmatisch vor mir her, sondern lasse mich gerne überraschen.



    Am letzten Sonntag habe ich beim örtlichen Karnevalsumzug festgestellt, dass das Publikum längst nicht so asi war, wie ich es in Erinnerung hatte. Es gab um mich herum keine wild um sich schlagenden Erwachsenen, die kleinen Kindern die Kamelle klauen wollten.
    Bei zwei Wagen am Ende relativierte sich das Bild. Um die beiden Wagen, die besonders viele und große Sachen geworfen haben, liefen mehrere Personen herum und folgten den Wagen. Sie sprachen die am Rand stehenden Zuschauer an, dass sie ihnen die gefangenen Sachen abgeben sollten und schubsten brutal, wenn es etwas zu ergattern gab.


    Die Gruppe der rabiat vorgehenden Personen hatten übereinstimmende/gemeinsame (äußerliche) Merkmale.


    Welche warten es?

    NEIN :!:

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