Böhse Onkelz

  • Die Zeit in den frühen 80ern war eine andere als heute, Dinge waren zwar ähnlich gelagert, jedoch anders definiert. Dem Wissen geschuldet, geprägt von Dummheit... Weniger Aufklärung und vor allem nie so global wie heute.


    Man konnte Rechts sein und Nationalstolz haben, sogar ausländerfeindlich - oder ausländerkritisch - sein und hatte dennoch eine Distanz zu den Nazis...
    Das waren die Onkelz: Sie waren in der Phase 1983 bis 1985 rechte Skins, sie waren ausländerfeindlich und patriotisch, dennoch sahen sie sich nie als Nazis. "Scheitelträger", wie man sie genannt wurden, hatten versucht die Onkelz zu instrumentalisieren und für ihre Parteien zu gewinnen... Da machten die Onkelz nie mit. Und je mehr es so wurde, desto weniger Bock hatten die Onkelz auf diese Skinszene, die immer weiter nach rechts abdriftete.


    Dennoch schrieben sie Songs wie "Deutschland den Deutschen" (1983 - nie offiziell erscheinen - das Lied hiess zuerst auch "Oi oi oi" und wurde dann mit der Entwicklung der Band gegen rechts neu gemacht) und Kevin änderte auf eigene Initiative den Text von "Deutschland" (anderes Lied als "Deutschland den Deutschen") live einmal ab (anstelle von "Schwarz, rot gold wir stehen zu dir" sang er "schwarz, weiss, rot wir stehen zu dir" und kriegte von der Band danach einen EInlauf, weil zu dem Zeitpunkt für Stephan und Gonzo das Thema Skinhead durch war, weil eben alles immer mehr gegen rechts abdriftete). Als Skins spielten die Onkelz 3 Konzerte.
    Die Onkelz waren eine Zeit lang eine Skinheadband mit rechter Gesinnung, jedoch ohne Sympathie für Hitler und den Machenschaften der NSAPD. Mit "SS Staat" schrieb man - zwar noch etwas vor der Skinzeit, als man noch Punks war, ich meine 1982 - einen Song der sich dagegen auflehnt!


    Ich habe hier einen Clip von Kevin aus dem Jahre 1983, bereits hier schwafelt er - gewohnt unbeholfen- von Nationalstolz, sagt sich jedoch von Nazis los:


    Hier eine Talk-Show von 1985, als sie noch Skins waren mit ausländerkritischen oder ausländerfeindlichen Haltung... Aber bereits hier merkt, man, wie es in Stephan zu rotieren begann:


    Von dieser Haltung, diesen Jahren der Skinzeit (1983 bis 1986) und den damaligen Inhalten und Äusserungen distanzieren sie sich - und davon, dass man damit was losgerteten hat für viele Rechtsarschlöcher und in der rechten Szene zu Ikonen wurde. Man wollte diese Arschlöcher auch auf Konzerten nicht mehr haben, weil man deren Gesinnung nicht mehr teilen konnte, zumal aus "Ausländerhass" von 1983, was sich auf das Umfeld bezog und nicht allgemein war, jedoch verallgemeinert wurde dank Dummheit, dann 2, 3 Jahre später knochenharte Nazischeisse wurde. Davon distanziert sich die Band seit ungefähr 1988.

  • (...)
    Meines Erachtens sind Textzeilen wie "Deutschland den Deutschen", "Frankreichüberfall" und "Türken raus" eindeutig rechtsradikal und rassistisch. (...)


    Der Song Frankreich 84 ist ein dummer Fussball-Song, wie Mexico meiner Meinung nach auch.
    Dieser hat für mich nichts mit rechtem Gedankengut zu tun, wohl aber mit Nationalstolz.


    Hier der Text zu Frankreich 84:



    Der Song bezieht sich auf die Fussball-Weltmeisterschaft 1984 in Frankreich.
    > https://de.wikipedia.org/wiki/…-Europameisterschaft_1984




    In genau dieser Manier wurde zwei Jahre später dann Mexico auf der gleichnamigen 12" EP veröffentlicht.
    Für mich auch ein dummer Fussball-Song, dieser dann aber immerhin ohne Nationalstolz wie noch zwei Jahre zuvor bei Frankreich 84.
    Dieser bezieht sich auf die Fussball-Weltmeisterschaft 1986 in Mexico.
    > https://de.wikipedia.org/wiki/…ll-Weltmeisterschaft_1986


    Songtext Mexico:




    Das nur mal um klarzustellen, dass Frankreich 84 kein rassisticher und/oder rechter Song ist und auch nicht so gemeint war.

    BAD RELIGION - 40th +1 Anniversary Tour 2021

    01.+02.06. Wiesbaden | 14.06. Köln | 01.08. Coesfeld | 09.-13.08. Punk Rock Holiday | 16.08. Ljubljana


    "Haste 'nen Link zur Quelle für mich?" :)


  • Das das Lied sich auf die EM 84 bezieht, ist klar, allerdings hat das Wort "Frankreichüberfall" schon ein Gschmäckle. Denn es bezeichnet die Einnahme Frankreichs im 2. WK: Westfeldzug.
    Da könnte man schon ein wenig Kalkül, aber auch Dummheit, annehmen.

    Wer keine Angst vorm Teufel hat, braucht auch keinen Gott!


    Nr. 5 lebt - wir sehen uns wo die eisernen Kreuze stehen...

  • Das nur mal um klarzustellen, dass Frankreich 84 kein rassisticher und/oder rechter Song ist und auch nicht so gemeint war.


    Naja, der hat schon etwas mehr übersteigerten Nationalismus innewohnen als die meisten klassischen Fußballsongs. Vor Sensibilität und Reflektiertheit angesichts der deutschen Geschichte strotzt die Bezeichnung "Frankreichüberfall" ebenfalls nicht, insbesondere wenn man bedenkt, dass auf der gleichen Platte später "Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt" skandiert wird. Zwar in einem selbstherrlichen und nicht ns-verherrlichenden Kontext, aber der Ursprung der Zeile dürfte schon klar gewesen sein. Also mit entsprechendem Vokabular wurde da (vermutlich zu Provokationszwecken) schon gespielt, auch wenn kein klarer ideologischer Hintergrund dabei war.

    R.T.B.A.M.

  • Andere Punkbands provozieren mit änhlichen Begriffen und teilweise NS-Symbolik, denen wird da aber nichts angelastet.
    Den Onkelz wird dies aber dann Jahre später noch als Kalkür vorgeworfen...


    Für mich ist Frankreich 84 ein dummer Fussball-Song. Klar, er soll provozieren. Aber da steckt meiner Meinung nach nichts dahiner.


    Blöder Zufall, dass die WM damals gerade in Frankreich stattfand und man so den Bezug zur Geschichte bzgl. Deutschland und Frankreich, dem Zweiten Weltkrieg dadurch hat.

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    Einmal editiert, zuletzt von Sascha89 ()

  • Andere Punkbands provozieren mit änhlichen Begriffen und teilweise NS-Symbolik, denen wird da aber nichts angelastet.


    Ist dann ebenfalls nicht schlau (bzw. war es), wird heute auch in aller Regel ohnehin so gesehen.


    Zudem ist es dann schon noch ein anderer Kontext, als wenn es in einem patriotischen passiert, oder?

    R.T.B.A.M.

  • Die Band sagt heute selbst, dass es nicht besonders schlau war.


    Und nach 35 Jahren zählt meiner Meinung nach auch nichts anderes.
    Sie wissen, dass sie über diverse Linien getreten sind, haben aber dazu gelernt bzw. hat man dies bereit 1986/'87...


    Müßige Diskussion...

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  • Ich messe die Band ja nicht an dem Song (ich habe irgendwo weiter oben geschrieben, dass ich deren Distanzierungen nicht in Frage stelle), ich stoße mich nur dran, dass du den Song einfach als "dummen Fußball-Song" verharmlost, so ganz ohne ist der einfach ist.


    Aber in puncto müßig gebe ich dir Recht ;)

    R.T.B.A.M.

  • Zitat

    (...)
    Der Song „Frankreich ’84“, der die anstehende Fußball Europameisterschaft in Frankreich thematisiert und in dem das Wort „Frankreichüberfall“ fällt, wird später als Hauptgrund für die angeblich faschistoide Gesinnung der Musiker herhalten müssen. Das war Quatsch. Der Hintergrund des Songs ist zwar brutal, aber es geht im Kern um Fussballkrawalle, die jeden Samstag für Stephan und Kevin immer wichtiger wird. Immer wieder gibt es gewaltsame Auseinandersetzungen, vor, während und nach den Fußballspielen.
    (...)


    Quelle:onkelz.de - Timeline - Das erste Studioalbum: „Der Nette Mann“ erscheint


    Klar, kann man im Nachhinein viel behaupten, aber ich selbst empfinde ihn als "dummen Fussball-Song".
    Vielleicht auch weil ich einige Skinheads und Hooligans (die alles anderes als rechts sind) kenne und deren Benutzung von solchem Vokabular anders einordne.

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  • Ich möchte nichts beschönigen oder verharmlosen - doch dürfen wir nicht vergessen, dass wir heute, 2019, NACH Bands wie Landser, Störkraft und wie sie alle hiessen und deren Auswirkung auf die Rechtsszene auf die erste Welle Rechtsrock in Deutschland zurück gucken, wenn es um die alten Onkelz geht. Das war damals - so interpretiere und verstehe ich das - nie ansatzweise so hart und brutal, so ernst und widerlich wie dann ab Mtte der 80er, wo sich Skins zunehmend organisiert haben, von Braunen unterwandert wurden und aus "Spass" dann bitterer ernst wurde. Ab da spaltete sich ja dann auch die Skin-Szene deutlicher.


    Ich kann mir vorstellen, dass zB "Frankreich 84" mit einer Menge Spass und Ausgenzwinkern geschrieben wurde - das ist dumm und unbeholfen, weil es etwas aufgreift, das eben so gar kein Spass war... Aber von den Onkelz, 1. Welle Rechtsrock 1984, war das bestimmt nicht ansatzweise so zu verstehen wie Texte von späteren Nazi-Combos, die Volksverhetzende, tief rassistische Inhalte hatten.


    War ja mitunter ein Grund der Band, dass sie Abstand nahmen, weil eben alles immer politischer und rechtslastiger wurde, bis hin zur tiefbraunen Nazischeisse. Skinhead sein war ja nicht 100% politisch sein in den frühen 80ern. Da war Politik drin, klar - aber es war nicht Dreh- und Angelpunkt. Ab da hatte dann der "Rechts-Spass-Faktor" keinen Platz mehr. Gewalttätig waren sie auch schon davor und danach noch - das ist aber nicht zwangsläufig politisch motiviert zu verstehen. Nicht jeder Prügler hat politische Motive und dass es in einer Tragödie wie Rostock 1992 gipfelt, konnte man 1984 nicht absehen und war damals bestimmt auch von ausläbderfeidnlichen Skins wie den Onkelz nicht gewollt, auch wenn man damals schon gefährlich mit dem Feuer spielte.


    Wir gucken heute auf eine Zeit zurück, die eben nicht zu vergleichen ist mit 2019 oder 2010 oder 2007... Wir haben den bitteren, traurigen "Beigeschmack" von Rostock-Lichtenhagen, Landser, Störkraft, diesen beinharten Nazi-Bands und ihren Taten. Und mit dem Wissen, diesen Tragödien, gucken wir auf die Onkelz zurück... Das verzerrt einiges, gerade aus Sicht junger Menschen, die nicht dabei waren (ich bin uach zu jung, kriegte aber immerhin die späten 80er noch mit) und heute in einer anderen Gegenwart leben.

  • Das war damals - so interpretiere und verstehe ich das - nie ansatzweise so hart und brutal, so ernst und widerlich wie dann ab Mtte der 80er, wo sich Skins zunehmend organisiert haben, von Braunen unterwandert wurden und aus "Spass" dann bitterer ernst wurde. Ab da spaltete sich ja dann auch die Skin-Szene deutlicher.


    Das stimmt ohne Frage und zwischen den frühen Onkelz und richtigem Rechtsrock liegen Welten. Auch mit dem Rest, den du schreibst, gehe ich ziemlich konform.


    Mein Dreh- und Angelpunkt war einfach dieses sinngemäße "ach, das ist doch bloß ein Fußballsong" und da fand ich den Song schon etwas zu harmlos einsortiert. Ich hatte keineswegs die Absicht, die (frühen) Onkelz auf eine inhaltliche Stufe mit Störkr*ft oder L*ndser zu stellen. Mir ging es nur darum, dass zwischen "doofen Fußballsongs" (das sind fast alle, gute Songs zum Thema Fußball sind ausgesprochen selten) und diesem überbordenden "Deutschland, Deutschland ist die Macht" schon ein paar Stufen gibt. Was die BPjS dann damals aus dem Song gemacht hat, ist allerdings auch albern (und ja auch teils falschen Zitaten geschuldet).

    R.T.B.A.M.

  • Ich fürchte für den Song werden wir das auch so genau nicht belegen können.
    Ich hab das mit dem "Frankreichüberfall" zumindest immer als derben Humor verstanden und nichts, was man wirklich all zu Ernst nehmen sollte. Aber klar, gerade in Deutschland, wo im allgemeinen Verständnis Humor auch Grenzen hat, kann das auch nochmal eine ganz andere Wirkung erzielen...

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  • Als Außenstehender im Onkelz-Universum finde ich nur: wer sich "angeblich" unfreif, unreflektiert und mit fragwürdigem Humor rechter Themen bedient ohne etwaige Ironie oder ähnliches erkennen zu lassen bleibt doch in meinen Augen - unabhängig von politischem Schubladendenken - zumindest eins: Ein Archschloch !


    Wobei mich doch interessieren würde, ob bei den "Distanzierungen" (die für mich gerne noch einen Schritt weiter gehen könnten) auf der einen und der nach wie vor ungebrochenen Akzeptanz der Band im rechten Millieu auf der anderen Seite, das Handeln der Bandmitglieder nicht auch von taktischen - und auf maximalen Profit - bedachten Überlegungen geprägt wurde und wird.

  • (...)
    Wobei mich doch interessieren würde, ob bei den "Distanzierungen" (die für mich gerne noch einen Schritt weiter gehen könnten)
    (...)


    Wie sollte dieser Schritt deiner Meinung nach denn aussehen?

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    "Haste 'nen Link zur Quelle für mich?" :)

  • Mir ist klas, dass das schwierig ist. Ich denke mir halt, wenn eine Band wirklich ernsthaft genervt ist von ihrer Wahrnehmung in der Öffentlichkeit und gewissen Fans, dann müsste das oberste Ziel sein, sich ein entsprechendes Image zuzulegen, um diese Leute einfach deutlich abzuschrecken und ein für allem mal loszuwerden. Da empfinde ich hin- und wieder eine Ansage machen oder einzelne Songs dann als etwas zu "zaghaft" und gewollt im Vergleich zu dem was andere Bands und öffentliche Personen zum Teil so machen. Da trägt sicherliche auch diese "underdog"-alle sind gegen uns- wir scheissen auf euch-die welt ist kacke-Attitüde neagtiv zu bei, weil sich hiervon viele aus dem entsprechenden Lager angesprochen fühlen. So etwas kann man neben anderen Sachen m.E. halt schon ändern, auch wenn die Band dadurch natürlich ein elementares Merkmal verlieren würde.

  • Die Onkelz hab auch eigenes gegen Rechts Konzerte veranstaltet, haben sie angeboten bei gegen Rechts Veranstaltungen zu spielen. Hier wurde man aber wieder ausgeladen, weil andere Künstler absagten weil die Onkelz dabei waren.


    Zitat


    (...)
    Und dann gibt es da ja noch das große Rock gegen Rechts Konzert „Heute die – morgen Du“ vor der Frankfurter Festhalle. Veranstaltet vom Konzertgiganten Marek Lieberberg, versammeln sich 150.000 Menschen in Frankfurt, um gemeinsam ein gewaltiges Signal gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen. Lichterketten und Gulaschkanone. Alle sind da. Maffay, Lindenberg, die Prinzen, PUR, Die Toten Hosen, BAP, Grönemeyer. Lieberberg war so mutig und besonnen, die Onkelz ebenfalls einzuladen. Im Gegensatz zu seinem Bruder David und Ralf Scheffler, dem Chef der Batschkapp, hatte dieses Frankfurter Urgestein die Chance erkannt, die in den Böhsen Onkelz lag. Also lud er sie ein. Die Band sagte spontan zu. Maffay, Lindenberg und andere sagten daraufhin ab. Lieberberg lud die Onkelz wieder aus.
    (...)


    Quelle: onkelz.de - Timeline - Neunzehn-Zweiundneunzig: Eine ganze Nation versinkt in Ohnmacht und Scham.



    Es wurden auch Anzeigen in Magazinen geschalten zur Distanzierung, siehe Dateianhänge.
    Quelle: sieben Link zum Zitat.


    Ich empfehle allgemein die Timeline genau durchzulesen. Dort erfährt man einiges.

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