Auf dem Kreuzzug ins Glück

  • Ich kann die Kritik an dem Doppelalbum auch gut nachvollziehen, für mich besteht die Kreuzzug irgendwie aus den ersten 13 Tracks und wenn danach noch Muße da ist, gibt man sich CD zwei. Die erste Scheibe hab ich auf etlichen Zug- und Busfahrten bis zum geht nicht mehr gehört, die zweite am Stück deutlich seltener, eher mal einzelne Stücke rausgepickt. Die Reggae-Version von "Mehr davon" finde ich sehr gelungen, aber ich kann sie mir nicht anhören ohne dabei zu denken, dass das Original sie immer noch in 10 von 10 Fällen mit einem Schlag auf die Bretter schicken würde... Dafür ist das Original einfach zu gut.


    Wenn man unbedingt ein Doppelalbum raus bringen wollte, verstehe ich die Songauswahl nicht so ganz. So viele starke B-Seiten gab es zu dieser Zeit, stattdessen macht man die experimentelle zweite CD und packt dazu noch zwei Cover auf die erste CD. So gut mir die Kreuzzug gefällt, "New Guitar in Town" hat darauf einfach nichts zu suchen. "Keine Chance für die Liebe" ist obendrein in meinem Hosen Worst-of hier im Forum gelandet. Aus rationaler Sicht muss ich die Platte eigentlich weit hinten einordnen. Aber irgendwie kann ich das nicht. Auf seine Weise wirkt das Album doch wieder so stimmig und in sich passend, dass ich es bedenkenlos zehn mal nacheinander hören könnte und immer noch Spaß daran hätte.


    Trotzdem müsste ich mir mal eine alternative Running Order mit den B-Seiten zusammenstellen, wenn ich Zeit finde. :)

    Wir sind übrig.


  • Nun habe ich es gefunden und bin echt von den Socken...27 Jahre später entdecke ich da was, das ich noch nie bewusst wahrgenommen habe. Unter der eskalierenden Stimme geht das fast unter, bleibt aber spürbar. FETT! :!::!::!:


    Am Ende folgt das Thema noch ein paar mal, geht im Hall aber fast unter.



    Sorry für das Selbstzitat, aber so bleibt es im Zusammenhang.


    Ich vermute, das bisherige Nicht-Wahrnehmen dieses Riffs lag vielleicht an der schlechten Qualität meines überspielten Tapes damals. Ich hatte ja keine LP, geschweige denn CD und es war auch definitiv nicht die erste Kopie. Das ging javorher schon durch zig Hände. Vielleicht habe ich mich dann einfach nicht mehr genug "konzentriert" beim späteren Hören, als ich eine CD hatte.


    Ich bin auf jeden Fall neugierig geworden, was ich sonst noch so neuentdecken kann.
    Hat noch jemand unbekannte Stellen im Angebot? :D

    NEIN :!:

  • in "feinde"; die letzten töne des solos sind enorm sonderbar, ganz hoch - habe ich damals erst gehört, als mein kopfhörer kaputt ging, respektive nur noch auf einem ohr funktionierte. da kamen dann diese schrillen töne raus, die ich davor nie gehört hatte - jetzt höre ich sie immer.

  • Und mal wieder liegt die Schiebe auf meinem Plattenspieler... Keine Ahnung warum, doch die "Kreuzzug" ist die Schiebe, die in meiner Bauchgegend heute noch am meisten auslöst - wahrscheinlich weil es die erste Scheibe war, auf die ich als FAN gewartet habe. "Horrorschau" lernte ich ja erst nach "Hier kommt Alex" kennen und wurde zum Fan, bekam "Unter falscher Flagge" geschenkt. Wobei ich dasselbe Gefühl auch bei "180 Grad" habe, seltsamerweise - dieses komische Bauchgefühl der Verliebtheit, auch der Sehnsucht und sogar aus heutiger Sicht des Vermissen und der Nostalgie, weil die Jugend - und dessen war man sich ja nicht bewusst damals - nur ein ganz kleiner, kurzer und unwiederholbarer Abschnitt im Leben ist. Diese 6, 7 Jahre sind einmalig und kommen nie wieder. Der Übertritt von Kind zu erwachsen, die ersten richtigen Küsse (und mehr), neue Gefühle in sich entdecken, die mit 100 einschlagen und einem umhauen, auch der Aufbruch und Ausbruch vom gemachten Nest daheim - die Territorien erweiterten sich, der Aktionsradius ebenso...
    Konzerte, erste Nächte nicht nach Hause kommen - das alles passiert zwischen 11/12 und 18. Und wird in dieser jungfräulichen Art nie wieder kommen. Danach ist man einfach "nur erwachsen" und wenn man nicht aufpasst stumpft man ab, wird zum Hamster im Rad - am besten noch mit Karotte vorne dran und strampelt sich ab. Für ein System, das man eigentlich SO gar nicht so gut findet. Man wird desillusioniert und gibt auf eine gewisse Weise auf, kapituliert...
    Nicht dass ich falsch verstandne werde; es liegt an einem selbst, welche Wege man geht und wie man sie bewältigt. Wie glücklich man sich sein Leben gestaltet und wieviel Kind man behält. Und es gibt NATÜRLICH soviele neue Erfahrungen und Erkenntnisse, die einem täglich erfüllen. Klar!


    Aber dieser "jugendliche Leichtsinn", diese Zerbrechlichkeit, gleichzeitig der Übermut, dieses Abenteuer des Entdeckens des Lebens - das wird es nie wieder geben. Höchstens Trips in andere Länder etc - doch das ist dann dasselbe einfach in grün, rot oder blau.


    Wenn ich die "Kreuzzug"- Scheibe höre, bin ich wieder 12. Und erinnere mich, wie ich damals gedacht habe, spüre den Enthusiasmus und Idealismus, den ich damals - zwar enorm einseitig und unausgegoren, aber mit 100% meines Herzens - gefühlt habe.
    Ich weiss nicht; der Hall, den Kuddel für die Platte gewählt hat, vertieft das Ganze noch... Da gibt es Momente, zB in "Sein oder Nichtsein" und "1000 Nadeln", da falle ich endlos tief, ohne Halt - aber das Fallen ist nicht unangenehm, sondern ein schönes Fallen. Und es tut weh - aber ohne Schmerz.
    Bei der "Kauf mich" 1993 konnte ich mir (finanziell) mehr leisten, konnte der Band nachreisen und erlebte da viel Neues, war 100% am Ball - bei der "Kreuzzug" fanden diese Reisen im Kopf statt. Weg von Fussball und Eishockey, hin zu Abenteuer und Punk. Zu neuen Ufern... "5 vor 12" zeigte mir Wege auf, "Achterbahn", das ich zwar schon von der "Alex"-12" kannte, forderte eine Entscheidung, wie ich denn nun weitergehen will.


    Insofern bleibt "Auf dem Kreuzzug in's Glück" für mich eine spezielle, fast einmalige Hosen-Scheibe mit einem Standing, das von anderen Alben nur schwer zu toppen ist.

    Einmal editiert, zuletzt von pillermaik ()

  • Gestern Abend hatte ich mal wieder einen dieser magischen Hosen-Momente.
    Der Auslöser: "All die ganzen Jahre".
    Das Lied war schon immer ein ganz besonderes für mich, es war DAS Lied, mit dem ich mit den Hosen in Berührung kam, damals, irgendwas um 10 Jahre alt.
    Trotzdem ist er nicht einer meiner Playlist-Favoriten, wenn man rein nach der Quantität des Hörens geht; es gibt deutlich mehr Hosen-Songs, die ich deutlich öfter höre und vor allem auch öfter bewusst ansteuere. Das ändert aber gar nichts an meiner Wertschätzung - manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass man einen Teil seiner allerliebsten Songs auch schützt, in dem man sie nicht "tothört". So geht es mir auch mit Foo Fighters "Everlong" oder Deftones fabelhaften "Be Quiet...".


    Wie auch immer. Gestern Abend schickt die Shuffle-Wiedergabe also mal wieder "All die ganzen Jahre" ins Rennen, und was soll ich sagen, ich hatte Gänsehaut. Die 3:27 Minuten waren packend, energetisch, spannend, dicht und direkt wie selten zuvor bei diesem Song. Was ich längst wusste, wurde mir bei diesem einen Hören noch mal so ganz bewusst: Das fantastische Gitarrenspiel, das eine authentische Drohkulisse aufbaut, die mich direkt in den Konflikt reinzieht. Diese passive Aggression, die Brandmauer des Schweigens zwischen Held und Antagonist ist greifbar, spürbar und in eben jenen 3:27 Minuten angemessen kompakt eingefangen. Schnörkellos, auch auf Platte in der richtigen Schnelligkeit, druckvoll und von Campino eiskalt ausgespuckt - und mit dem unsagbar guten Übergang in "Sein oder Nichtsein" würdevoll beendet. Von der Gesamtatmosphäre kommt da für mich fast nur noch "Mehr davon" ran.


    Sensationell!

  • geht mir ganz genau so!


    Es müsste immer Musik da sein.
    Bei allem was du machst. Und wenn's so richtig scheiße ist, dann ist wenigstens noch die Musik da.
    Und an der Stelle, wo es am allerschönsten ist, da müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment.

  • Bei mir stand mal wieder eine längere Autofahrt an. Zeit also für ein komplettes Album, skippen verboten. Nach "Horrorshow" und der "Opium" stand ich jüngst vor der Wahl "Kauf mich!" oder "Kreuzzug". Beides Alben, die mir sehr am Herzen liegen, weil sie in eine Zeit fallen, in der Musik sich so eng mit Gefühlen, Momenten und Stimmungen verknüpft hat - die "Kreuzzug" dann am Ende aber noch ein bisschen mehr, weil sie gleichbedeutend ist mit meinem allerersten Berührungspunkt mit den Hosen war: Ein Kassette, die ein damaliger Freund von einem älteren Freund abgegriffen hatte. Darauf: Ein subjektiv zusammengestelltes Best-Of der Hosen bis einschl. der "Kreuzzug". "All die ganzen Jahre", "Sein oder Nichtsein" waren die Songs, mit denen bei mir alles begann. Was für zwei Lieder! Da saß ich kleiner Bengel und bekam immer größere Augen. Ich kannte durch meinen Bruder Bands wie Queen, Helloween, Manowar - und, ja, auch Roxette oder die Pet Shop Boys. Fand ich alle auch Spitze. Aber nichts hatte die Qualität dieses Hosen-Tapes. Schon irre: Da sitzt man, noch nicht im Teenager-Alter und ist fasziniert von einer musikalisch eiskalten Abrechnung und einer nicht minder fatalistischen Darstellung einer gescheiterten Existenz - und ist fasziniert.


    Gecatched hat mich damals schon der tolle Sound der Platte und Campinos Gesang. Dieser Wechsel zwischen seiner damals noch sehr unverbrauchten Stimme und der völligen Eskalation, absolut schonungslos der eigenen Stimme gegenüber, war einfach nur faszinierend. Selbst ein Song wie "Hip Hop Bommi Bop" bekommt eine total spannende Wendung, wenn Campino eingreift und Fab Five Freddy im Handstreich aus dem Bild tritt. Campino hat es schon immer geschafft, mit einer begrenzten Stimme fantastische Akzente zu setzen und Songs in die richtige Stimmung zu schubsen. Allein bei "Glückspiraten" spüre ich allein durch Campinos Gesang die dicke Luft und die Eiseskälte zwischen Vater und Sohn. Die Ärztes "Junge" ist nichts dagegen!
    Ergo wird dieses Album immer eine Herzensangelegenheit sein. Und auch wenn CD 2 klar gegenüber CD 1 abfällt, so mag ich diesen chaotischen Gemischtwarenladen aus Humor, Neuem, Alten, Klassikern, Weltklasse-Songs, Banalem und kopierten Versatzstücken, weil es eine angenehme Selbstironie hat und nie die Seele verliert - und auch die Liebe zu den eigenen Songs und sich das Recht herauszunehmen, diese ungefragt neu zu interpretieren, auch wenn es vielleicht keiner hören will, finde ich absolut legitim. Das ist alles nicht verbissen, angenehm locker und mit ordentlich Tempo. Ein gutes Beispiel für ein ziemlich seelenloses, beliebiges Sammeln von Songs finde ich die aktuelle Beatsteaks-Platte "Yours".


    Das Opening von CD 1 ist für mich bis heute unerreicht. Das epische Intro und dann das bärenstarke "Alles wird gut", beides mehr Schlecht als Recht auf der "Ballast" kopiert (das betrifft aber eher "Ballast der Republik" das Opening ist auch fantastisch), hat absolute Maßstäbe gesetzt. Danach geht es eigentlich Schlag auf Schlag weiter, klammert man "Keine Chance für die Liebe" einmal aus. Höhepunkt bleibt für mich dann der Doppelpack aus beiden oben genannten Tracks, vor allem mit der hier schon oft zitierten Verbindung und der Bridge in "Sein oder Nichtsein", gefeatured von Capinos oben beschriebenem schonungslosem Gesang. Einen ähnlich magischen Moment finde ich dann noch auf CD 2, "Willi muss ins Heim" im Intro: Die Toms peitschen, die Gitarre läuft läuft aus und man hört nur noch die Hi-Hat und die Snare. Da bekomme ich jetzt beim Schreiben schon wieder Gänsehaut.


    Die Produktion finde ich fantastisch, der Hall, der Schlagzeug-Sound - und trotz aller Lockerheit und allem Humor ist die Platte nicht banal mit den Songs "Alles wid gut", "Fünf vor Zwölf" oder dem schaurig-schönen "1000 Nadeln". Mit letzterem wird für mich ein Themenfeld von den Hosen bereits 1990 beackert, das sich erst Jahrzehnte später in der Gesellschaft salonfähig gemacht hat.


    Kurzum: Ein besonderes Album und die würdige erste Nummer 1. Auch wenn man selbst natürlich ein anderer Mensch ist als damals "beim ersten Mal" - verliebt bin ich in diese Platte noch immer.

    Einmal editiert, zuletzt von meijel ()

  • Toll geschrieben meijel. Mir bedeutet dieses Album auch total viel. Nur die Begeisterung für den Sound kann ich nicht teilen. So sehr ich die Platte mag, so beschissen finde ich den Sound. Viel zu glatt, viel zu viel Hall. Man merkt das auch noch mal wenn man auf der Jubiläumsedition die Demos hört.

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    Don't Eat The Yellow Snow!

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  • Finde den Sound der Platte auch sensationell. Die oft melancholischen Songs mit Moll-Anteil - Glückspiraten, 5 vor 12, All die ganzen Jahre, Sein oder Nichtsein, Streichholzmann, 1000 Nadeln, Mehr davon Remix, Willi - kriegen dadurch eine andere Note, mehr Tiefgang und katapultieren sich auf ein emotional anderes Level durch den intensiven Hall. Auch wenn Kuddel, der dafür zuständig war, heute selber davon nicht mehr sonderlich begeistert ist.
    Bei einer trockeneren Produktion würde dieser Faktor fehlen und die Songs klängen klinischer und moderner.

  • Ich liebe den sound auch! Dieser Hall unterstützt die melancholische und düstere seite der songs perfekt!leider klang danach nie mehr ein album so ähnlich,im gegenteil: Kauf mich war sogar extrem totproduziert.auf der kreuzzug hatten sie das letzte mal diesen 80er-jahre-sound,den sie auch auf opel-gang(erinnert mich teilweise an frühe cure) ,uff und horrorschau hatten,wenn er auch im endprodukt immer unterschiedlich klang.

  • Beim Sound von "Kauf mich" stört mich vor allem das Schlagzeug. Nicht was Wölli spielt, das ist wie immer top, sondern der Klang! Furchtbar. Null Power, viel zu leise, kein Punch, zu lasch... Wie ein lauwarmes Fürzchen! Allein wenn die Drums kraftvoller abgenommen worden wären, würde das Album wesentlich besser klingen! Hört man in bei Neuaufnahme von "Niemals einer Meinung" aus R&SII bestens.


    Was den Sound angeht, finde ich gibt es grosse Unterschiede zwischen allein schon "Opel Gang" und "Unter falscher Flagge". Letzteres ist extrem bolzig, was nicht zuletzt an einem sehr laut in Szene gesetzen Drumsound liegt. Der fehtl auf OG noch weitgehendst.
    Auf "Horrorschau" stimmt alles. Hall, Power, Lautstärke - da haben sie den richtigen Ton gefunden - "180 Grad" oder "Mehr davon", die von dieser fertigen, geknickten Stimmung leben, sind dadurch on point.
    Ich kann verstehen, dass man den Hall auf der "Kreuzzug" nicht mag - aber wie ich bereits beschrieben habe, hilft dieser Hall - gerde bei "Sein oder Nichtsein" und "1000 Nadeln" - extrem in Sachen Dramaturgie! Ich will das auf keinen Fall missen... Auch in der kongenialen Kombi "Kreuzzug/Alles wird gut" ist der Hall total von Nöten. Ich kann mir nicht vorstellen, wie die Kraftvollen ersten 3 Akkorde von "Alles wird gut", die soviel Power und Schub mit sich bringen, auf Konserve anders besser klingen sollten..?


    Die Zeit "Horrorschau"/"Kreuzzug" war für mich ihre beste. Konzerte, Platten, Erscheinungsbild - alles top! Campino um 1990 mit Top-Frisur :D!

  • Mich stört auf der Kreuzzug vor allem das Füllmaterial...


    Auf CD 1 geht das ja noch, aber CD 2? Hip Hop Bommie Bop, Im Jet Grill, Liebesspieler, Opel Gang? Da hätte man Lieber mal Traumfrau, Fernsehn, Abitur, Vor dem Sturm, Feinde mit drauf nehmen sollen...


    Man hört übrigens bei den Demos schon raus das, dass Schlagzeug sehr dominant ist, bei den kauf mich Demos ist das nicht so

    Es kommt die Zeit
    in der das Wasser wieder steigt...
    Es kommt die Zeit
    in der der Airport wieder brennt...

    Einmal editiert, zuletzt von Gabumon ()

  • Beim Sound von "Kauf mich" stört mich vor allem das Schlagzeug. Nicht was Wölli spielt, das ist wie immer top, sondern der Klang! Furchtbar. Null Power, viel zu leise, kein Punch, zu lasch... Wie ein lauwarmes Fürzchen! Allein wenn die Drums kraftvoller abgenommen worden wären, würde das Album wesentlich besser klingen! Hört man in bei Neuaufnahme von "Niemals einer Meinung" aus R&SII bestens.

    Genau das ist der springende Punkt. Songs wie „Niemals einer Meinung“ oder „Wünsch DiR was“ klingen so fürchertlich lasch dadurch. Da finde ich die „Kreuzzug“ eben um Längen besser, die Snare schallert genauso wie es sein muss und die Hi—Hat klingt fantastisch.

  • Interessant wäre zu wissen wie der Kreuzzug sich anhören würde, wenn sie wie die Horrorschau wäre. Der Sound auf auf der Horrorschau ist der beste den sie je hatten. Genau so muss das Schlagzeug klingen. Die Kauf MICH ist in der tat sehr lasch abgemischt. Auch hier wäre es interessant wie es sich anders abgemischt anhören würde.


    Stellt euch nur die Horrorschau in so einen Hall oder in der Kauf Mich Lahmen Produktion vor......

  • Habt ihr auch so Songs? Die man schon ewig kennt, die man aber immer hat links liegen lassen.
    Und dann, plötzlich, fährt der einem voll rein - und du denkst: Hallo? Wieso machst du mich erst jetzt an?


    So geschehen bei mir gerade mit "1000 Nadeln". Als Kind/Teenager fand ich den Song immer ein bisschen verstörend, weil ich ihn überhaupt nicht verstanden habe. Und weil ich das Thema "Depression" in dem Alter auch noch nicht so prickelnd fand.


    Und jetzt, seitdem ich vor Kurzem die "Kreuzzug" nochmal komplett durchgehört habe, ist der Song bei mir komplett hängen geblieben. Das schaurig-schön melancholische Intro, Wöllis fantastisches Schlagzeugspiel und der Hall auf Campinos Stimme sorgen für eine bedrückende, dichte Atmosphäre. Besonders schön büdelt sich das alles in der Bridge "Und dieser Schmerz kommt so oft wieder / Wie es ihm gefällt". Eine Gänsehaut-Passage.


    Das Ende des Songs allerdings sehe ich mit gemischten Gefühle. Ich denke, hier kommt es darauf an, wie man es dreht. Der Schuss als das unvermeintliche Ende, weil man Tag für Tag gegen Widerstand arbeiten muss ("Und du spürst, dass du den Druck / Nicht mehr lang aushältst")? Oder muss es so weit nicht kommen, weil es Hilfe gibt? Die beschriebene Gesamtsituation aber macht das Ende plausibel, auch um noch einmal besonders drastisch den Scheinwerfer auf dieses Problem zu lenken.

  • Habt ihr auch so Songs? Die man schon ewig kennt, die man aber immer hat links liegen lassen.
    Und dann, plötzlich, fährt der einem voll rein - und du denkst: Hallo? Wieso machst du mich erst jetzt an?
    So geschehen bei mir gerade mit "1000 Nadeln". A


    Genau das hatte ich bei dem Song auch, die Kreuzzug war 1997 meine 3 Hosenplatte, und den Song immer mehr oder wenig Links liegen gelassen weil die 2 CD eben voll mit Lückenfüllern und Aufnahmeschrott ist. Irgendwann zufällig drauf gehabt, und dass ding ist einfach mit der stärkste Song der Platte. Warum der da so vergammelt und und sowas wie Geld § Gold auf der ersten CD ist?


    1000 Nadeln passt perfekt vor Sein oder nicht Sein...

    Es kommt die Zeit
    in der das Wasser wieder steigt...
    Es kommt die Zeit
    in der der Airport wieder brennt...

  • Das Ende des Songs allerdings sehe ich mit gemischten Gefühle. Ich denke, hier kommt es darauf an, wie man es dreht. Der Schuss als das unvermeintliche Ende, weil man Tag für Tag gegen Widerstand arbeiten muss ("Und du spürst, dass du den Druck / Nicht mehr lang aushältst")? Oder muss es so weit nicht kommen, weil es Hilfe gibt? Die beschriebene Gesamtsituation aber macht das Ende plausibel, auch um noch einmal besonders drastisch den Scheinwerfer auf dieses Problem zu lenken.

    Ich empfinde die Stelle "Und du spürst, dass du den Druck / Nicht mehr lang aushältst" eher als Hilferuf denn als Ankündigung der Ultima Ratio. Ich denke, das soll einfach die Brisanz betonen, dass es eben, wenn keine Hilfe in Sicht ist, durchaus dazu kommen kann, es aber nicht so sein sollte.


    Das Thema Depressionen ist ja auch heute noch recht wenig aufgearbeitet in der "allgemeinen Debatte", vor 28 Jahren sah das mit Sicherheit nochmal deutlich schlimmer aus. Da finde ich diese drastische, verzweifelte Zeile absolut passend als impliziten Aufruf, besser aufeinander aufzupassen [Blöde Formulierung irgendwie, aber ich werkel jetzt schon zu lange an dem Satz rum; ich hoffe die Aussage kommt trotzdem rüber]. Der Song ist allerdings auch durchaus geeignet, um Betroffene zu triggern (das kann man natürlich auch objektiv als Zeichen der Qualität des Songs werten, sollte man aber beim Vorspielen besser im Hinterkopf behalten), dazu kommt, dass beim oberflächlichen Hinhören das "Komm wirf dir ein paar Tabletten ein, und alles ist wieder gut. Merkst du nicht, wie du uns langweilst mit deiner Depression?" schnell mal in den falschen Hals kommen kann.


    Für mich auch ein großartiger Song mit einer sehr dichten Atmosphäre, der auch alles andere als aufgesetzt rüberkommt.

    R.T.B.A.M.

    Einmal editiert, zuletzt von DTH_HB_86 ()

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