• Wie eigentlich immer im Winter läuft Nirvana bei mir momentan sehr viel. Ich finde alle drei Studioalben sehr, sehr stark von ihnen. Die Unplugged finde ich auch nicht schlecht, aber den Megahype um das Album verstehe ich nicht wirklich.

    The easiest thing to do.


    Just say fuck you.

  • den unplugged hype konnte ich auch nie nachvollziehen. clapton unplugged war ne coole sache. aber als mtv das als serie aufgezogen hat fand ich das unpassend. das passte halt nicht zu jeder band. war damals so unter dem motto: da kann man dann mal hören wer wirlich musik machen kann und wer nur effekte oder programmierten kram ablaufen lässt. nirvana passte da konzeptionell vielleicht ganz gut, aber mir ging die unplugged damals mächtig auf den senkel. lief aber auch wirklich in heavy rotation auf mtv (was ich damals quasi permanent laufen hatte wenn ich zuhause war, wenn auch oft ohne ton)

    A fallen wall becomes a bridge to connect us rather than divide. (Zeb Love)

  • ich habe mich bisher nie groß mit Nirvana beschäftigt. Bin aber vor kurzem auf Youtube auf das Unplugged Konzert aufmerksam geworden und ich finde Kurt Cobain darauf einfach nur großartig. Diese Stimme und das Charisma finde ich schon extrem beeindruckend. Ein Jammer dass er mit dieser Gabe nicht umgehen konnte

    Wer immer mit der Herde geht kann nur Ärschen folgen!

  • Ich hab die Band erst ziemlich spät schätzen gelernt, so vor ca. 5 Jahren. Ich hab die in jungen Jahren aus Prinzip abgelehnt, weil lange Haare ja was für Hippies waren und auch zu Schulzeiten diese alternativ angehauchten Kiddies mit ihren Nirvana-Shirts für mich so gar nicht gingen. Dass das einfach nur dogmatisch bis intolerant von mir war, ist mir irgendwann auch aufgefallen und "Smells like teen spirit" hab ich ja eh immer heimlich gemocht...
    Nirvana könnte ich wohl auch mal wieder auflegen, wobei mir in der Erinnerung die "Incesticide" Compilation am meisten gefällt.


    Die Unplugged lohnt sich allein für das Bowie-Cover "The man who sold the world". Großartig!

    R.T.B.A.M.

  • Nirvana gehört für mich zu den größten Bands, die dieser Planet je gesehen hat. Wenn man sich heute diese alten Schrammellieder anhört, ist es echt der Wahnsinn, dass sie es geschafft haben, im Mainstreambereich an Anerkennung zu gewinnen. Somit haben sie die Musikwelt extrem geprägt und verändert. Heute klingt allerdings fast alles glattgebügelt, auch bei den Hosen und auch bei fast allen Punkbands, die lanngsam immer größer werden. Aber solche Mucke wie Nirvana ist quasi komplett von der Bildfläche verschwunden, was ich übrigens sehr bedauere. Einfach mal Mut zur Erfolglosigkeit, dass würde ich mir von heutigen Bands mehr wünschen. Nicht solch Larifari Poprock-Gedönz, haupsache radiotauglich...
    Mir ging es Mitte 2000 ähnlich. Durch diesen Nirvanahype wurde ich total abgeschreckt, musste aber feststellen, dass ich total auf die Musik abfahre. Deshalb hat sich erst später die komplette CD-Sammlung von Nirvana bei mir entwickelt. :) Natürlich ist Nirvana hauptsächlich zur Legende geworden, weil Kurt gestorben ist. Würde es Nirvana noch geben, schätze ich, dass sie immer noch ganz oben eine Rolle spielen würden, aber mittlerweile mehr andere Stile ausprobiert hätten. Ja auch im Popbereich wären sie bestimmt aktiver unterwegs. Das ist natürlich nur rein spekulativ.

    Ein kleiner Fleck auf der Karte, springt ständig hin und her.
    Sucht nach seinen Wurzeln und erinnert sich nicht mehr.
    Und seine Bewohner drehen sich im Kreis,
    sind umgeben von zwei Fronten, die beide das Gleiche wollen.

  • Der „ Hype“ ging schon in den 1990er los. Ich fand sie von Anfang an geil. Es war gerade in den 90ziger mal was anderes. Parallel dazu kamen noch Rage, Smashing Pumpkins und.... war damals was anders als der „weichgespülter“ Metal wie Metallica, GnR und das alles, was in den Discos auf einmal für viele „tanzbar“ war. Es war damals was anderes- zumindest habe ich es damals so empfunden. Und ich finde sie heute immer noch gut.

  • war damals was anders als der „weichgespülter“ Metal wie Metallica, GnR und das alles, was in den Discos auf einmal für viele „tanzbar“ war.


    Es ist ja nicht so, dass es sowas wie Nirvana musikalisch nicht schon immer auf eine gewisse Weise gab - das Besondere an Nirvana war Kurt Cobain! Der Mann war intensiver und charismatischer als all die anderen Musiker, die relativ profillos rumlümmelten. Er war krass und genau das brauchte es. Und zwar kein Aufschneider, der der Welt zeigte, wie toll er in Privatjets mit Nutten und Koks rumreisen konnte - far aways dessen, was der Hörer Daheim je erreichen könnte.. Cobain sprach die jungen Leute an, die dieser Poserei überdrüssig wurden. Man konnte ihn nachvollziehen und ihn verstehen. Er war bei den Leuten. Er war die destruktive Stimme einer destruktven Jugend. Er hatte das Charisma, so dass man ihm zuhörte. Doch: Der Antiheld wurde so schnell zum Helden. Das ging nicht ohne eine Form der Verklärung...
    Im Prinzip dasselbe wie beim Punk in der 2. Hälfte der 70er; "No more heroes" sagen The Stranglers und wurden dadurch selber zu Vorbildern. Ein Sid Vicious oder Paul Simonon verehrte man auf einmal. Von Strummer und Lydon ganz zu schweigen. So wurde Punk "verkommerzialisiert" und dasselbe passierte bereits um 1992 mit dem "Grunge". Auf einmal tauchten da mittelmässige Bands auf, weil jedes Fucklabel eine Grunge-Band im Katalog haben wollte und somit Kohle machen konnte. Ab da wurde der Markt überflutet mit durchschnittlichen Produkten. Vieles davon nannte man dann "Alternative Rock". Der Übergang war fliessend.


    Nirvana waren anders - ich verstehe bis heute nicht, wie man Nirvana mit Pearl Jam oder den Stone Temple Pilots in einen Topf schmeissen konnte. Oder Soundgarden.. Im Prinzip sind das total unterschiedliche Baustellen. Während PJ harmlos und gefällig waren, waren Nirvana auch auf ihrem letzten Album "In utero" dreckig, ungemütlich und unzugänglich - musikalisch und textlich. Wer koppelt schon einen Song wie "Heart shaped box" aus und macht noch ein solch "ekelhaftes " Video dazu? Und das 1993. Klar, Soundgarden brachten dann fast ein Jahr später was ähnlich Verstörendes raus mit "Black hole sun" - aber Nirvana waren auch da wieder zuerst dran. Sie trafen den Zeitgeist und die Sehnsüchte der Jugend damals. Ich glaube nicht, dass bei der heutigen Menschenheit oder Jugend Nirvana so nochmals funktionieren könnten.


    Was das "Unplugged in New York" Album angeht; es ist natürlich klar, dass das einen solchen Erfolg einheimsen konnte. Eigentlich wolle jeder "Rebell" - oder die, die sich für sowas hielten - Nirvana geil finden, doch die Verzerrung und der Dreck, bis hin zu Songs die fast wie Krankheiten klangen (besonders auf dem genialen "Incesticide" Album), hielten sie dann doch von ihrer Mini-Revolution ab. Unplugged war das dann doch viel zugänglicher und geniessbarer for everybody. Ich denke mitunter darin liegt der Erfolg des Albums. Und - das muss man ihm zugute halten - es inspirierte viele jungen Menschen dazu, sich eine akustische Gitarre zu schnappen und die einfachen Songs nachzuspielen. Ich kann mich gut an den Sommer 1995 erinnern, als die CD bei jeder Waldfete mit Feuerchen und Bier lief und später gab es wilde Jams von mehr oder weniger talentierten Jugendlichen - mich inklusive - die sich an den und anderen Songs in epischer Länge austobten. Es brachte die Menschen zusammen. Für mich war zu dem Zeitpunkt Nirvana schon etwas lästig geworden - nicht die Musik, die Band - sondern das Produkt. Wenn du 17 bist, hast du gerne Bands für dich. Sie geben dir eine Art von Identifikation, Stabilität und Geborgenheit. Wenn dann auf einmal auch der Klassenstreber, der dich vor 2, 3 Jahren noch abschätzig angeguckt hat und dich Mathe nicht hat abschreiben lassen, auf Rebell macht und meint sich auch an's Feuerchen zu setzen, dann wird es eng. Klar, pure Intoleranz meinerseits und sehr puristisch. Kann ich heute nicht mehr nachvollziehen, war aber so. Deswegen habe ich zu der "Unplugged" ein eher ambivalentes Verhältnis.


    Das krasse an der "Unplugged" ist jedoch, dass die Platte eigentlich so gar nicht schön ist, trotz Cello und trallalla... Kurt Cobain abgemeldet im Sugar- und Painkiller-Land. Singt schief, wirkt entrückt, abwesend, geisterhaft. Seltsam. Doch die zauberhafte Hippie-Atmosphäre plus der schöne Rollkragenpulli von Dave Grohl täuschen darüber hinweg und geben ein eigentlich falsches Bild wieder. Kaputter als auf "Unplugged in New York" war Cobain nie auf einem Tonträger. Ich weiss bis heute nicht, ob das Andere auch so erkannt oder gesehen haben wie ich... Er wirkt kalt, weit entfernt - und trotzdem so einladend warm. Diese Stimme - voller Emotionen, voller Leiden und Sehnsucht! Genial!
    Ein halbes Jahr später - nach Aufzeichnung - war er ja dann auch tot. Und mit ihm die Hoffnung von Millionen. Das Album kam im Herbst 1994, also ein halbes Jahr nach Cobains Tod, raus - da war er schon eine Legende und jeder Arsch wollte davon was haben. Durch die "Gefälligkeit" der Songs, verkaufte sich das Ding dann auch top.


    Was "weichgespülter" Metal (GnR waren kein Metal!) angeht; dem kann ich nicht zustimmen. Sowohl "Use your illusion" und "Black Album" von GnR und Metallica waren keine weichgespülten Alben. Die Songs waren da teilweise immer noch dreckig und kantig. Es war die Produktion!! Der Klang! Die angestrebte "Perfektion"! Dieses übercleane, überladene! Aber nimm Songs wie "Through the never" oder "The Garden of Eden"! Dreck! Natürlich bin ich auch kein Fan von den "UiI" Alben von GnR, dafür war mir "Appetite for destruction" immer zu heilig und wer das Album liebt, kann mit dem aufgemotzen Egozeugs in Überlänge wenig anfangen. Aber weichgespült ist es nicht!

    2 Mal editiert, zuletzt von pillermaik ()

  • Ich kann mich auch noch gut an diese unplugged videos bildhaft erinnern und an das gefühl dass du, maik, da ganz passend beschreibst. das bild was cobain damals abgab war so abwesend, desinteressiert, gelangweilt von all dem was er da aufführte, aber die songs waren trotzdem toll vorgetragen. klar war damals die spontane antwort darauf: joa, echt gut bekifft...

    A fallen wall becomes a bridge to connect us rather than divide. (Zeb Love)

  • Ich erinnere mich an ein Interview, wo er sagte, dass er total die Magenkrämpfe hatte. Sein Gesundheitszustand war total am Arsch. Der Mann war Herion abhängig, ging in den Entzug, und war mit Medikamenten voll gepumpt. Das sollte man berücksichtigen. Und genau so sieht er auch aus, wenn ich mir das Unplugged Video anschaue. Er hatte schon den ersten Selbstmord versuch mit irgendwelchen Substanzen, bevor er sich erschossen hat. Ist schon alles sehr Traurig.

  • Der Vergleich von Punk und Grunge ist so eine Sache: Grunge ist anders als Punk wirklich ein zu 100 Prozent von der Musikindustrie erfundener Begriff, hinter dem keinerlei reale Bewegung stand und unter den allerlei Bands, die etwas härtere Rockmusik spielten, gepackt wurden. Nirvana wurden Schlachtschiff und Vorreiter dieses Begriffs. Die Band hat das zwar mit sich machen lassen, konnte aber mit dem Begriff Grunge selbst und mit der Vorreiterrolle, in die sie gesteckt wurden, überhaupt nichts anfangen und sah sich nachwievor als Punkband.

    "Work is the curse of the drinking classes." (Oscar Wilde)

  • Ich dachte das Thema hätten wir schon vor 2 Seiten abgehakt...


    Es geht auch weniger um die Begriffe Punk und Grunge, sondern darum, dass aus einer Gegenbewegung, aus Antihelden dann Helden wurden und die Gegenbewegung zum Mainstream "verkam". ;) Ob die Gegenbewegung nun Punk oder Fuck oder Dünnpfiff genannt wurde oder wird, ist relativ wurscht. Das sind nur Bezeichnungen. Zumal auch zwischen The Clash und den Pistols oder den Stranglers und den Ramones WELTEN lagen - und allesamt gingen liefen unter der gemeinsamen Flagge Punk..

  • Was ich damit meinte, ist etwas Anderes. "Gunge" an sich hatte gar keine Basis. Hier schon der Unterschied zum Punk: Die Pistols und die Stanglers bezogen sich schon zusammen auf eine Bewegung. Nirvana verortete sich selbst sogar in eben dieser Tradition, anstatt etwa in dem konstruierten "Grunge", der sich ja gar nicht erst kommerzialisiert und vermarkten lassen brauchte, weil er als solcher schon von der Musikindistrie erfunden wurde.
    Ich dachte, das hätten wir längst abgehakt :D

    "Work is the curse of the drinking classes." (Oscar Wilde)

  • auch hier; nicht so ganz korrekt. ich glaube, dass die ami-punkbands wie ramones, dead boys oder thunders wenig gemein hatten mit UK-bands wie x-ray spex oder chelsea. wie auch; komplett andere ansätze, andere kulturen und missstände. und dennoch alles „punk“. war ein label wie grunge, eine erfindung um etwas zu bezeichnen und zu benennen, um es verkaufen zu können. von wem, wann und im prinzip auch warum, ist irrelevant. klar, dass das in den 90ern nochmals probiert wurde, wo es 15 jahre zuvor so bombe lief...

  • Geschenkt, ich habe mich jetzt auf den englischen Punk bezogen.


    Was Anderes, zu Deinem letzten Beitrag: So Bombe lief es 15 Jahre vorher eigentlich nicht. Punk hatte zwar im Untergrund gewildert und alles verändert. Der kommerzielle Durchbruch ist allerdings weitgehend ausgeblieben. Es gab eigentlich keine einzige Punkband, die langanhaltenden Erfolg auf Superstarlevel hatte. Punk fristete bis Anfang der Neunziger ein Nischendasein in der Musikindustrie, obwohl er keinesfalls tot war (es gab Ende der Achtziger weltweit unzählige Punkbands). So einen Megaseller wie Nirvana hatte es bis dato noch nicht gegeben. Insofern könnte man sagen, dass der große Durchbruch des Punk im Mainstream mit Nirvana (und unter dem Begriff "Grunge") geschah.

    "Work is the curse of the drinking classes." (Oscar Wilde)

  • quatsch! aus punk gingen bands wie the cure, ultravox, sogar duran duran hervor... und man denke an den bombenerfolg von the clash... nuff said.

  • Wir befinden uns hier in einem Tote Hosen Forum. Na klar hat Punk erfolgreiche Bands im Mainstreambereich hervorgebracht. ´86 glaube ich, waren die Hosen erstmalig in den deutschen Charts vertreten. Damals gab es Nirvana ja noch nicht einmal. Punk hatte genauso seine Vorreiter, die später zum Mainstream wurden, genau wie bei Nirvana. Es ist doch oft so, dass gerade kritische Dinge von der Allgemeinheit gut angenommen werden. Wer ist schon 100%ig glücklich, es gibt immer mal Probleme, gerade bei der Jugend. Und wenn sich so etwas hyped und immer mehr Geld in die Kasse spült, dann wird es halt zum Mainstream, durch den Hype. Die eigentliche Grundidee dahinter hat dann wenig mit dem späteren Zustand zu tun. Egal ob Musik oder ein anderes Produkt, Klamotten usw. Es ist immer der gleiche Werdegang. Hier muss ich die Hosen mal sehr loben. Sie haben einen guten Weg gefunden, mit diesem Hype umzugehen und immer weiter gemacht. Sie hätten sich durch den eigenen Erfolg auch auflösen können, weil sie abgeschreckt wurden. Ich glaube aus ähnlichen Gründen haben sich auch Slime damals getrennt.

    Ein kleiner Fleck auf der Karte, springt ständig hin und her.
    Sucht nach seinen Wurzeln und erinnert sich nicht mehr.
    Und seine Bewohner drehen sich im Kreis,
    sind umgeben von zwei Fronten, die beide das Gleiche wollen.

  • Fehlt mal wieder ne Top 30 Liste:


    1. Lithium
    2. Sliver
    3. Breed
    4. Dive
    5. Rape me
    6. Negative creep
    7. Heart shaped box
    8. In bloom
    9. Stain
    10. Blew
    11. Pennyroyal tea
    12. On a plain
    13. Polly (beide Versionen geil)
    14. Serve the servants
    15. Come as you are
    16. You know you're right
    17. Swap meat
    18. All apologies
    19. Floyd the barber
    20. Something in the way
    21. Big long now
    22. Hidden Track auf "Nevermind" - keine Ahnung wie der Song heisst
    23. Frances Farmer will have her revenge on Seattle
    24. Smells like teen spirit
    25. School
    26. Drain you
    27. Son of a gun (Cover)
    28. Milk it
    29. Territorial pissings
    30. Where did you sleep last night (Cover)


    Auch super gelungen ist das "The man who sold the world"-Cover von David Bowie - wunderschön.

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