Single: "Teufel" 29.04.2022

  • Weil Musik Geschmacksache ist. Sie löst in uns Emotionen aus, triggert Gefühlslagen, steuert Bedürfnisse an, die meist aus Erlebtem resultieren. Und da erreichen Lieder uns Menschen individuell.

    Nichts. Es gab immer schon Singles, die man verrissen hat. "Sascha" 1992. "Alles aus Liebe" fanden 1993 viele furchtbar. "Jägermeister" 1996 ebenso. "Frauen dieser Welt", "Schön sein", "Bayern", "Alles wird vorübergehen", "Alles was war", "Ertrinken". Teilweise 30 Jahre her und immer wieder verrissen. Nichts Neues im Hosen Universum. 1983 wurde schon bei der 3. Single "Bommerlunder" abgekotzt.

    Ertrinken wurde verrissen ? Von wem denn genau ? Meiner Meinung nach is das sogar einer der Besten Songs überhaupt, aufjedenfall in den Top 5. "Alles Wird Vorübergehen" und "Alles Was War" wurden auch erst mit der Zeit Scheiße. "Alles Aus Liebe" war die ersten Jahre auch Ok, bei dem Rest geb ich dir recht

  • In "Parasit" geht es ganz klar um den Menschen, der mit seinem Tun alles daran setzt, den Planeten zu zerstören, ihn zu besiedeln und auszusaugen wie ein Parasit. Parasit als Metapher für das Verhalten des (kapitalistisch handelnden) Menschen. Das auf Deutschland allein zu reduzieren ist wenig weitsichtig ;).

  • (...)

    Finde den Text von "Teufel" großartig. Dieses Toxische in uns, mit dem wir andere gewinnen wollen, sie beeinflussen und in den Abgrund ziehen wollen, weil wir allein mit einem Schattendasein oder einer Negativrolle nicht klarkommen. In uns haben wir Göttliches, jedoch auch Teuflisches, durch das wir verführen und böse sind. Jeder hat diese zwei Seiten und wenn der Teufel in uns Überhand gewinnt, ziehen wir Unschuldige in den Abgrund. Das so locker, harmlos, fast schon naiv zu vertonen und damit die böse Absicht zu kaschieren, ist großartig.


    "Parasit" ist selbsterklärend.

    Ich würde auch garnicht sagen, dass der Text für sich schlecht ist. Ebenso wenig, dass man die Musik in dem von dir vorgeschlagenen Sinne deuten könnte (das war ja bei Feiern im Regen so ähnlich).


    Mein Problem ist nur: Wenn mich die Musik am Ende zu 2/3 des Songs abstößt, dann nützt es auch wenig, wenn dahinter eine künstlerische Ebene steckt. ;-)


    Da meine ich vor allem, was Vom und Andi in den Strophen machen - das könnte ebenso von jeder Schlagerhits kommen. Und bitte bitte Campino hör endlich mit diesem Sprechgesang auf. Das kann man ja mal machen - aber doch nicht in 2 von 2 Vorabsingels. Zu dem "oh-oh-oh" will ich mich nicht äußern.


    Geil find ich aber das Gitarrenriff zwischendurch und in der Bridge - das hätte richtig Potential gehabt. Insgesamt fehlt mir bei Teufel aber einfach die Hosen-DNA. Ein paar Stücke mal wieder ganz ohne Marten schreiben würde sicher gut tun.


    Parasit find ich bisher ganz gut. Vielleicht nicht ganz ausgereift - aber da klappt, was bei Teufel nicht klappt: Andere Einflüsse aufnehmen und trotzdem einen Hosensong schreiben.


    "Mit 15 schrieben wir noch Parolen an die Wand,
    die keiner von uns damals...so ganz genau verstand."

  • Also ich finde *Teufel* eine absolute Vollkatastrophe.....eine der schlimmsten Singles in den letzten Jahren für mich ....musikalisch und auch textlich...also echt schlimm


    Parasit iss zwar besser aber auch nicht wirklich gut.Also wenn diese Songs das wiederspiegeln was den Hosen die letzten 2 Jahre eingefallen ist dann gute Nacht....dann wäre es vieleicht wirklich besser das Buch zuzumachen....hätte echt nicht damit gerechnet dass ich so dermassen entäuscht bin.....da finde ich Scheiss Wessis ja megageil dagegen....

  • Mein Problem ist nur: Wenn mich die Musik am Ende zu 2/3 des Songs abstößt, dann nützt es auch wenig, wenn dahinter eine künstlerische Ebene steckt. ;-)

    Das Problem habe ich auch (u.a. bei "Europa"), weshalb mir die beiden neuen Lieder jetzt auch eher weniger ins Ohr gingen.
    Ok, ich hab sie jeweils nur 1x gehört, aber in beiden ist mMn sehr stark die Handschrift von Materia zu hören und mein 1. Gedanke war: wenn ich Materia hören will (bzw. wenn ich das tun würde, was aber nie vorkommt), lege ich Materia auf und nicht die Hosen.

    Wer keine Angst vorm Teufel hat, braucht auch keinen Gott!


    Nr. 5 lebt - wir sehen uns wo die eisernen Kreuze stehen...

  • Also ich habe mein persönliches Fazit für mich gezogen: eine Katastrophe, geschweige denn eine Vollkatastrophe, ist Teufel für mich überhaupt nicht. Ich hätte zwar mit mehr Wumms gerechnet, aber das liegt wahrscheinlich auch daran, dass meine Vorstellungen von dem Song im Vorfeld andere waren. Ich hatte mich da auf Vogelfrei eingeschossen. Live ist es bestimmt besser, wenn man von der Stimmung mitgetragen wird. Nichtsdestotrotz finde ich die Texte gut und das mag ich auch so an der Band. Kritik an der Konsumgesellschaft ... zum Beispiel. Die Alben, die nach Opium fürs Volk kamen, fand ich auch nicht unbedingt so der Knaller, was aber nicht dazu führte, dass ich die Hosen abgeschrieben hätte. Im Gegenteil: Es sind immer mal Songs dabei, die ich mochte und mag. Dann kam irgendwann Ballast der Republik, die für mich persönlich der absolute Knaller war und die ich bis heute mag. Da gingen und gehen wohl die Geschmäcker auch auseinander, wie ich mitbekam. Wie ich mich erinnere, sagte Campino im Interview zum Ballast-Album, dass er, sinngemäß, in einer Schreib-/Ideenkrise steckte und Marten ihm bei den Songs geholfen hatte. Heute ist es in der Hipp-Hopp-Szene wohl üblich, dass sich Bands beim Schreiben und Komponieren gegenseitig unterstützen. Klar, nun sind die Hosen keine Hipp-Hopp-Band, aber wenn es bei der Kreativität hilft, finde ich das ok. Mir ist das lieber so, als wenn man gar nix mehr hört und sieht. Es geht also mit der Band weiter und das ist für mich ausschlaggebend. Vielleicht kommt ja in 2-3 Jahren ein weiteres Knaller-Album heraus, das nicht so polarisiert und den Geschmack von denen wieder trifft, die die letzten 10 Jahre für vergebene Liebesmüh halten. Auch dass es einen Tag geben wird, an dem sie ihr Ende bekannt geben werden, glaube ich nicht. Wenn keine Krankheit oder ein sonstiger Schicksalsschlag dazwischen kommt, werden wir bestimmt noch sehr lange von den Hosen hören.

  • Die Schreib/Ideenkriese hat man Campino doch nur eingeredet weil er wohl eher negative Texte schrieb die ja nicht zum Jubiläum passen würden.


    Dank dieser Leute haben wir jetzt wohl Materia am hals.. weil man ja keine negativen Texte mehr schreiben darf.


    Sollte man TV Smith mal sagen, dann besteht sein Set nur noch aus 10 Songs :D

    Es kommt die Zeit
    in der das Wasser wieder steigt...
    Es kommt die Zeit
    in der der Airport wieder brennt...

  • Das will ich mir nicht anmaßen, zu behaupten, dass man Campino die Krise eingeredet hat. Ich denke, dass Campino sich durchaus selbst positionieren kann. Das hat er ja schon immer getan.


    Warten wir doch erst mal die Tour ab und was da noch kommt. Auf die Texte und Statements möchte ich nur ungern verzichten, da ich die meisten für sehr wertvoll für mich persönlich, gesellschaftlich und politisch halte.

  • In "Parasit" geht es ganz klar um den Menschen, der mit seinem Tun alles daran setzt, den Planeten zu zerstören, ihn zu besiedeln und auszusaugen wie ein Parasit. Parasit als Metapher für das Verhalten des (kapitalistisch handelnden) Menschen. Das auf Deutschland allein zu reduzieren ist wenig weitsichtig ;).

    Nein, die Metapher ist hier eine andere: Der Parasit ist der innere Schweinehund der den Menschen befällt und ihn davon abhält die Dinge zu tun, die ethisch angebracht wären. Als Konsequenz zerstört zwar der Mensch den Planeten, aber das ist nicht die eigentliche Bildsprache als Wechselspiel zwischen Parasit und Wirt.


    Der Text ist ausserdem ganz klar auf Deutschland gemünzt, wie Begriffe wie Adolfs Autobahn, Deutsche Wohnen und das Gas von den Russen verdeutlichen. Das macht auch Sinn, da die Zielgruppe des Songs auch in Deutschland liegt und die Intention ist, auf unsere Trägheit hinzuweisen, Dinge zu verändern, die notwendig wären.

    Einen Tag gewonnen und ein Leben verloren!

  • Ich kenne Parasit zwar nicht, aber vom Inhalt und von der Deutung habt ihr wahrscheinlich beide recht. Das sind typische Kritikpunkte von der Band. Die Interpretationen liegen ja auch im Auge des Betrachters und jeder deutet die Worte so, dass sie für einen persönlich einen Sinn ergeben.


    Gibt es eine Möglichkeit, Parasit zu hören, ohne dass ich mir einen Schallplattenspieler anschaffen muss? ;)

  • Kurzer erster Eindruck. Der Text von "Teufel" ist stark. Beim Thema Liebe und Leidenschaft ist die Fallhöhe hoch und man kann schnell in Kitsch verfallen. Das ist hier überhaupt nicht der Fall. Bis auf den Refrain und vor allem dieses "Ich bin verliebt". Das macht ein bisschen kaputt. Weiß nicht warum. Wahrscheinlich, weil es so abgedroschen und platt im Vergleich zu den Strophen wirkt. Und musikalisch ist es erstmal in Ordnung. Ich hätte einen härteren Knaller erhofft. Allerdings dachte ich beim Promotext im Newsletter auch an eine andere Art von Leidenschaft um jeden Preis. Nicht an eine Amour Fou.


    "Das Kennzeichen des unreifen Menschen ist, dass er für eine Sache nobel sterben will, während der reife Mensch bescheiden für eine Sache leben möchte" Wilhelm Stekel

  • Also ich habe mein persönliches Fazit für mich gezogen: eine Katastrophe, geschweige denn eine Vollkatastrophe, ist Teufel für mich überhaupt nicht. Ich hätte zwar mit mehr Wumms gerechnet, aber das liegt wahrscheinlich auch daran, dass meine Vorstellungen von dem Song im Vorfeld andere waren. Ich hatte mich da auf Vogelfrei eingeschossen. Live ist es bestimmt besser, wenn man von der Stimmung mitgetragen wird. Nichtsdestotrotz finde ich die Texte gut und das mag ich auch so an der Band. Kritik an der Konsumgesellschaft ... zum Beispiel. Die Alben, die nach Opium fürs Volk kamen, fand ich auch nicht unbedingt so der Knaller, was aber nicht dazu führte, dass ich die Hosen abgeschrieben hätte. Im Gegenteil: Es sind immer mal Songs dabei, die ich mochte und mag. Dann kam irgendwann Ballast der Republik, die für mich persönlich der absolute Knaller war und die ich bis heute mag. Da gingen und gehen wohl die Geschmäcker auch auseinander, wie ich mitbekam. Wie ich mich erinnere, sagte Campino im Interview zum Ballast-Album, dass er, sinngemäß, in einer Schreib-/Ideenkrise steckte und Marten ihm bei den Songs geholfen hatte. Heute ist es in der Hipp-Hopp-Szene wohl üblich, dass sich Bands beim Schreiben und Komponieren gegenseitig unterstützen. Klar, nun sind die Hosen keine Hipp-Hopp-Band, aber wenn es bei der Kreativität hilft, finde ich das ok. Mir ist das lieber so, als wenn man gar nix mehr hört und sieht. Es geht also mit der Band weiter und das ist für mich ausschlaggebend. Vielleicht kommt ja in 2-3 Jahren ein weiteres Knaller-Album heraus, das nicht so polarisiert und den Geschmack von denen wieder trifft, die die letzten 10 Jahre für vergebene Liebesmüh halten. Auch dass es einen Tag geben wird, an dem sie ihr Ende bekannt geben werden, glaube ich nicht. Wenn keine Krankheit oder ein sonstiger Schicksalsschlag dazwischen kommt, werden wir bestimmt noch sehr lange von den Hosen hören.

    Da würde mich mal interessieren, ob der Frege dem Marteria auch bei 90% seiner Songs hilft beim Schreiben? Bei irgendeinem Song war er ja mal als Gastsänger dabei, dann halt noch die Zusammenarbeit mit Scheiße Ossis, gab es aber sonst überhaupt mal einen Marteria Song, bei dem Campino mitgewirkt hat ?

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